Von Annette Eckerle am 06. April 2017 um 16:36

Südseite nachts mit den Neuen Vocalsolisten und Gästen
wortgewaltige Poesie

Viel zu erzählen haben die Komponist*innen der Südseite nachts am kommenden Dienstag, 11. April 2017 (20 Uhr Theaterhaus, Südseite/P1): Marcel Prousts Albertine-Szene von Lucia Ronchetti, Claus-Steffen Mahnkopfs Pasolini-Reflexion und Benjamin Scheuers Labermöwen-Kabinettstück werden gerahmt von Reflexionen über die Zeit (Karola Obermüller) und - sehr zeitgemäß - über das, was stimmt oder was zumindest stimmen könnte (Robin Hoffmann). Die Neuen Vocalsolisten laden ein zu einem künstlerisch für Publikum und Interpreten höchst spannenden und vergnüglichen Abend.

Zunächst macht sich Karola Obermüller in mass:distance:time auf die Suche nach entfernten Klangwelten. In ihrem energetischen Werk blitzen Reminiszenzen an Giuseppe Ungaretti auf und an das Kyrie aus der "Messe de Nostre Dame" von Guillaume de Machaut. Gleich danach stellt sich Daniel Gloger in Lucia Ronchettis Komposition Albertine der Herausforderung, allen Personen aus dem gleichnamigen Text von Marcel Proust eine individuelle Stimme zu verleihen.[nbsp]

Mit void - un delitto italiano von Claus-Steffen Mahnkopf schließt die erste Konzerthälfte: Gewidmet hat Mahnkopf das Werk dem von ihm hoch geschätzten intellektuellen Poeten Pier Paolo Pasolini. Mit "Void" ("Leere") spielt Mahnkopf auf die immense Leerstelle an, die der Tod Pasolinis im italienischen Kulturleben hervorgerufen hat. Und mit dem Untertitel deutet der Komponist überdies die "Wurstigkeit der italienischen Justiz" an, die diesen Mord nie aufgeklärt und damit eine konkrete Leerstelle im Fall Pasolini hinterlassen hat.

Weiter geht es nach der Pause mit dem unterhaltsamen Zyklus Impulsive Lieder von Benjamin Scheuer. Der Solist[nbsp]Andreas Fischer spielt unter anderem mit Enten, Eichelhäher, Birkhahn, Schnepfe und mit der Labermöwe Horst, instrumental begleitet von Delphine Grataloup (Flöte), Asya Fateyeva (Saxophon) und Margit Kern (Akkordeon).

Am Ende des Abends steht die sechsstimmige Komposition was stimmt von Robin Hoffmann, inspiriert vom Artikel zu dem deutschen Wort "stimmen" im Grimmschen Wörterbuch. So fand sich Robin Hoffmann einer enormen Bedeutungsvielfalt gegenüber, denn das Wort "stimmen" kann bedeuten: Sprache, Ton, Laut von sich geben, hören lassen, seine Meinung äußern, dadurch zu einer Entscheidung mitwirken, votieren ... Die Reihe ließe sich fortsetzen. Die Neuen Vocalsolisten jedenfalls haben hier ein aufregend virtuoses Sprach-Klang-Lexikon zu interpretieren.

Karten an der Abendkasse vor dem Konzertsaal Theaterhaus/P1
12 Euro / erm. 8 Euro

Die Reihe Südseite nachts, veranstaltet von Musik der Jahrhunderte, umfasst acht Ausgaben im Jahr:
Von Februar bis Mai und von September bis Dezember, immer am zweiten Dienstag im Monat, sind in P1 auf der Südseite vom Theaterhaus Komponisten und Interpreten mit ungewöhnlichen Ideen und Freude am Experiment zu erleben.

Die Reihe im zweiten Halbjahr der Saison 2016/17:
14. Februar - Piano Sounds mit Neus Estarellas
14. März - Metamorphosen mit ensemble recherche
11. April - wortgewaltige Poesie mit den Neuen Vocalsolisten
9. Mai - Traummechanik mit ascolta





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Musik der Jahrhunderte
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