Von Judith Siegmund am 12. September 2012 um 13:00


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Herzliche Einladung zur Ausstellung
Research â Wirklichkeit als Material

Invitation to the exhibition *
Research â Reality as Material*

Eröffnung/Opening: 12.09.2012, 19.00 / 7 pm
Dauer/Duration: 13.09.2012 â 26.10.2012
Ort/Venue: ratskeller â Galerie für zeitgenössische Kunst Berlin
Kuratorin/Curator: Sabine Winkler

*http://www.research-wirklichkeit-als-material.net*


RESEARCHâWIRKLICHKEIT ALS MATERIAL
13|09|2012 â 26|10|2012


ZACHARY FORMWALT (USA)
GORAN GALIÄ & GIAN-RETO GREDIG (CH)
ERIK GÃNGRICH (D)
BETTINA LOCKEMANN (D)
ULRIKE LUDWIG (D)
VLADIMIR MITREV (BG)
KARINA NIMMERFALL (A)
ELISABETH SCHMIRL (A)
JUDITH SIEGMUND (D)
VICTORIA TOMASCHKO (D)

In der Ausstellung "Research â Wirklichkeit als Material" wird die Frage
nach künstlerischer Forschung und recherchebasierter Produktionsweise im
Hinblick auf die Fotografie gestellt. Wie unterscheiden sich
dokumentarische und journalistische Fotografie von Fotografie, die auf
künstlerischer Forschung basiert? Was ist der Stellenwert von Forschung
innerhalb der Fotografie? Wie wird Fotografie in künstlerischer
Forschung eingesetzt und wo stöÃt sie auf ihre Grenzen innerhalb der
Darstellung komplexer Zusammenhänge? Welche Rolle spielt Realität als
Ausgangsbasis â werden fiktive Elemente integriert, gibt es
produktionstechnisch gesehen Bezüge und Ãberschneidungen mit der
Herstellung von Texten und Filmen? Die Ausstellung beschäftigt sich mit
dem Verhältnis von Wissensproduktion und Ãsthetik, mit "Poetologien des
Wissens", wie Joseph Vogl das nennt. Kann und soll Fotografie Wissen
transportieren oder wird Wissen als kunstimmanenter bzw. ästhetischer
Bestandteil künstlerischer Produktion vorausgesetzt? Und inwieweit wurde
und wird Fotografie als Instrument zur Repräsentation von
Herrschaftsgeschichte eingesetzt, um Wahrnehmungsstrukturen und
Sichtweisen zu prägen? Wirklichkeit fungiert als Material, wird
analysiert und erforscht, um durch Wissensproduktion künstlerische
Prozesse zu generieren und Realität und ihre Darstellungsformen durch
Kontextualisierung zu überprüfen.

