Von Peter Haury am 11. November 2007 um 19:54

Liebe betacity, lieber Verteiler,

wir laden herzlich ein zur Eröffnung der Präsentation / Ausstellung

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_Doris Koch
- achtung - quo vadis - Stadtpark?_

_Eröffnung __Freitag, 16. November 2007, 19.00 Uhr
_

_Oberwelt e.V. Reinsburgstr. 93 Stuttgart
_

__Besichtigung bis 3. Dezember 2007 Mo 21.30 – 24h, und nach
Vereinbarung unter Tel: 0173 – 30 50 383


Seit 1991 realisiert Doris Koch Beteiligungsprojekte im öffentlichen
Raum. Ende der 1980iger Jahre wurden neue künstlerische Strategien für
die Kunst im öffentlichen Raum gefordert. Vor diesem Hintergrund
entwickelte sie ihre Form der partizipativen Kunstpraxis und der
Konzeptkunst. Charakteristisch für ihre Projekte ist: die Verankerung im
gesellschaftlichen Kontext und der Einbezug heterogener
Bevölkerungsgruppen. Ihr Interesse richtete sich in den letzten Jahren
auf die Entwicklung von Methoden der künstlerischen Recherche und/oder
von Prozessgestaltungen für Beteiligungsprojekte.

2002 bis 2003 hat Doris Koch in der Gemeinde Hohenstein das
Modellprojekt des Landes Baden-Württemberg "Kunst im Dorf - ein
Kunstprojekt im Kontext kommunaler Planung” konzipiert und kuratiert.
Der Austausch zwischen den Künstlern und der Bevölkerung hatte einen
besonderen Stellenwert. Es entwickelte sich ein dynamischer, lebendiger
Prozess, der bis heute nachhaltig wirkt. Seit 2003 entwickelte Doris
Koch Konzeptionen für mehrere Langzeitprojekte, eins davon In der
Gemeinde Steinhöfel / Brandenburg, wo sie die Möglichkeiten und Anlage
eines Beteiligungsprozesses zwischen 12 Dörfern auslotet.

2005 wurde Doris Koch nach Dessau eingeladen, um im Stadtpark Dessau
eine künstlerische Recherche zu realisieren. Seit 1927 ist der Stadtpark
Dessau ein öffentlicher Park. Am Rande des Parks stellte man 1970/1971
den Bau dreier Y-Hochhäuser fertig. Wegen ihrer innovativen Bauweise und
der attraktiven Lage waren die Wohnungen dort begehrt. Nach 1989
wandelte sich das Gartenparadies langsam zu einem sozialen Brennpunkt.
Im Jahr 2000 wurde der Park zum Tatort. Der Mord von Rechtsradikalen an
einem Dessauer mocambiquanischer Herkunft schreckte nicht nur die
StadtbewohnerInnen auf. Er gilt heute als gefährlicher Ort, belagert von
Drogendealern. Obwohl mitten in der Stadt gelegen, wird der Park von
Vielen als Peripherie empfunden. Aufgrund leerer kommunaler Kassen ist
die Pflege des Parks auf notwendige Maßnahmen beschränkt. Der Park ist
in sozialer, politischer, stadtplanerischer und gesellschaftlicher
Hinsicht ein hochbrisanter Brennpunkt.

Anfang 2006 waren Ergebnisse ihrer Recherche im Stadtpark in der
Bibliothek und im Bürgerbüro in Dessau ausgestellt und fanden Anklang.
Bei einem Treffen, an dem 15 Akteure aus verschiedenen
gesellschaftlichen Bereichen teilnahmen, wurde einstimmig der Wunsch
nach einer Projektentwicklung geäußert. Anwesende der Stadtverwaltung
nahmen dies auf und erteilten den Auftrag.

So begann im August 2006 in Kooperation mit der URBAN II Geschäftsstelle
des Amtes für Stadtentwicklung der Stadt Dessau die Arbeit an der
Projektentwicklung "-Achtung- Quo vadis Stadtpark?". Doris Koch
formulierte drei konzeptionelle Ansätze. Auf dieser Grundlage
entwickelte sie im Dialog mit Akteuren vor Ort die weitere
Prozessgestaltung. Bis März 2007 sollte die Feinkonzeption in allen
Facetten ausgearbeitet sein, um dann in die Realisierung des
Beteiligungsprojekts zu gehen. Obwohl erfolgreich begonnen und seit
August in der Öffentlichkeit präsent, kam es nicht dazu. Die Bedingungen
für die Realisierung hatten sich so verändert, dass Doris Koch im Januar
2007 eine Realisierung des Projekts für nicht machbar erklärte und
schließlich das Projekt im April 2007 beendet wurde. Grund war unter
anderem die Veränderung von Machtverhältnissen innerhalb der Verwaltung:
inzwischen hatten die Kooperationspartner des Projekts ihre
Kompetenzbereiche verloren und ein zweites Bürgerbeteiligungsprojekt mit
einem grundverschiedenen Ansatz, das zeitgleich stattfinden sollte,
wurde forciert.

Im Rahmen der Ausstellung stellt Doris Koch mittels Zeichnungen, Fotos
und Texten das Projekt -Achtung- vor und reflektiert vor dem Hintergrund
des Geschehens offene Fragen, Strukturen, Eigenheiten von partizipativen
Projekten. In humorvoller und ironischer Weise bringt sie in Form einer
veränderbaren Installation die 65 Flächen des Parks in die Räume der
Oberwelt. __









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