Von Kunst Und Medienzentrum Adlershof am 13. Mai 2002 um 00:00

Ausstellung im Kunst-und Medienzentrum Adlershof – Reihe „models and frames“
Termin der Ausstellung: 21. Mai - 18.Juni 2002
kuratiert von Judith Siegmund in Zusammenarbeit mit Ute Tischler

Eröffnung am Freitag, den 17. 5. 2002, 20 Uhr


MigrantInnen fallen in unserer Gesellschaft zwar auf, sie werden angestarrt und als Fremde wahrgenommen, darüber hinaus besteht jedoch oft kein Interesse, sie kennenzulernen und ihnen Handlungspielräume zuzuerkennen. Die gegenwärtige Rasterfahndung bringt zudem „unsichtbare“, also angepaßt lebende Migranten in den Verdacht, Terrorist zu sein.
In der Ausstellung ( u n ) s i c h t b a r l e b e n werden Künstler-Positionen aus dem Bereich der Neuen Medien vorgestellt, die den migrantischen Blick auf die deutsche Gesellschaft thematisieren.

Die Ausstellung (u n ) s i c h t b a r l e b e n importiert keine kritischen Diskurse von außerhalb, sondern versammelt Arbeiten aus dem Kontext des migrantischen Lebens in Deutschland. Indem sie Positionen vorstellt, die aus der migrantischen Perspektive selbst produziert werden, will sie einen paternalistischen Blick vermeiden, der kulturelle Hoheitsansprüche vermittelt und manifestiert. Die teilnehmenden KünstlerInnen wurden nicht ausschließlich deshalb eingeladen, weil sie als MigrantInnen hier leben , sondern weil sie ihre Sicht auf unsere Gesellschaft als eine künstlerische Position formulieren.
Die Ausstellung zeigt vorwiegend Video- und Fotoarbeiten, beide scheinen für diese Thematik als adäquate künstlerische Techniken geeignet zu sein, wenngleich die Art und Weise ihrer Benutzung sehr unterschiedlich ist. Zusammen mit den künstlerischen Einzelpositionen werden Kanak Attak und das FrauenLesbenfilmCollektiv Berlin als zwei politisch / künstlerisch arbeitende Gruppen in der Ausstellung vorgestellt, die die vorwiegend emotional intendierten Arbeiten um programmatisch-politische Aspekte ergänzen.

„(Un)sichtbar leben“ versteht sich auch als Kritik an einer deutschen öffentlichkeit, die eine Einwanderungs- und Asyldebatte über die Köpfe von denjenigen hinweg führt, die einwandern bzw. eingewandert sind und hier schon lange leben.
In die Ausstellung eingeladen sind nicht nur alle Kunstinteressierte, sondern besonders auch Menschen aus dem Wohngebiet der Umgebung Adlershof/Altglienicke. Während der Ausstellung sind Veranstaltungen geplant, an denen u.a VertreterInnen verschiedener Vereine und Bürgergruppen aus Adlershof bzw. dem Bezirk Treptow –Köpenick teilnehmen. Die eigens dafür organisierte Konferenzausstattung fungiert darüber hinaus als Ausstellungsbestandteil, der Vorträge und Diskussionen aus dem Status des Beiprogramms in den Ausstellungszusammenhang als dauernd präsentes Bild integriert. Diese Inszenierung zitiert dabei in ironisierender Weise die Behauptung von ExpertInnentum und demokratischer Legitimation, die Konferenzen in ihrer theatralischen Zurschaustellung von Kompetenz und zivilisatorischer Hochkultur auf medialen Oberflächen ausstrahlen.

Zu den Veranstaltungen:

Vortäge/Diskussion
Montag, den 10. Juni 02, 19 Uhr:
Massimo Perinelli (Kanak Attak, Köln): Kanakoperaismus und das Ende des Antirassismus,
Matthias Thiele (Dortmund): Die Darstellung von Flüchtlingen im deutschen Fernsehen – anschließende Diskussion am Konferenztisch

Screening/anschliessende Diskussion
Dienstag, den 18. Juni 02, 19 Uhr:
Branwen Okpako: „Dirt for dinner“(Dreckfresser), 75 min, deutsche Fassung
ein Film zum Thema deutsche Liberalität
wie ein afrodeutscher Polizist in Sachsen Deutschlands Fremdenfreundlichkeit repräsentieren sollte



Zu den einzelnen Arbeiten:



Ana Bilankov (Berlin) “I’m leaving / arriving” (Fotos, Videostills), 2002
Die Künstlerin, die jahrelang mit den Behörden um eine Aufenthaltsgenehmigung ringt, filmt sich selbst zu Hause beim Koffer ein- und auspacken.