*Zachary Formwalt* recherchiert den Kontext der ersten in einer Zeitung
maschinell abgedruckten Fotografie und untersucht deren textunabhängige
Positionierung im "The Daily Graphic" vom 4. März 1889, sowie die
Bewertung in der Fotografie- und Stadtentwicklungsgeschichte. *Goran
GaliÄ & Gian-Reto Gredig* forschten im Umfeld internationaler
Kriegsfotografen, interviewten sie über ihre Arbeitsbedingungen,
Erfahrungen und Sichtweisen. In ihren beiden Videofilmen "Publish or
perish" und "Der Kamera-Mann" werden die recherchetreibenden
Fotojournalisten zum Objekt der Recherche. *Erik Göngrich* begibt sich
auf die Suche nach ursprünglichen Vorstellungsbildern von moderner
Architektur und überprüft ihre Ãbereinstimmung mit der Wirklichkeit.
Welche Rolle spielt Fotografie in der Entwicklung von Architektur und
deren Geschichte? Was ist ihre Funktion in der Reproduktion urbaner
Missverstädnisse? *Bettina Lockemanns* Versuch, Arbeitsweisen von
EU-Parlamentariern in Brüssel fotografisch sichtbar zu machen,
scheiterte: sie musste feststellen, dass die bürokratischen und
politischen Strukturen auch vor Ort undurchsichtig bleiben, nicht
abbildbar sind. Sie setzte die Intransparenz komplexer parlamentarischer
Arbeitsweisen atmosphärisch um und schafft ein fiktives Protokoll
parlamentarischer Wirklichkeit. *Ulrike Ludwig* zeigt Fotos einer
Erdbeerzucht am Bodensee und erforscht die Diskrepanz von hoch
technologisierten Herstellungsprozessen und den mit Erdbeeren in
Verbindung stehenden sinnlichen und erotischen Phantasmen. *Vladimir
Mitrev* reinszeniert in seinem Video das setting zweier Fotografien von
Roger Fenton mit dem Titel âValley of the Shadow of Deathâ, die dieser
während des Krimkrieges 1853 bis 1856 aufnahm. Ein Foto zeigt einen Weg
mit Kanonenkugeln und eines den Weg ohne. Vladimir Mitrev reinszeniert
einen möglichen Handlungsablauf dieses abgebildeten Kriegsszenarios und
baut die abgebildete Landschaft originalgetreu nach und lässt reale
Kugeln aus dem Hintergrund nach vorne rollen. Er verweist auf
Inszenierungsprozesse und deren Bezug zur Wirklichkeit zu Beginn der
Kriegsfotografie um 1853. *Karina Nimmerfall* recherchierte über soziale
Wohnbauprojekte von Richard Neutra in Los Angeles in den 1940er Jahren.
In ihrer Fotoserie "Index of Livability" zeigt sie Auswirkungen des
politischen Wandels auf städtebauliche Transformationsprozesse und
verweist auf die unterschiedlichen Vorstellungen eines besseren Lebens
und deren ideologische Manifestationen in der Architektur der
Wohnprojekte. *Elisabeth Schmirl* recherchiert in digitalen Archiven
nach weiblichen Posen der Fremdâ und Selbstdarstellung auf historischen
und aktuellen Fotografien. Sie analysiert weibliche Darstellungsformen,
Inszenierungen und Maskeraden zwischen Wirklichkeit und Fiktion. *Judith
Siegmund* fotografierte Orte der Erinnerung aus ihrer Kindheit in
Rostock und stellte dem fotografischen Bild ein sprachliches
Erinnerungsbild bei. Transformationsprozesse und der visuelle Wandel,
gestützt durch den Wandel der Ideologien werden in dieser zeitlichen
Distanz, die der subjektive Blick der Erinnerung schafft, sichtbar.
*Victoria Tomaschko* fotografierte in Plattenbausiedlungen, im Norden
von Rostock, um verdrängte aber dennoch vorhandene Auswirkungen der
Ereignisse vom August 1992 in Lichtenhagen zu erforschen. Vor 20 Jahren
griffen Rechtsextreme die Zentrale Aufnahmestelle für Asylwerber im
Sonnenblumenhaus an, Schaulustige klatschten und behinderten den
Polizeieinsatz. Wie prägen diese Ereignisse das heutige Leben im Norden
von Rostock?

Veranstaltungen

*Donnerstag, 13.09.2012, 15 Uhr*
Publikumsführung mit Sabine Winkler

*Mittwoch, 24.10.2012, 19 Uhr*
Kontext und Subtext:
KünstlerInnen diskutieren ihre Arbeitsweisen
*Victoria Tomaschko:* Blinder Fleck
Rostock-Lichtenhagen â 20 Jahre nach den Angriffen auf das
Ausländerwohnheim im Sonnenblumenhaus
Moderation: Seraphina Lenz
in Zusammenarbeit mit dem Institut für Kunst im Kontext,
Universität der Künste, Fakultät Bildende Kunst

ratskeller â Galerie für zeitgenössische Kunst
MöllendorffstraÃe 6, 10367 Berlin, Tel.: 030-902963712

http://www.kultur-in-lichtenberg.de

Ãffnungszeiten: MoâFr 10â18 Uhr
U- und S-Bahn Frankfurter Allee (S41, S42, S8, S9, U5),
Tram 16, M13

Bezirksamt Lichtenberg von Berlin
Abteilung Bildung, Kultur, Soziales und Sport, Amt für Weiterbildung und
Kultur
Fachbereich Kunst und Kultur




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RESEARCH â REALITY AS MATERIAL
13|09|2012 â 26|10|2012


ZACHARY FORMWALT (USA)
GORAN GALIÄ & GIAN-RETO GREDIG (CH)
ERIK GÃNGRICH (D)
BETTINA LOCKEMANN (D)
ULRIKE LUDWIG (D)
VLADIMIR MITREV (BG)
KARINA NIMMERFALL (A)
ELISABETH SCHMIRL (A)
JUDITH SIEGMUND (D)
VICTORIA TOMASCHKO (D)

The exhibition "Research â Reality as Material" explores the position of
photography in the context of artistic research and research-based
methods of production. What is the difference between documentary,
journalistic photography and photography that is based on
artistic-research? What is the status of research within photography?
How is photography used within artistic-research-methods and where are
its limits concerning the presentation of complex relations? Which role
plays reality in this context â is there an integration of fictive
elements, are there references and overlappings with texts and films? Is
it about scientific, poetic or journalistic methods of work â where is
the line to documentary modes of practices? The exhibition deals with
the relation of production of knowledge and aesthetics, with
"poetologies of knowledge" so called by J oseph Vogl. Can or should
photography convey knowledge or is knowledge required as an art immanent
respectively aesthetic component of artistic production? And in how far
photography was and is used as an instrument of representation of
hegemonic systems, forming structures of perception? The exhibition
thematises these issues, exploring photographic presentation within
construction and production of historic, anthropological and political
knowledge and its representation. The investigation and reflection of
systemic relations, the contextualizing of research results and methods
are part of artistic practice, revealing differentiated views. Reality
functions as material, is explored and analysed, querying reality
through production of knowledge and artistic processes. Artistic
research can operate independent of the constraints of methods, e.g.
relinquishing the principle of replicability, opening new possibilities
of approach, or raising to question the predominant definatory power
within various fields. Different methods of research and its
transformation within artistic practices and discursive reference
systems are thematised. The art works explore these lines of reference
of photography and knowledge, by using reality as material.

