Von Karin Hinterleitner am 27. August 2003 um 17:04

Hallo BETAS,

heute las ich die traurige Meldung in der Stuttgarter Zeitung, daß
Dr. Andreas Jürgensen im Urlaub an seinem Krebsleiden gestorben ist.

Ich habe ihn als lernbereiten, offenen und standhaften Partner für
KünstlerInnen und Publikum kennengelernt - er ging Risiken für Projektkunst
ein. Für diese Eigenschaften habe ich ihn geschätzt. Dieser Führungsstil und
sein Interesse an regionalen jungen KünstlerInnen prädestinierten ihn zum
Hoffnungsträger für die hiesige Kunstszene. Sein Management trug
bedauerlicherweise wenig dazu bei, für seine Richtungsänderung im bisher auf
erprobte Konzepte setztenden WKV dauerhaft Befürworter zu finden. Wie sehr
hab ich ihm einen glücklicheren Neuanfang in Stuttgart gewünscht.

Der Artikel beschreibt das Wirken von Dr. Andereas Jürgensen und die
schwierige Situation im Kunstverein.

Heute ist übrigens im Württembergischen Kunstverein für Mitglieder ein Jour
Fix, bei dem die neue Website vorgestellt wird. Ab morgen ist sie unter
http://www.wkv-stuttgart.de einsehbar.

Karin Hinterleitner









http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/page/detail.php/490301


Trauriger Abschied

Zum Tod des ehemaligen Kunstvereinschefs Andreas Jürgensen

Von Amber Sayah

Andreas Jürgensen, der bisherige Leiter des Württembergischen Kunstvereins,
hat seinen vorzeitigen Amtsrücktritt zum 1. August dieses Jahres um keine
vier Wochen überlebt. Am vergangenen Samstag ist Jürgensen in seiner
dänischen Heimat in Haderslev gestorben. Der 42-Jährige erlag einer
Krebserkrankung, die ihn schon im letzten Jahr seiner Amtszeit in Stuttgart
schwer gezeichnet hatte. Damit ist nun ein kurzes, unglückliches Kapitel in
der Geschichte des Kunstvereins traurig zu Ende gegangen.

Angetreten hatte Jürgensen seinen Posten erst am 1. Januar 2001 - ein
jungenhaft wirkender, freundlicher Mann aus dem hohen Norden, der bis dahin
"Brandts Klaedefabrik", Dänemarks größte Kunsthalle in Odense, geleitet und
am Kunsthistorischen Institut der Universität in Aarhus unterrichtet hatte.
In Stuttgart, so hatte er sich vorgenommen, wollte er neben neuer Kunst
insbesondere allerneueste Kunst zeigen, so frisch aus den Künstlerateliers,
dass die Farbe sozusagen noch nicht ganz trocken war, um "dichter als andere
Institutionen am Kunstgeschehen zu bleiben".

Unter seiner ägide waren im Kunstverein beispielsweise die
Kabinettausstellungen eingeführt worden, die in relativ rascher Folge
Absolventen der Kunstakademie präsentieren. Ein wichtiges Anliegen war dem
engagierten Didaktiker daneben auch die Kunstvermittlung, um Besuchern den
Zugang zur Gegenwartskunst zu erleichtern. Viele Mitglieder und auch
Besucher schätzten an Jürgensen ein feines Gespür für die zeitgenössische
Kunst. Offenes Geheimnis war aber auch, dass der Däne nicht das größte
Organisationstalent war.

überschattet wurde Jürgensens Amtszeit sehr rasch von Differenzen mit dem
Vorsitzenden des Kunstvereins, Hans J. Baumgart, die letztlich zu der
vorzeitigen Trennung führten. Die offizielle Begründung lautete:
unüberbrückbare Gegensätze in konzeptionellen Dingen. Es hat sich aber
herumgesprochen, dass es vielmehr um Kompetenzen ging, weniger um Konzepte.
So stellte Baumgart, der sich sehr für Jürgensens Wahl eingesetzt hatte, dem
Kunstvereinschef vor einem Jahr mit Andrea Jahn eine Stellvertreterin zur
Seite, ohne Jürgensen und den Verwaltungsrat zuvor zu informieren. Bekannt
ist auch, dass Baumgart mehr den glanzvollen Auftritt sucht, um damit die
Erwartungen an Kunstausstellungen zu erfüllen, die "zu Recht bei Politik und
in der öffentlichkeit bestehen". An Jürgensen, der eher den Labor- und
Experimentiercharakter der Kunstvereinsaktivitäten betonte, passte ihm schon
bald die ganze Richtung nicht.

Mehr als kühl fiel auch der Abschied im Juni anlässlich der letzten
Ausstellungseröffnung unter Jürgensens Leitung aus. Der Vorsitzende zollte
dem scheidenden Kunstvereinschef zwar Respekt, "dass er nicht nur standhaft
an seinen überlegungen festhielt, sondern auch den Weg frei machte". Anlass,
ihm für seine Arbeit zu danken, sah Baumgart jedoch nicht. Andreas Jürgensen
hinterlässt eine Frau und zwei kleine Kinder.


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