Von Wolfram Isele am 20. Januar 2014 um 11:33

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Brauchen Künstlerinnen und Künstler
ein zweites finanzielles Standbein?


Tagung der
Fachgruppe
Bildende Kunst
in ver.di
Baden-Württemberg

1. Februar 2014
10.00 - 16.00 Uhr
Stuttgart

Bürohaus
Theodor-Heuss-Str. 2
(ehemalige ÖTV-Hauptvorstands-Zentrale)
70174 Stuttgart (Stuttgart City)

Meldet ein Jugendlicher als Berufswunsch bei seinen Eltern den Beruf
des Künstlers an, reagieren sie meist verhalten bis ablehnend. Nicht
weil sie die Kreativität oder Sensibilität Ihres Kindes übersehen
haben, sondern weil sie eine schwierigen finanzielle Zukunft Ihres
Kindes befürchten. Bekannt sind Bettelbriefe alter Meister,
sprichwörtlich Spitzweg’s „armer Poet“ und weit verbreitet das
Vorurteil, dass nur ein armer Künstler gute Kunst hervorbringt. Aber
auch die Statistiken, in denen die soziale Lage der Künstlerinnen und
Künstler untersucht wird, sprechen eine klare Sprache. Seit
Veröffentlichung des Künstler-Reports 1974 hat sich an der sozialen
Lage der Künstlerinnen und Künstler nichts Wesentliches geändert. Dies
wird auch in der Kultur-Enquete 2008 betont.

Aber, über Geld spricht man nicht, zumindest nicht öffentlich und
nicht im Zusammenhang mit der eigenen Kunst. Schließlich gilt in
Gesellschaft und Kunstbetrieb immer noch weitgehend die Verkaufbarkeit
von Kunst als Qualitätskriterium. Diese Verknüpfung von Handelsware/
Kunstmarkt und künstlerischer Qualität verhindert eine offene Debatte
über die prekäre Situation der Künstlerinnen und Künstler.

Folgen wir dem internationalen Kunstbetrieb, dann kreiert ein kleiner
Zirkel von Künstlerinnen und Künstlern die zeitgenössische Kunst.

Gehen wir aber davon aus, dass alle Künstlerinnen und Künstler (oder
doch zumindest die meisten von ihnen) zeitgenössische Kunst schaffen,
dann müssen wir daraus schließen,

- dass die zeitgenössische Kunst zum überwiegenden Teil privat und/
oder auf Sozialhilfeniveau finanziert wird,
- dass zeitgenössische Kunst von der Öffentlichkeit und auch der
Öffentlichen Hand als Hobby der Künstlerinnen und Künstler gesehen wird.

Ein Zustand, der zu Recht seit vielen Jahren angeprangert wird. Ein
Zustand, an dem sich aber dennoch nichts geändert hat. Deshalb
versuchen wir auf der Tagung am 1. Februar 2014 offen über das Thema
zu sprechen und fragen nach Schlussfolgerungen.
Sollte nicht der Ehrlichkeit wegen der aus der Not entstandene
individuell sehr unterschiedlich ausgeprägte „Normalzustand“ zum
selbstverständlichen Berufsbild von Künstlerinnen und Künstlern
erklärt werden?
Welche Konsequenzen hätte dies für Ausbildung und künstlerischen
Berufsalltag?
Wie könnte ein „Nebenerwerb“ künstlerisches Arbeiten begleiten, auf
künstlerische Prozesse hin abgestimmt werden?
Wie müsste sich die Wahrnehmung zeitgenössischer Kunst durch
Kunstbetrieb und Öffentlichkeit verändern?
Oder: Verhindert eine „Zweitberuf“ Künstlerische Arbeit?
Und: Wo bleibt das Spielbein?


Brauchen Künstlerinnen und Künstler ein zweites finanzielles Standbein?

Prof. Renata Stih
http://www.stih-schnock.de

Renata Stih ist Künstlerin und lebt in Berlin. Besonders bekannt sind
ihre Positionen zur sozialen Plastik und zur Erinnerungskultur, wie
das dezentrale Denkmal “Orte des Erinnerns im Bayerischen Viertel in
Berlin-Schöneberg und das transitorische Denkmal ”BUS STOP” für das
Holocaust Mahnmal in Berlin, die sie mit Frieder Schnock konzipierte.
Einzelausstellungen und Museumsprojekte machte sie am Saint Louis Art
Museum, Lenbachhaus München, Staatsgalerie Stuttgart, Jewish Museum
New York. Sie beteiligte sich an Ausstellungen in den Kunstwerken
Berlin, ZKM Karlsruhe, Beacon Arts in Los Angeles, u.a..