*Zachary Formwalt* shows photographs, a video-film and an artist book,
that refer to the first photograph that was printed mechanically in a
newspaper. This halftone picture was published in "The Daily Graphic"
from 4th March 1880 and shows Shantytown, New York. In "Vanderbildt's
Wants" Zachary Formwalt took photos of two images and an article of this
newspaper, revealing the practice, that photos were not used for
illustration of articles at the beginning of photo journalism: text and
photographs were placed on different pages in the newspaper. In"Reading
the Economist" Zachary Formwalt combines and interrelates economy
journalism and photo journalism of different epochs in a book. The video
"Through a Fine Screen" deals with the missing classification of this
first halftone print of a photograph in a newspaper, concerning town
planing, as the localisation of the mapped Shantytown remains
speculative. *Goran GaliÄ and Gian-Reto Gredig* explore working
conditions of photo-journalists in war zones. The journalists, the
professional investigators become the object of research. They talk
about their experiences, business, non made photos, and about the loss
of control concerning the selection of photos that are published. *Erik
Göngrich* regards photography as an invitation to experience urban space
physically. He explores origins of modern architecture and its
transformation processes. What is the role of photography in the history
of architecture, and what is its role in reproducing misunderstandings?
In her photo-series "e p / 2006 /k." *Bettina Lockemann* was trying to
explore the everyday work of European Parliamentarians in Brussels,
realising that bureaucratic and political structures remain
untransparent, despite doing investigation on site. She visualises the
opacity of EU-parliamentary work by transforming it into a fictive
protocol of parliamentary reality, by showing empty hallways and
fragments of press-conferences, talks, conversations, etc. *Ulrike
Ludwig* shows photos of a strawberry cultivation at the Lake Constance,
exploring the discrepancy of high-tech production processes and those
with strawberry associated sensual and erotic phantasms. In his
video*Vladimir Mitrev* restages the setting of two photographs of Roger
Fenton with the title âValley of the Shadow of Deathâ, which he made
during the Crimea War 1853-56. One of the photographs shows a path with
cannonballs and one without. Vladimir Mitrev restages a possible course
of action of this war scenario reconstructing the mapped landscape true
to original, rolling real cannonballs from the background to the
foreground of the setting, indicating to the use of staging methods at
the beginning of war-journalism. *Karina Nimmerfall* investigates public
housing projects of the architect Richard Neutra in Los Angeles. She
explores the relation between utopia and reality of modern architecture,
documenting processes of ideological changes which can be backtracked
through the history of the buildings, reflecting different ideas of a
better life. *Elisabeth Schmirl* uses photographs of digital archives as
a reference for her rubber-transfer-prints, exploring female poses and
gestures of representation. She combines these different types of female
habitus and representation forms of self-staging and external-staging on
historical family-portraits and contemporary female portraits. *Judith
Siegmund* combines textual imaginary memory pictures of sites in
Rostock, the city where she grew up, with photos of the same sites, made
in 2010. The discrepancy between the subjective childhood memories and
the current condition of the remembered sites reveals transformation
processes of ideology changes. *Victoria Tomaschko* shows photographs of
housing estates in the North of Rostock, visualising suppressed but yet
existing impacts of the occurrences of August 1992 in Lichtenhagen.
Right-wing-extremists attacked the asylum-seekers' hostel, 3000
onlookers applauded and blocked the police and the fire brigade, which
backtracked at the zenith of the escalation. Victoria Tomaschko is
interested in the present life conditions in the North of Rostock, in
missing and unconscious places of memory, looking for the blind spot
within social political narration and historical consciousness.

Event

*Wednesday, 24.10.2012, 7 pm*
Context and Subtext
Artists discuss their methods of production
*Victoria Tomaschko:* Blind Spot
Rostock-Lichtenhagen â 20 years after the attacks on the asylum seekers'
hostel in the sunflower house
Moderation: Seraphina Lenz
in cooperation with the Institute of Art in Context
Berlin University of the Arts, Department of Fine Arts


*ratskeller â Galerie für zeitgenössische Kunst*
MöllendorffstraÃe 6, 10367 Berlin, Tel.: 030-902963712

http://www.kultur-in-lichtenberg.de
Opening hours: MonâFri 10amâ6pm
Metro station: Frankfurter Allee (S41, S42, S8, S9, U5),
Tram 16, M13













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