Von Oberwelt am 03. April 2016 um 11:44

Liebe Betacity, lieber Verteiler,

wir laden herzlich ein zum

Themenabend Adorno

1) Theodor W. Adornos Jargonkritik (Max Beck)
2) Kritik des Provinzialismus (Claus Baumann)

*Buchvorstellung: Sprachkritik als Ideologiekritik. Studien zu Adornos
/"Jargon der Eigentlichkeit/*"

Freitag, 8. April, 19.30 Uhr

Oberwelt e.V. Reinsburgstr. 93 Stuttgart http://www.oberwelt.de
/
/*1) Max Beck: Theodor W. Adornos Jargonkritik – eine Einleitung*
Der „Jargon der Eigentlichkeit“ (1964) gehört zu den umstrittensten
Texten der Kritischen Theorie. Während der Titel inner- und außerhalb
der akademischen Debatte längst zu einem geflügelten Wort mutiert ist,
steht diesem die Kenntnis des Inhalts diametral gegenüber. Zumeist wird
die Schrift als eine Polemik gegen Martin Heidegger abgehandelt, die zu
einer „philosophischen Kommunikationsverweigerung“ (Hermann Mörchen)
zwischen Frankfurt und Freiburg geführt habe. Plattitüden dieser Art
verkennen jedoch den ideologiekritischen Charakter der Streitschrift.
Adornos Kritik am neudeutschen Jargon richtet sich keineswegs primär
gegen Heidegger, sondern bezieht sich auf ein breites gesellschaftliches
Phänomen. Sie hat ihren Ursprung bereits in den 1920er-Jahren in der
Kritik Siegfried Kracauers an der Bibel-Ãœbersetzung von Martin Buber und
Franz Rosenzweig.
Der im August 2015 erschienene Sammelband /"Sprachkritik als
Ideologiekritik. Studien zu Adornos ´Jargon der Eigentlichkeit´“ /möchte
auf die Aktualität von Adornos Kritik hinweisen. Max Beck (Hrsg.) wird
in seinem Vortrag mit Rückgriff auf den österreichischen Philosophen
Günther Anders darstellen, worum es in Adornos Streitschrift geht und
die Kritik am theologisch-metaphysischen Jargon explizieren./

Max Beck (Wien) ist Freier Autor und schreibt u.a. für "Wirkendes Wort"
und "literaturkritik.de <http://www.literaturkritik.de/>";.

/*2) Claus Baumann: Kritik des Provinzialismus – Das Recht auf Stadt und
die Pflicht zur Entprovinzialisierung*
„Stadtluft macht frei“. Der französische Urbanismustheoretiker Henri
Lefebvre behauptet, dass dieser mittelalterliche Rechtsspruch auch
neuzeitlich noch einen Wahrheitskern besitze. Entsprechend fordert
Lefebvre ein „Recht auf Stadt“. Er verbindet damit die Vorstellung eines
Rechts nicht marginalisiert und nicht aus dem urbanen Raum verdrängt zu
werden. Die Unterscheidung von Urbanität und Provinzialität geht bei
Lefebvre weit über die soziologische Beschreibung von städtischem und
ländlichem Leben hinaus: für ihn hängen Urbanität und Emanzipation aufs
Engste zusammen. Dieser Zusammenhang wird auch von Theodor W. Adorno
betont, insbesondere in seinen sprachkritischen Überlegungen zum „Jargon
der Eigentlichkeit“. An anderer Stelle und mit Blick auf die Bildung zur
Mündigkeit spricht sich Adorno sogar für eine „Pflicht zur
Entprovinzialisierung“ aus. Denn die Beschränkung von Bildung durch
Provinzialität schränke zugleich die Möglichkeit von Emanzipation ein;
im Extremfall stoßen sogar „die ländlichen Verhältnisse … ihre Enterbten
in die Barbarei“.
Angesichts der jüngsten Gewaltexzesse weltweit und den
autoritativ-repressiven Reaktionen seitens staatlicher Politik gewinnen
die Ãœberlegungen jener beiden Gesellschaftskritiker eine erschreckende
Aktualität. Anhand der untergründig thematischen Verbindung von
Lefebvres und Adornos Reflexionen beleuchtet Claus Baumann den inneren
Zusammenhang von Urbanität und emanzipatorischer Bildung sowie das
Hand-in-Hand-Gehen von provinzialistischer Ideologie mit Regression und
Barbarei. /

Claus Baumann ist Gesellschaftstheoretiker und umherschweifender
Urbanismuskritiker, nebenbei auch wissenschaftlicher Mitarbeiter am
Institut für Philosophie der Universität Stuttgart. Er promovierte 2009
zur Formbestimmung von Arbeit. Seine Arbeitsschwerpunkte sind
Gesellschaftstheorie und Philosophie der Ästhetik.

Zuletzt in der Oberwelt 2012
<http://www.oberwelt.de/projects/2012/Situation.htm>/

Buchvorstellung Freitag, 8. April 2016, 19.30 Uhr







LF.net Netzwerksysteme GmbH :: Internet Service Provider in Stuttgart

Mailingliste/Blog / Archiv