Von Karin Hinterleitner am 27. Februar 2004 um 14:40

28-29/02/04, 11 – 15 h
Innenhof und Erdgeschoss KW Institute for Contemporary Art
Auguststraße 69, 10117 Berlin
Akira Suzuki (workshop for architecture and urbanism)
selfbuild shelter workshop

28/02/04, 19 h
pro qm, Alte Schoenhauser Straße 48, 10119 Berlin
Vortrag Akira Suzuki: selfbuild shelter workshop


Akira Suzuki ist Professor an der Kobe Design University, Herausgeber
des Telescope Magazine und Gründer des Workshop for Architecture and
Urbanism in Tokyo. Er ist in verschiedenen Projekten kuratorisch tätig
und widmet sich in seinen zahlreichen Veröffentlichungen aktuellen
urbanen Phänomenen in Japan und weltweit. Die Arbeiten und Schriften
Suzukis entwickeln sich besonders vor dem Hintergrund der jüngsten
japanischen Geschichte. Mit dem Erdbeben von Kobe, den Attentaten der
Aum-Sekte und dem Zusammenbruch der japanischen Wirtschaft in den
neunziger Jahren erlitt die japanische Gesellschaft eine Serie von
traumatischen Erlebnissen. Die Ereignisse verlangten ein Umdenken – die
Stadt wurde als verletzbar und abhängig von Naturgewalten und globalen
Märkten wiedererkannt. Sowohl die Stadt als auch das traditionelle –
alle gesellschaftlichen Bereiche bestimmende – bürokratische System
Japans kollabierten. Zugleich wurde jedoch durch die Krise kreatives
Potenzial freigesetzt. Für Suzuki erwiesen sich insbesondere sogenannte
unsichtbare Kommunikationsnetzwerke als Retter der Städte in der
Krisensituation. In diesem Zusammenhang thematisiert er in Can Invisible
Communities Save the City und Do Android Crows Fly Over the Skies of an
Electronic Tokyo? den Einfluss elektronischer Technologie auf Gestalt
und Infrastruktur japanischer Städte. Doch auch die shelter buildings,
die im Rahmen mehrtägiger Workshops mit Kindern und Studenten entwickelt
werden, müssen vor diesem Erfahrungshorizont gelesen werden. Gewöhnliche
Materialien wie Sperrholz und Altpapier werden hier zur Bausubstanz der
provisorischen Konstruktionen, die in ihrer banalen ästhetik an die
Notunterkünfte nach dem Beben erinnern. Zur gleichen Zeit verweisen die
Hütten durch ihre radikal auf Grundformen der Architektur reduzierte
Bauweise auf die Frühgeschichte menschlicher Behausung. In der
Abgrenzung eines künstlichen Raumes innerhalb eines natürlichen Raumes –
der Schaffung eines Innen und eines Außen – werden den Kindern
spielerisch Grundprinzipien der Architektur vermittelt. Mit dieser
fundamentalen Besinnung auf den Raum führt Suzuki an den Ursprung des
Bauens und sensibilisiert für einen kreativen Umgang mit alltäglichen
Materialien.


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