Von Oberwelt am 23. April 2016 um 12:08

Liebe Betacity, lieber Verteiler,

wir laden herzlich ein zur Performance von Susa Ramsthaler und dem
Vortrag von Annik Aicher

Ich will so ein Glanz werden, der oben ist â Irmgard Keuns âDas
kunstseidene Mädchenâ

am Freitag, den 29. April 2016 um 19.00 Uhr

Oberwelt e.V. Reinsburgstr. 93 Stuttgart http://www.oberwelt.de

Wie schaffen es Frauen, dass sie privat, beruflich und gesellschaftlich
anerkannt werden? Diese Frage stellt Irmgard Keun 1932 in ihrem
unglaublich komischen und unfassbar tragischen Roman âDas kunstseidene
Mädchenâ. Von der damaligen Kritik wurde das Werk, das zur Neuen
Sachlichkeit zählt, gefeiert â und gleichzeitig misstrauisch beäugt.
âEine schreibende Frau mit Humor, sieh mal an!â, freute und wunderte
sich Kurt Tucholsky schon bei Irmgard Keuns Erstling, âGilgi - eine von
uns.â Wer lacht, hat Macht. Kann, ja darf, eine Frau Humor haben? Und
andere Stimmen behaupten: Keuns Roman ist ein Plagiat. Tucholsky wird
dem zustimmen. Ein berechtigter Vorwurf? Sicher kein verwunderlicher:
Wurde vor allem im 19. Jahrhundert noch auf dem Vorurteil bestanden,
dass Frauen nichts eigenes hervorbringen, sondern nur etwas
reproduzieren können. Das Genie ist immer männlich.

Doris, die 18-jährige Heldin des Romans, laviert sich mit Witz, Biss und
Verzweiflung durchs Leben. Durch ein Berlin, dessen âgoldene zwanziger
Jahreâ nur für wenige glanzvoll waren, durch eine Metropole, die bald im
braunen Sumpf der NS-Zeit versinken soll. Irmgard Keun, deren Bücher von
den Nazis verbrannt wurden, flieht aus Deutschland. Und schafft es mit
der gleichen Verve wie das âKunstseidene Mädchenâ, aus Holland wieder
nach Deutschland einzureisen. Geglückt ist ihr das mit einem gefälschten
Pass. Den hat sie erhalten, nachdem sie einem holländischen Beamten,
âden Penis nach innen geredetâ hat. So erzählt es ihre Tochter Martina
Keun-Geburtig Jahrzehnte später in einem Interview. Keun war 1951 mit 46
Jahren zum ersten Mal Mutter geworden. Alleinerziehend. Damals völlig
unmöglich.

Wie schaffen es Frauen, dass sie privat, beruflich und gesellschaftlich
anerkannt werden? Droht dauernde Selbstoptimierung, weil Normalität
nicht ausreicht? Diese Fragen stellen sich noch heute. Mehr als 80 Jahre
nach Erscheinen des Werks, zeigen Susa Ramsthaler und Annik Aicher, wie
frisch und lebendig das âKunstseidene Mädchenâ noch heute ist.

Performance und Vortrag Freitag, 29. April 2016, 19.00 Uhr

Wie bisher bei der Reihe Reflexe
<http://www.oberwelt.de/projects/2013/reflexe.htm>; folgt auf den Abend
mit Vortrag und Lesung die Ausstellung. Oberwelt e.V. lädt dazu
Künstler/innen ein, sich mit Irmgard Keuns `Das kunstseidene Mädchen`
gestalterisch auseinanderzusetzen.
Das Wort "Reflexe" steht dabei für einen Vorgang der Widerspiegelung,
der weniger illustrativ als deutend ist.
Wenn Lesen generell imaginierende "Arbeit am Text" ist, so zeigt die
daraus entstehende künstlerische "Arbeit" dies in besonderer Weise. In
ihrer Anschaulichkeit wird der Prozess der Durcharbeitung sichtbar, in
dem sich das literarische Werk gestalterisch individualisiert.
Die konkrete Ausschreibung und exakte Terminierung der Ausstellung (Juli
bis September 2016) erfolgt in Kürze.







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