Von Betacity am 20. Mai 2003 um 10:50

FFM stellen aus...

Die Filderbahnfreundemöhringen geben sich die Ehre...

Ausstellung der Filderbahnfreundemöhringen in der Galerie der Stadt
Backnang;

Vernissage am Freitag, 23.Mai 20 Uhr.

Thema diesmal »...gut, dass es Freunde gibt«.

Einführungstext des Kurators Martin Schick
(Auszug aus dem Katalog, der anlässlich der Ausstellung erscheint):

Nächster Halt: Backnang

Nach abr, dem deutschen handwerk und den weissenhofern nun die
filderbahnfreundemöhringen: frischer Wind in der Stuttgarter
Künstlergruppen-Szene. Die jüngste Gruppierung besteht aus fünf Studentinnen
und Studenten der Stuttgarter Kunstakademie, die sich schon früh und quer
durch die Klassen gefunden haben. Mittlerweile sind ihre Auftritte legendär.
Die Box in der Gesamtausstellung der Akademie in Ludwigsburg, die Schafe an
der Solitude, die Schweine in der Galerie Oberwelt, die Plakatwand vor der
Staatsgalerie, die Mauer der Reden im Atelier Wilhelmstrasse ­ stets bringen
Anna Lisa Cardinale, Michelin Kober, Daniel Mijic, Konrad Sedlar und Daniel
Sigloch ihre gemeinsamen Konzepte schlüssig auf den Punkt, ohne es dabei an
der nötigen Respektlosigkeit, gut kalkulkierter überraschung und einem
großzügigen Humor mangeln zu lassen. Wer sich als Ausstellungsmacher auf ein
Projekt mit den Filderbahnfreunden einlässt, muss darauf gefasst sein, sich
um der Schönheit des Konzepts willen aus der Reserve locken zu lassen; er
kann am Anfang kaum ahnen, was die fünf Freunde letzlich aushecken, und
vielleicht wissen es diese selbst noch nicht, denn jede ihrer Installationen
setzt, und scheint sie auch typisch FFM, ganz neu an und geht auf die
jeweilige Situation ein. Immer aber verkörpern sie eine Arbeitsweise, die
nahe am öffentlichen Bewusstsein über Kunst bleibt und den gemütlich
eingerichteten Kunstinstitutionen und ihrem Publikum ein wenig an die
Substanz geht. Es ist bemerkenswert, dass sich diese schnelle Eingreiftruppe
des diskreten Kommentars zu öffentlicher Kulturausübung auch noch selbst als
Ausstellungsmacher betätigt: In ihren Atelierräumen im ehemaligen
Strassenbahndepot in Stuttgart-Möhringen (daher der Name) gibt es das so
genannte »gästezimmer«, in dem regelmäßig andere junge Künstler ausgestellt
werden ­ alles ist auf Austausch angelegt, künstlerische und kuratorische
Tätigkeit können sich überschneiden. Und wenn es die Schönheit des Konzepts
verlangt, kann der Spieß herumgedreht, kann das Gästezimmer, als
Eins-zu-eins-Nachbau mitsamt Gast-Werken, gleich auch noch als Exponat auf
die Reise gehen und der Kinderchor der katholischen Sankt-Johannes-Gemeinde
Backnang mit neu einstudiertem Lied (“Gut, dass es Freunde gibt³) zur
Eröffnung verpflichtet werden. Mit schlafwandlerischer Subversivität gehen
die FFM beispielhaft für eine neue, unvoreingenommene Künstlergeneration zu
Werke, der methodisch-kritisches Pathos fremd ist, die genau beobachtet,
sich elegant in geläufige Rezeptionsprozesse einfädeln und mit
Erwartungshaltungen spielen kann. Sie sind informiert, agieren auf der Höhe
der Zeit im internationalen Kontext ­ und legen ein Bekenntnis zum
physischen Ort ab. Der Name ist Programm: Das Gästezimmer, der Filderbahnhof
als Ort der Kunst, die liebevolle Hinwendung zum Lokalen ­ jetzt müsste
Möhringen doch um den Erhalt des alten Depots kämpfen! ­ und nicht zuletzt
die Aufarbeitung des Lebenswerkes des vergessenen Möhringer Künstlers
Friedrich Fuhrmann, die in die Fuhrmann-Stiftung mündete. Für solcherlei
Engagement waren sich schließlich schon Künstler wie Ilya Kabakov mit seiner
Erarbeitung des Werkes von Charles Rosental nicht zu schade (gut, dass es
Freunde gibt). Das Konzept eines Lebenswerkes durchzuspielen, wenn man
selbst noch keines hat, passt wiederum zur FFM-Strategie wie die zur
Eröffnung vom Band abgespielten Reden von Staatssekretär Sieber, OB
Schuster, MdB Schlauch u.a.: Die FFM bringen den Fahrplan durcheinander. Was
gerade überhaupt nicht ansteht, bei den Filderbahnfreunden wird es mit
mindestens fünffacher Wahrscheinlichkeit passieren.


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