Von Stefanie Reling am 14. Januar 2015 um 12:16

Franz Wanner "Toxische Heimat"

Heute, Mittwoch, 14. Januar 2015, 19:30 Uhr

Ausstellungseröffnung + Künstlergespräch, Moderation: Yvy Pop

Bad Tölz, 2015 – Die süddeutsche Kleinstadt ist ein Versuchsaufbau. Franz Wanner
erklärt seinen Geburtsort zum Mikrokosmos und seziert seine Strukturen. Aus
faktischen und fiktiven Momenten montiert er Fotografie und sprachliche
Erzählung zu exemplarischen Bildern deutscher Wirklichkeit. Die fotografische
Bildebene bezieht sich auf einen von Wanner verfassten und von Babylonia
Constantinides eingesprochenen Text, der als Raumsound zu hören ist. Im
Ausstellungsraum entsteht zwischen Bild- und Tonebene ein begehbarer Film.
Zuerst wurde die Arbeit 2013 unter dem Titel „Gift – Gegengift. Krankheitsbilder
einer Stadt“ im Museum für Photographie Braunschweig vorgestellt. Die GEDOK
Stuttgart zeigt nun mit der Rauminstallation „Toxische Heimat“ einen
konzentrierten Ausschnitt. Franz Wanner legt Facetten seiner Geburtsstadt frei,
die um 1900 aufgrund ihrer jodhaltigen Quellen zum Bad ernannt wurde und ihre
Identität bis heute aus der Kurgeschichte konstruiert. Das chemische Element Jod
ist zugleich das historische Element der Stadtgeschichte. Es wird zum Symbol für
gelöste Substanzen, mit deren Hilfe sich die Transformation von Projektionen in
Produkte abbilden lässt. Jod, in geringen Mengen als Heilmittel verabreicht, in
hohen Dosen jedoch tödlich, ist eine Metapher für mentale Verfassungen, den
Umgang mit der eigenen Geschichte und die disziplinierenden Kräfte
sozio-ökonomischer Abgründe. Sicherheit als neuer Standortfaktor und der
demokratiefreie Umgang mit Asylsuchenden, für die 2014 auf dem Gelände des
ehemaligen KZ Außenlagers Bad Tölz Container aufgestellt wurden, werden als
ideelle ‚Gifte’ nachgewiesen, die Mentalitäten formen und Realitäten prägen.
Episoden über die Fälschung von Jodwasser im Untergrund, eine deutsch-deutsche
Spionagegeschichte im Erlebnisbad Alpamare und die Nutzung der historischen
Wandelhalle als Rollschuhdisko erweitern ein feinteiliges Soziogramm. Zwischen
Alltag und Abgrund entsteht eine spielerische Erzählung, die als luzide Analyse
deutscher Gegenwart gelesen werden kann.
http://www.roulettepolar.net

Dauer der Ausstellung 15.01.2015 –31.01.2015

Öffnungszeiten Mi-Fr 16-19 Uhr / Sa 13-16 Uhr

GEDOK Stuttgart e.V. - Hölderlinstraße 17 - 70174 Stuttgart - FON 0711/ 29 78 12
- - http://www.gedok-stuttgart.de



In Kooperation mit dem Stuttgarter Filmwinter / http://www.filmwinter.de

Franz Wanner beim Stuttgarter Filmwinter:

Samstag, 17.01.2015, um 18 Uhr: Ballistik des Blicks – Kurzfilme 2001 bis 2013

Sonntag, 18.01.2015, um 12 Uhr: Videografischer Vortrag von Franz Wanner

im Theater Rampe, Filderstraße 47, 70180 Stuttgart








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