Von Eine Ausstellung Der Ursula Blickle Stiftung am 24. Oktober 2005 um 00:00

13. November – 18. Dezember 2005

Ulrike Ottinger
Aller Jamais Retour
Tabea Blumenschein, aus: Bildnis einer Trinkerin, Farbe, 1979


Ulrike Ottingers Filme und Fotografien führen den Betrachter an weltweite Schauplätze, die sich bis in die Ukraine, die Mongolei oder nach China erstrecken. Ihre filmischen Erkundungen bewegen sich zwischen Fiktion und Dokumentation. Bei ihren assoziativen Streifzügen interessiert sich die Künstlerin vor allem für die Erforschung der Peripherien von Städten, Ländern und Gesellschaften. Vor diesem Hintergrund erzählt sie in ihren Filmen und Fotografien vom Glanz und Elend des Menschen. Das Spiel mit Divergenzen wie Realität und Scheinwelt, Oberfläche und Untergrund, Normalität und Skurrilität verleiht ihren Filmen eine spannungsreiche Tiefe. Ottingers ästhetik hat einen Hang zum Theatralischen, sie liebt die Inszenierung und übertreibung, wobei sie die Balance in ihrer Arbeit immer wieder durch die Darstellung von einfachen Szenen des Alltags findet.

Im Mittelpunkt der Ausstellung „En Face“ steht Ulrike Ottingers Leidenschaft für das Portrait, ihre obsessive Suche nach Markierungen des Lebens. Ottingers Bilder erzählen von persönlichen Biografien, hintergründigen Geheimnissen und Wünschen, Erlebnissen und Abenteuern sowie deren Einschreibung in Gesichter und Körper. Dabei inszeniert sie Persönlichkeiten wie Tabea Blumenschein, Valeska Gert, Eddie Constantine oder Martin Kippenberger als Charaktere, die sich Phantom-ähnlich zwischen Wirklichkeit und Halbwelt bewegen. Ulrike Ottinger portraitiert auch literarische und historische Personen wie Dorian Gray und Johanna von Orléans. Exzentrische Freaks und Figuren der Differenz stehen genauso im Mittelpunkt ihrer Arbeiten wie Glamourgirls und schillernde Bohemiens. Aber auch ihre Gruppen- und Einzelportraits, die sie von ihren vielen Reisen nach Hause bringt, sind weniger ethnologische Untersuchungen als vielmehr visuelle Manifestationen des Existenziellen. Mit ihren Fotografien und Filmen durchmisst Ottinger das Raum- und Zeitkontinuum und versucht das menschliche Sein in seinen unterschiedlichen gesellschaftlichen und kulturellen Milieus aufzuspühren. In ihren Portraits werden so Gesichter zur ontologischen Maske der Welt.

Neben „Usinimage“, einem Kurzfilm, der als Montage aus Ottingers Berlin-Triologie („Bildnis einer Trinkerin“, „Freak Orlando“ und „Dorian Gray im Spiegel der Boulevardpresse“) entstanden ist, wird die fotografische Präsentation in der Ursula Blickle Stiftung durch den Kurzfilm „Das Exemplar eines Spießers“ ergänzt. In diesem Film wird ein zaristischer Beamter portraitiert, der sich nach 20-jähriger Ohnmacht in der Sowjetunion wieder findet. Darüber hinaus wird der Film „Suberbia – Der Stolz“ zu sehen sein, der eine der sieben Todsünden, den Stolz thematisiert – ein menschliches Tableau vivant von erlesener Künstlichkeit.

Ulrike Ottinger, die in Berlin lebt, ist vor allem als Filmemacherin bekannt geworden. Die Ursula Blickle Stiftung zeigt nun eine große Werkausstellung in Deutschland, in der außer filmischen Arbeiten vor allem ihr fotografisches Werk, Drehbücher, Archivmaterial und Fotonovellas gezeigt werden. Retrospektiven der Arbeit von Ulrike Ottinger waren bisher u. a. im MOMA in New York, in der Tate Modern in London und im Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofia in Madrid zu sehen. 2002 zeigte sie auf der Documenta11 die Filme „Südostpassage“ und „Das Exemplar“. 2004 präsentierte das Witte de With Center for Contemporary Art in Rotterdam eine umfangreiche Ausstellung der Künstlerin.

Anlässlich der Ausstellung in der Ursula Blickle Stiftung erscheint im Verlag für moderne Kunst, Nürnberg, das erste umfassende Künstler- und Werkbuch von Ulrike Ottinger, bei dem das Portrait eine zentrale Rolle einnimmt. Weiterhin sind Texte von Gertrud Koch, Michael Oppitz, Laurence Rickels und Katharina Sykora und ein Interview von Gerald Matt mit der Künstlerin in der Publikation enthalten. Herausgeber: Ursula Blickle Stiftung, Catherine David/Witte de With, Gerald Matt/Kunsthalle Wien.

Das Buch „Ulrike Ottinger: En Face“ wird anschließend in der Kunsthalle Wien präsentiert. In Kooperation von Kunsthalle Wien und ursula blickle video lounge werden im Filmcasino in Wien zudem die Filme „Bildnis einer Trinkerin“, „Dorian Gray im Spiegel der Boulevardpresse“ und die österreichpremiere von „12 Stühle“ gezeigt.

Ausstellungsort
Ursula Blickle Stiftung, Mühlweg 18
D -76703 Kraichtal-Unteröwisheim
Tel +49 7251 60919 Fax +49 7251 68687

Kurator
Dr. Gerald Matt, Direktor der Kunsthalle Wien

Dauer der Ausstellung
13. November – 18. Dezember 2005

Eröffnung
Samstag, 12. November 2005, 19 Uhr

öffnungszeiten
Mi 14 – 17 Uhr, So 14 – 18 Uhr
und nach Vereinbarung

http://www.ursula-blickle-stiftung.de/05_04.htm


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