Von Stadtbuecherei.veranstaltungen Stuttgart am 08. April 2003 um 09:43

Donnerstag, 10. April
19h30 im Moerike-Kabinett

Stadtbuecherei Stuttgart
Wilhelmspalais
Konrad-Adenauerstr. 2

Reihe tell.net
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Beat Suter
Computerspiel und Narration

Es gibt zwei Arten von Computerspiel-Usern: jene, die jedes Rätsel lösen
wollen und dabei sehr beharrlich sind. das sind die User, die sich fürs
Spiel interessieren, die Spieler. Und es gibt jene, die sich bei der
Repetition von Spielzügen langweilen, sie wollen lieber mittels Cheats
so schnell wie möglich voran kommen. das sind die User, die sich nicht
fürs Spiel, sondern für die Narration des Spiels interessieren.

Diese Einschätzung scheint etwas überspitzt: doch genau diese beiden
Positionen ziehen sich durch sämtliche Gruppen hindurch, die sich mit
Computerspielen befassen, ob nun Spielefans, Designer oder Kritiker. so
haben selbst die Wissenschafter, die sich mit Computerspielen befassen,
in den letzten zwei, drei Jahren diese Positionen bezogen. sie
bezeichnen sich heute gegenseitig als Ludologen und Narratologen. Die
Ludologen konzentrieren sich dabei auf die Mechanik des Spieles und eine
eigene Chronik des Computerspiels währenddessen die Narratologen sich
dafür interessieren die Computerspiele im Zusammenhang mit anderen
narrativen Medien wie Film und Literatur zu studieren.

Bevor wir uns aber hier einer der beiden Positionen nähern können,
sollten wir wohl Computerspiele und ihre Genres etwas näher ansehen.
dabei wird sich schnell zeigen, dass einerseits das Geschichten erzählen
nicht allen Game-Designern liegt, und andererseits nicht alle
Computerspiele Geschichten erzählen müssen. die verschiedenen Genres der
Computerspiele unterscheiden sich in dieser Hinsicht stark voneinander.
Ein Vergleich des bekannten Tetris-Spiels mit einem grafischen
Adventuregame wie Myst III Exile zeigt dies äusserst deutlich.

Wir können aber noch einen Schritt weiter gehen und uns fragen, wie der
neue Erzählraum aussieht, den die Computerspiele für uns öffnen. dabei
stellen wir fest, dass die spiele ebenso stark auf Architektur und z.B.
Tanz zurückgreifen wie sie sich an Film und Literatur anlehnen. aber
auch da zeigen sich wiederum (mindestens) zwei Prinzipien von
Erzählraumkonzepten. ein Vergleich von Myst III Exile mit dem
Ego-Shooter und Multiplayer-Spiel Unreal Tournament zeigt dies deutlich auf.

Hier wäre wohl auch ein dritter weg zwischen Ludologen und Narratologen
anzusetzen, der die Eigenheiten des Mediums respektiert: die Spiele
weniger als Geschichten zu studieren, sondern vielmehr als Räume, die
voll sind von narrativen Möglichkeiten.


Dr. Beat Suter hat sich als einer der ersten im deutschsprachigen Raum
wissenschaftlich mit Internetliteratur beschäftigt. Er ist u.a. Autor
des Buches Hyperfiktion und Interaktive Narration, Zürich: update verlag
2000 und Verleger der edition cyberfiction.


http://www.update.ch/besuter/
http://www.cyberfiction.ch/

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Vorschau: 27.06.03 um 19.30 wird in der Reihe tell.net
Volker Grassmuck über "Datenherren contra freie Information"
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