Von Ulrich Wegenast am 04. Juli 2009 um 10:43

Kunst, Aktion, Politik, Subversion
Helmut Herbst mit seinen Filmen zu Gast in Stuttgart und Nürtingen
8.-11. Juli 2009


Die Termine:

8. Juli, 18.30 Uhr, Galerienhaus Stuttgart, Breitscheidstr. 48, Stuttgart

Offene Vorlesung
Im Rahmen des Seminars „Geschichte des künstlerischen Animationsfilms“ an
der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart präsentiert Prof.
Helmut Herbst im Galerienhaus Stuttgart seine experimentellen
Animationsfilme und gibt einen Einblick in die Geschichte des künstlerischen
Animationsfilms.


8. Juli, 21 Uhr, Oberwelt e.V., Reinsburgstr. 93, Stuttgart

John Heartfield, Fotomonteur, 1977, 60 min., 35mm auf DVD
Regie: Helmut Herbst
Buch: Helmut Herbst mit Eckhard Siepmann und Tom Fecht
in Zusammenarbeit mit Gertrud Heartfield
Premiere: Elefanten-Press-Galerie, Berlin, 1977
Fernseherstausstrahlung im WDR am 08.04.1977
Preis der Filmkritik, Oberhausen 1977
Auszeichnung beim Festival in Nyon

"...Still, Herbst shows Heartfield as a preeiminent man of his times.
Speculating on the social meaning of the collage techniques first introduced
by Picasso and Braque, Herbst observes, that 'assemblage runs like a red
thread through the art of the 1910-1930 period' (Why stop there?) and
wonders what a Heartfield working in video might accomplish. Appropriately,
the film is itself an assemblage, interpolating sequences from Eisenstein's
'October' and Walter Ruttmanns 'Berlin' as well as stepprinted newsreel
footage and the sort of animated collage that used to be practiced by Stan
Vanderbeek and Richard Preston. Although occasionally overwrought, Herbst's
techniques are as playful as they are apposite. In the normally staid field
of art documentaries, 'John Heartfield, Photomontagist' breaks ground as an
unusually lively, thoughtful, and stimulating effort."
(John Hobermann, in Village Voice, New York, Februar 1983)


9. Juli, 19.30 Uhr, Staatsgalerie Stuttgart, Konrad-Adenauer-Str. 30-32,
Stuttgart

deutschland dada, 1969, 63 min., 35mm auf 16mm
Buch, Regie, Kamera, Schnitt: Helmut Herbst
Buch und Recherche: Carlheinz Caspary
Animation: Franz Winzentsen
Sprecher: Ingeborg Felsner, Jörg Falkenstein, Günther Lippert, Peter Weiss

Im Rahmen der Ausstellung „Film und Foto“: Eine Hommage

"One of the most cinematically adventurous films in the series is 'Germany
dada', directed in Germany by Helmut Herbst. The film incorporates some
footage from Dada movies of Hans Richter and Viking Eggeling and includes
interviews with Richter and other Dada personalities, but its visual
distinction derives from its successful attempt to exploit Dada style in the
actual composition of the film itself. It is certain to be a great favorite
with audiences interested in the formation of the modern avantgarde." (New
York Times, 26.05.1971)


10. Juli, Uhrzeit 19 Uhr, Württembergischer Kunstverein, Schlossplatz 2,
Stuttgart

Happening, Kunst, Protest – 1968, 1981, 78 min., 16mm auf DVD
Regie: Helmut Herbst
Buch: Dr. Friedrich Heubach, Helmut Herbst
Mitarbeit: Bazon Brock, Klaus Feddermann, Werner Nekes
Archiv: Sohm
Produktion: cinegrafik für WDR und WESTKUNST 81

Im Rahmen der Ausstellung „Subversive Praktiken“

"Es gibt wohl kaum eine Kunstäußerung, die so zu einer öffentlichen
Angelegenheit geworden ist wie das HAPPENING. Es gibt aber auch keine
Kunstäußerung, die in einem solchen Ausmaß von den Medien missverstanden,
mit dummdreisten Kommentaren zugedeckt und z.B. in Wochenschauen und
Fernsehfeatures bis zur Unkenntlichkeit als Schock- und Scherzartikel
verstümmelt worden ist, wie das HAPPENING.
Die Bilder der historischen Ereignisse von diesem Wortmüll zu befreien, sie
mit den Originaltonaufnahmen zu rekonstruieren, sie für sich selbst sprechen
zu lassen, in ihrer ganz eigenen emotionalen Atmosphäre, das war eines der
Hauptziele dieser Filmarbeit, das andere, die Verbindungen zur
Zeitgeschichte freizulegen, um nicht, wie Jean Jaques Lebel im Film die
gängige Ausstellungs- und Sammler-Praxis kritisiert, 'die Ereignisse zu
kastrieren und nur ihre ästhetischen Aspekte darzustellen.' Um die
Statements der Veteranen der Happening-Bewegung wie Allan Kaprow,
Jean-Jaques Lebel, Al Hansen, Wolf Vostell, Joseph Beuys gruppieren sich die
aus den verschiedensten Quellen rekonstruierten Ereignisse, unter denen das
24-STUNDEN HAPPENING in der Galerie Parnaß in Wuppertal herausragt." (Helmut
Herbst, 2000)


