Von Manfred Unterweger am 20. September 2014 um 10:31

Zur Ausstellungseröffnung...

'Hans-Peter Lübke: Fort- Bewegung- HIN'
11. Oktober bis 2. November 2014

Vernissage: Samstag, den 11. Oktober 2014 ab 19 Uhr

Galerie Kultur am Kelterberg Vaihingen e.V.
Kelterberg 5
70563 Stuttgart-Vaihingen
http://www.kultur-am-kelterberg.de

(Öffnungszeiten der Galerie: Fr, Sa, So 15 – 18 Uhr)

…laden wir ein.

In der Ausstellung erhalten wir unter anderem Einblicke in den Tiefdruck von Hans-Peter Lübke. Diese besondere Ausdruckstechnik bildet dabei den Schwerpunkt. Darüber hinaus werden die Räume mit Plastiken bespielt. Sie sind auf verschiedene Weise mit einander verbunden und ergänzen sich. Beim Betrachten spürt man schnell die Aufforderung, die Objekte in die Hand zunehmen, so, wie er es mit seinen Gerätschaften des Alltags tut; wenn er schöpft, trägt, zieht, spaltet, aufwickelt, festhält, verbindet. Die Architektur der Werke führt zu einer intuitiven Erfassung inne liegender Handlungen.

Trotz lebhafter Erinnerung an die häuslichen Verwandten dieser Objekte haben wir es nicht mit Rekonstruktionen zu tun, die uns in ein imaginäres Museum heute fast vergessener Gerätschaften führen sollen. Mit ihrem offenkundigen Widerspruch zwischen körperhafter Präsenz und gleichzeitiger Transzendierung der Materialdimension konfrontieren uns dies Plastiken mit dem heute gegenwärtigen Verlust an sinnhafter, den Sinnen zugänglicher Einheit von Handeln und Empfinden, von geistigem, praktischem und emotionalem Gebrauch, von Greifen und Begreifen.

Die Oberflächen der Objekte, die ja eigentlich Abgrenzungen zum Raum darstellen, öffnen sich diesem durch ihre farbliche Behandlung: sie werden zu lebendiger Haut, teils matt, teil glänzend, scheinbar atmend. Die plastischen Arbeiten fordern Raum und wollen sich entfalten.

Der Künstler lebte bis zu seinem zehnten Lebensjahr in Namibia und erfuhr dort erste und offensichtlich nachhaltige Prägungen, die bis heute nachwirken. Doch Hans-Peter Lübke ist Europäer, und die europäische Kunstauffassung setzt sich in den späteren Arbeiten auch durch. Er bleibt jedoch ein Grenzgänger zwischen zwei Kulturen, zwei Lebensauffassungen, zwei Temperamenten, die sich in einem Spannungsverhältnis zwischen Emotionalität und rationaler Klarheit in einer ganz spezifischen Weise niederschlagen, ein Grenzgänger in der Formensprache und ein Grenzgänger in der Materialbehandlung.

Wie bei der Vieldeutigkeit im Formalen gibt es also die Mehrdeutigkeit im Inhaltlichen - aber darin ist keine Beliebigkeit: beim Betrachten seines Werkes gilt es, Rätselhaftes zu ergründen, Spuren zu verfolgen, die in uns selbst enden, wir sind einbezogen in die Schöpfung des Bildhauers, in sein Suchen. In Notizen zu seiner Arbeit finde ich Sätze, die das eindringlich beschreiben: „Diese Arbeit ist mir ein Zuhause geworden. Es ist ein Handeln und Formen zugleich und jede neuentstandene Skulptur reiht sich ein in ein Großes – Ganzes ... Ahnungen, Anstöße, Ideen entwickeln sich meist anhand von Skizzen. Die Hand spricht, nicht der Kopf oder der Bauch. Es ist die Hand.*

Offensichtlich ist, dass der Künstler in seine Arbeiten Botschaften einbindet, er stellt Fragen und sucht sie zu beantworten. Aber er tut das im Vertrauen auf die Aussagekraft seiner Werke, drängt sich mit Deutungen und Erklärungen nicht in den Vordergrund. Erst wenn die Objekte und Radierungen sich durch ihre Erscheinung geäußert haben, mischt sich der Künstler vielleicht in den Dialog. Hans-Peter Lübke ist in der Bedeutung des Wortes ein Hand-Werker.






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