Von Kuenstlerhaus Stuttgart am 03. Mai 2006 um 12:02

E R I N N E R U N G - Heute, 3. Mai 2006, 19 Uhr

Künstlerhaus Stuttgart

Titel: „The cinema I care about is at the level of poetry“
Künstlerin: 11 kurze Filme von Margaret Tait
Datum: Mittwoch, 3. Mai 2006, 19 Uhr Uhr (mit Pause, 2. Teil 20.30 Uhr)
vorgestellt von Ute Aurand

Das Künstlerhaus Stuttgart zeigt an einem langen Abend 11 kurze Filme
der schottischen Filmemacherin Margaret Tait, die zwischen 1951 und
1998 entstanden sind. Im britischen Kino blieben die poetischen Filme
Margaret Taits ein Solitär. In den 1970er Jahren wurden sie von
Avantgarde-Filmemachern entdeckt und aufgeführt. Die Filme zeigen
einfache Bilder voller Achtung für das, was sie umgab – die Menschen,
die Landschaft, das alltägliche Leben. Schon in ihren frühen Filmen
ließ sie sich von der Malerei, der Poesie und der Musik inspirieren.
PORTRAIT OF GA (1952), ein Film über ihre Mutter, drehte Tait mit der
Handkamera. Sie richtet den Blick auf Stimmungen oder Details und
setzte sich deutlich ab von jeder konventionellen dokumentarischen
Form. In WHERE I AM IS HERE (1962) werden alltägliche Dinge zu
Sehenswürdigkeiten – nicht nur die gesehenen, sondern auch die
gehörten. „Ihre Bilder sind zugänglich (eine Distel ist unweigerlich
eine Distel), sie sind alltäglich und auf dieser Ebene eine
Darstellung der Dinge wie sie sind. Aber so, wie Margaret Tait sie
filmt, in ihren rhythmischen Mustern, ihrer Länge, mit ihrem Raum,
gibt sie eine Vorstellung vom Geheimnis und der Vieldeutigkeit, mit
der die so genannt einfachen Dinge erfüllt sind.“ (Alex Pirie)

Margaret Tait wurde 1919 in Schottland geboren. 1936 studierte sie
in Edinburgh Medizin und erlebte den 2. Weltkrieg als Ärztin in
Indien und Singapur. Anfang der 1950er Jahre entschloss sie sich, am
Centro die Cinematografia in Rom Film zu studieren. Zurück in
Edinburgh begann sie eigene Filme zu machen. Sie schrieb Gedichte und
gab mehrere Bücher heraus. Die meiste Zeit ihres Lebens verbrachte
sie auf Orkney, im Norden Schottlands, wo viele ihrer 32 Filme
entstanden, die sie alle selbst finanziert hat. 1991 inszenierte sie
im Alter von 74 Jahren ihren einzigen langen Spielfilm Blue Black
Permanent, 1998 entstand ihr letzter Film GARDEN PIECES, ein
Tryptichon ihres Gartens, in den sie neben poetischen Bildern
animierte Sequenzen, eingekratzte und eingefärbte Bilder integrierte.

Wir freuen uns, die Berliner Filmemacherin Ute Aurand begrüssen zu
können, die die neu restaurierten Filme in 2 Filmprogrammen
vorstellen wird.
Seit 2004 tourt das Programm durch viele Städte Europas, Amerikas
und war im Februar zuletzt in Bombay zu sehen. Die Stationen in
Deutschland sind Berlin (Kino Arsenal, 27. April), Frankfurt
(Deutsches Filmmuseum, 26. April) und Karlsruhe (Kinemathek, 4. Mai).

Vorgestellt von Ute Aurand, Zusammengestellt von Peter Todd

Mit Unterstützung des British Council und LUX (London)

Für Rückfragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung
Benno Löning
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit


Kommentiertes Filmprogramm:

Programm 1,19 Uhr

Three Portrait Sketches I 1951 6’ ohne Ton
Porträts von Claudia Donzelli, Saulat Rahman und Fernando Birri

Portrait of Ga UK 1952 4’
Restaurierte Kopie aus dem Scottish Screen Archive
Porträt der Mutter der Filmemacherin. Ein wirkliches Juwel, ganz
einfach und voller Sympathie. Draußen im Wind pflückt sie eine Blume,
raucht eine Zigarette am Fenster, dreht sich im Kreis – schlohweißes
Haar.

Aerial UK 1974 4’
“Ein sehr einfacher Film, wenn Du Dir erlaubst darauf einzugehen,
anstatt zu versuchen, ihm intellektuell zu folgen. Es gibt ein
allgemeines Thema, das der vier Elemente - Erde, Luft (auch Rauch),
Feuer, Wasser (auch Schnee) - aber es ist eher eine Art Lied oder ein
Kinderreim. Obwohl ich nichts von musikalischen Strukturen verstehe,
glaube ich doch, dass Filmstrukturen mehr mit musikalischen
Strukturen zu tun haben, als mit irgend etwas anderem." Margaret Tait

Hugh MacDiarmid A Portrait UK 1964 8’
Musik: Francis George Scott. Gesang: Duncan Robertson.
Klavierbegleitung: Olive Ogdon. Gedichte von Hugh MacDiarmid
gesprochen von C. M. Grieve.
Ein Porträt des Dichters Hugh MacDiarmid, der zu dieser Zeit 71 Jahre
alt war.