Prof. Renata Stih lehrt Kunst & Technologie, Film & Medien an der
Beuth-Hochschule für Technik in Berlin und derzeit auch an der
Leuphana Universität in Lüneburg. Sie ist ein Freund Fellow der
Washington University, Grad. School of Art in Saint Louis; Rockefeller
Fellow am Rockefeller Advanced Reserach Study Center in Bellagio. Sie
erhielt das Stipendium des Landes Baden-Württemberg an der Cité des
Art Paris, das Stipendium des Kultursenats von Berlin; u.a.. Kunst und
Lehre führten sie an die Cooper Union New York, GSD/Harvard Uni.,
Princeton Uni., Züricher Hochschule der Künste, u.a..


Die Freiheit der Kunst

Seit jeher stehen Künstlerinnen und Künstler im Spannungsfeld von
künstlerischer Freiheit und materiellem Zwang. In ihrem Vortrag
plädiert Renata Stih für eine unabhängige künstlerische Position und
stellt vor wie das funktionieren kann. Ein Exkurs in die europäische
Kunstgeschichte beleuchtet nonkonformistische Figuren wie Jean-Jacques
Rousseau, Peter Paul Rubens und die Maler des ”Goldenen Zeitalters der
Niederlande” im 17.Jahrhundert, die ihr Leben zweigleisig aufbauten.
Sie stellt heutige KünstlerInnen vor, die nebenbei ihr Geld mit den
verrücktesten Tätigkeiten verdienen und daraus auch Inspirationen für
ihre künstlerische Arbeit ziehen. Renata Stih hinterfragt diese
Gratwanderung unabhängiger künstlerischer Positionen, die im Gegensatz
zu der romantischen Idee des armen oder erfolgreichen Künstlers stehen
und belegt ihre Analyse mit zahlreichen Bildern.


Kurt Grunow
http://www. kurt-grunow.de

Kurt Grunow ist Künstler und lebt in Stuttgart. Künstlerischer Leiter
der Kunstakademie Esslingen und Kurator
seit 1992 tätig in der Erwachsenenbildung,
Kunstunterricht und Projektarbeit an verschiedenen
Bildungseinrichtungen und Hochschulen
Zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland
ab 1996 Mitbetreiber des Ausstellungsraums ‚Oberwelt e.V.’ Stuttgart
seit 1998 Leitung einer Kunstgruppe in der Justizvollzugsanstalt
Stuttgart-Stammheim
seit 2006 Lehrbeauftragter an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg
seit 2011 Leitung der Treffpunkt-Kunstgalerie im Rotebühlzentrum,
Stuttgart


Über die Erweiterung künstlerischer Arbeitsfelder

Aus dem Bereich der partizipativen Kunstprojekte und der künstlerisch-
pädagogischen Basisarbeit in Randzonen beschreibt Kurt Grunow
Beispiele der Erweiterung künstlerischer Berufsfelder.


Anmeldung

ver.di Baden-Württemberg
Fachbereich 8 Medien Kunst und Industrie
Dagmar Mann
Postfach 101045

70009 Stuttgart

Bitte spätestens bis zum 24.1.2014 anmelden.



Teilnahme für ver.di-Mitglieder kostenfrei
Nichtmitglieder zahlen eine Pauschale von 20 Euro


A n m e l d u n g
bis spätestens 24. Januar 2014







ver.di Baden-Württemberg
Fachbereich 08
z.Hd. Dagmar Mann
Theodor-Heuss-Str. 2 / tHeo.1
70174 Stuttgart


Fax
: 0711/88788-0899
E
-Mail:


Ich melde mich verbindlich zum
Seminar der FG Bildende Kunst

„Brauchen Künstlerinnen und Künstler
ein zweites finanzielles Standbein?“


am 01. Februar 2014 im Bürohaus Stuttgart, Theodor-Heuss-Str. 2, 70174
Stuttgart an.



Name / Anschrift / E-Mail
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Nach Anmeldeschluss am 24. Januar 2014 erhalten die TN eine
Seminarbestätigung mit der Anreisebeschreibung zugesandt.






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