11. Juli, 21 Uhr, Open Air Kino an der Freien Kunstakademie Nürtingen e.V.

Die Kathedrale der Neuen Gefühle, 2006, 60 min., DigiBeta
Im Rahmen des Rundgangs der FKN
Animierter Langfilm in Zusammenarbeit mit Klaus Wyborny, der auch als
electrocomic vorliegt (electrocomics.com)


Zum Programm:

In den essayistischen Dokumentarfilmen von Helmut Herbst wird die
Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts lebendig und stellt Bezüge zu
künstlerischen Praktiken der Gegenwart wie Culture Jamming und Subversion,
Appropriation und E-Comics her. Seit den frühen 1960er Jahren kombiniert
Helmut Herbst Verfahren des Experimental- und Animationsfilms, um das
Verhältnis von Kunst und Politik neu zu formatieren. Im Rahmen dieser
institutionsübergreifenden Zusammenarbeit stellt Herbst auch seine Trilogie
zur Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts vor: "Obwohl zwischen 1969 und
1981, in einem zeitlichen Abstand von 8 und 4 Jahren nacheinander
entstanden, erscheinen die 3 Dokumentarfilme DEUTSCHLAND DADA (1968/69),
JOHN HEARTFIELD, FOTOMONTEUR (1977) und HAPPENING, KUNST, PROTEST 1968
(1981) heute als thematisch und formal aufeinander bezogene Trilogie zur
Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts. Sie gingen aus einer jahrelangen
Beschäftigung mit den aufmüpfigsten Äußerungen deutscher Künstler hervor.
Die Frage ‚Was geschieht beim provozierten Zusammenprall von Kunst und
Gesellschaft?’ zieht sich als roter Faden durch alle drei Filme.“ (Helmut
Herbst) Durch den engen Kontakt zu Künstlern wie Raoul Hausmann, aber auch
die Zusammenarbeit mit dem Archiv Sohm entstanden authentische Filmdokumente
von unschätzbarem kunstwissenschaftlichen Wert und großer formaler Qualität,
deren Relevanz und Virulenz bis heute spürbar sind.

Biographie Helmut Herbst:

1934 geboren, ist Helmut Herbst einer der profiliertesten Filmemacher
Deutschlands mit Schwerpunkt auf Experimental- und Animationsfilm. Ende der
1950er Jahre studierte er u.a. Malerei in Paris. Seine filmische Arbeit
begann bereits Anfang der 1960er Jahre mit dem Film „Kleine Unterweisung zum
glücklichen Leben“. Er war maßgeblich an der Idee des „anderen Kinos
“ beteiligt und Gründungsmitglied der „Hamburger Filmmacher Cooperative“,
die das deutsche Undergroundkino geprägt hat. Herbst arbeitete auch viel für
das Fernsehen – insbesondere für die Panorama-Redaktion des NDR. Dabei
entwickelte er neue Filmtechniken und untersuchte die Geschichte des Films,
indem er u. a. ein Buch über den Filmpionier Guido Seeber veröffentlichte.
Er gründete die Firma Cinegrafik, für die ab 1970 Franz Winzentsen als
Partner mitarbeitete. Von 1969 bis 1979 war er Dozent an der Deutschen Film-
und Fernsehakademie Berlin und von 1985 bis 2000 Professor an der HFG
Offenbach. Zu seinen Studenten gehörten u.a. Corinna Schnitt und Oliver
Husain. Heute lebt und arbeitet Herbst in Brombachtal-Birkert im Odenwald.


Ein Projekt von mikrokino in Zusammenarbeit mit der Freien Kunstakademie
Nürtingen e.V., dem Galerienhaus Stuttgart, der Oberwelt e.V., der
Staatsgalerie Stuttgart und dem Württembergischen Kunstverein.


Mit freundlicher Unterstützung der MFG Filmförderung Baden-Württemberg


Kontakt und Organisation: Ulrich Wegenast,







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