Colour Poems UK 1974 11’
Musik: Monia Liter
Neun zusammenhängende Kurzfilme. Erinnerung, zufällige Beobachtung
und das Unterordnen des einen unter das andere. Die einzelnen Titel
des Films sind: NUMEN OF THE BOUGHS, OLD BOOTS, SPEED BONNE BOAT,
LAPPING WATER, INCENSE, AHA, BRAVE NEW WORLD, THINGS FOUND, TERRA
FIRMA. “Ein mit Worten begonnenes Gedicht wird in Bildern
fortgesetzt. Einige Bilder entstehen im ‚direct-on-film’ auf den Film
gekratzt, andere ‚findet' die Kamera.“ Margaret Tait

Where I Am Is Here UK 1964 33’
Die sieben Zwischentitel: COMPLEX, HERE AND NOW, INTERLUDE,
CROCODILE, COME AND SEE, OUT OF THIS WORLD, THE BRA VEST BOAT.
„Die Musik ‚hilltop piproch’ von Hector MacAndrew ist die Vertonung
eines gleichnamigen Gedichts von Margaret Tait. Hector MacAndrew
spielt es selbst auf der Geige und Lilane, die Variete-Artistin,
singt und begleitet sich auf dem Akkordeon.“
"Ich begann mit einem Skript von sechs Zeilen, die nur eine Art
Ereignis beschrieben, das immer wieder und wieder auftauchen sollte.
Ich wollte einen Film mit seiner eigenen Logik konstruieren, mit
Entsprechungen innerhalb seiner selbst, seinen eigenen Echos und
Reimen und Vergleichen - das alles durch die genaue Beobachtung des
Alltags, des Gewöhnlichen, in Edinburgh, wo ich damals lebte."
Margaret Tait



Programm 2, 20.30 Uhr

The Drift Back UK 1957 11’
Musik: The Orkney Reel and Strathspey Society. “The Turn of the Tide”
komponiert von Ronald Aim. Kommentar: Margaret Tait.
Aufzeichnungen über die Rückkehr zur Insel Wyre. Fehler, ein Farmer,
seine Familie.

Happy Bees UK 1955 15’
Musik: The Orkney Reel and Strathspey Society.
“Happy Bees beschwört eine Kindheit auf Orkney herauf, die vollkommen
war, wenn man sie (falsch) erinnert, erfüllt mit prallem Leben um
einen herum. Aufgenommen aus der Sichtweise eines Kindes.“ Margaret Tait

Place of Work UK 1976 30’
Musik: Trevor Duncan. Restaurierte Kopie aus dem Scottish Screen Archive
“Das Erforschen der Umgebung eines Hauses (Buttquoy House, Kirkwall,
Orkney) in den letzten Monaten bevor es geräumt wurde, erlaubt
Margaret Tail nicht nur Aspekte der Gegenwart zu zeigen, sondern auch
etwas von der Intensität ihrer eigenen Wahrnehmung dieses Ortes, der
ein halbes Jahrhundert das Zuhause einer Familie war und für die
letzten sieben Jahre das Zentrum ihres Filmemachens.“ Alex Pirie
„Place of Work sollte einen Ort definieren, oder das Gefühl, an einem
Ort zu sein, mit der Empfindung, die er uns gibt – keine Empfindung
der Beschränkung, sondern der unendlichen Anzahl möglicher
Variationen.“ Margaret Tait

Tailpiece UK 1976 9’
“Tailpiece, der Schlussakkord zu Place of Work ist persönlicher,
voller Metaphern, nicht so naturalistisch. Das Haus ist geräumt, das
ist jetzt klar. Kinderstimmen wiederholen Reime wie in früheren
Zeiten. Und es gibt weitere Anklänge an die Vergangenheit und
Zukunft: Kratzer an den Wänden, Räume, in denen Spiegelungen von
Schatten oder mir selbst entstehen.“ Margaret Tait

Garden Pieces UK 1998 12’
Musik: John Gray
Poesie in drei Filmen: Round the Garden – immer wieder rundherum; der
Weg durch den Garten von einem zentralen Standpunkt aus gefilmt.
Garden Flyers – flüchtiger Cartoon trifft auf wuchtiges Klavierstück;
dazu eingekratzte und eingefärbte Bilder. Grove – gravitätisch und
ernst; betrachtet und erforscht eine Gruppe von drei Bäumen, die vor
60 Jahren in einer heute verlassenen Schottergrube gepflanzt wurden.
„Ihr letzter Film. Er wippt hin und her zwischen sehr leicht und ganz
aus der Mitte des Seins. Ein Triptychon ihres Gartens. Wie macht
Margaret Talt es nur - sie nimmt 'einfach' ihre Kamera in die Hand
und filmt und da ist Es, was sich jeder Beschreibung entzieht, was
mich so glücklich macht, wenn ich diese Bilder sehe.“ Ute Aurand

Mit Unterstützung des British Council und LUX (London)


Künstlerhaus Stuttgart
Reuchlinstr. 4b
70178 Stuttgart

Tel: +49-711-617652
Fax: +49-711-613165
http://www.kuenstlerhaus.de


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