Das FrauenLesbenfilmCollektiv Berlin „Unsichtbare Hausarbeiterinnen“,1999, 50 min
ein Film zur Situation von Frauen ohne Papiere in Deutschland, die in Haushalten arbeiten


Nathalie Hillmanns (Berlin)
Radka Hladka (Berlin)
Asri Sayrac (Berlin) „1oo Türken“, 2000, 20 min
Der Maler Asri Sayrac malt die Portraits von hundert türkischen Kreuzbergern aus seiner
Nachbarschaft. Radka Hladka und Nathalie Hillmanns filmten ihn dabei, wie er sich mit seinen Modellen über das Berliner Leben und ihre Gefühle gegenüber der Stadt und dem Land, in dem sie schon sehr lange leben, unterhielt.




Kanak Attak (Deutschland) eine Vorstellung von Kanak Attak, zwei Videos
Kanak Attak ist der selbstgewählte Zusammenschluß verschiedener Leute über die Grenzen zugeschriebener quasi mit in die Wiege gelegter „Identitäten“ hinweg. Kanak Attak fragt nicht nach dem Paß oder nach der Herkunft, sondern wendet sich gegen die Frage nach dem Paß und der Herkunft. Unser kleinster gemeinsamer Nenner besteht darin, die Kanakisierung bestimmter Gruppen von Menschen durch rassistische Zuschreibungen mit allen ihren sozialen, rechtlichen und politischen Folgen anzugreifen.
Kanak-Attak sinirlar üzerinden insanlara atfedilen, deyim yerindeyse besik kertmesi 'kimlikler'in ötesinde bir biraradaliktir. Kanak Attak pasaport ya da köken sormaz, pasaport ya da köken sorusuna karsi çikar. En küçük ortak paydamiz, belirli insan gruplarinin irkçi atiflarla toplumsal, hukuksal ve siyasal sonuçlara yol açacak sekilde Kanaklastirilmasina karsi çikmaktir. Kanat Attak milliyetçilik karsitidir, irkçilik karsitidir ve etnolojik atiflardan beslenen her türlü kimlik politikasi biçimini reddeder.




Ingrid Mwangi (Ludwigshafen ) “see violence”, Videoinstallationsband, Loop, 2002
„Ein Monitor ist in Kopföhe installiert. Das Monitorbild zeigt mein Portrait, weinend und beleuchtet nur von einem flackernden Licht, so dass es sich gelegentlich im dunkel des Hintergrundes fast auflöst. Sätze (What have I done? What have you done? Have we done?...) rollen mit einer fließende Bewegung über mein Gesicht. Es könnten die immer wiederkehrenden Fragen an mich selbst und an den Anderen sein.“
“static drift” (Fotos)
Anna Nizio (Leipzig/Berlin) “Sunny Country”, Video, 2.40 min Einzelne Sätze, die eine deutschsprechende Frau in die Kamera spricht, werden von einer im Hintergrund projezierten Frau nachgesprochen. Durch die Gebrochenheit der Sprache bekommen die Sätze beim Nachsprechen eine neue Bedeutung.

Ayassi (Berlin)
Tyron Ricketts (Köln) “Afro Deutsch”, 10:28 min
Tyron Rickets, der in der Agentur „panthertainment“ afrodeutsche und afroamerikanische Musiker und Models castet, textete und produzierte „Afro Deutsch“, das als Single, Videoclip und als Kurzfilm an den Start ging. Wir zeigen die zehnminütige Kurzfilmfassung, in der Tyron Ricketts den Songtext, der Einblicke in seine eigene Biografie gibt, rapt. Ayassi ist der Regisseur dieses Films gegen rechte Gewalt.


Roland Schefferski (Berlin) „P für Pole?“, Diainstallation
Roland Schefferski, ein gebürtiger Pole mit einem deutschen Paß fragt sich und die Behörde, was das P in seinem Paß bedeutet.


Andrea Knobloch (Düsseldorf) „Hinter den sieben Bergen...“
Die Künsterlin war eingeladen, die Präsentationsoberfläche von "(u n ) s i c h t b a r l e b e n mitzugestalten. Im Verlauf des Arbeitsprozesses stellte sie das Konzept eines übergreifenden "Ausstellungsdesigns" immer mehr
in Frage. Wichtiger scheint die eigene Standortbestimmung im Zusammenspiel mit den Positionen der teilnehmenden KünstlerInnen. Mit den Slogans global operierender Konzerne ("where do you wanna go today?"(Microsoft), "Die Freiheit nehm' ich mir" (Visa)) beschreibt sie ein Zugreifen auf globale Ressourcen, das es sich leisten kann, Grenzziehungen jeglicher Art zu ignorieren.


Adresse: Kunst- und Medienzentrum Adlershof, Dörpfeldstr. 56, 12489 Berlin, Tel. 030-67 77 68 11, Fax. 030-67 77 68 12, öffnungszeiten: Mo 11-17 Uhr, Di, Do, Fr 11-19 Uhr, So 14-19 Uhr, Mi, Sa und an gesetzlichen Feiertagen geschlossen.


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