Von Helzle, Wolf am 12. Oktober 2011 um 22:15

Projektion vom 14. - 24. Oktober 2011
Während dreier Wochen im September 2011 war Wolf Nkole Helzle im Stuttgarter Bosch-Areal unterwegs und portraitierte fotografisch Personen, die er dort traf: Mieter, Angestellte, Besucher eines Kinocenters und eines Fitnessstudios: "Darf ich sie kurz ansprechen? Wir machen ein Kunstprojekt zum 10jährigen Jubiläum des Bosch-Areals und fotografieren dafür möglichst viele Personen, die hier ein- und ausgehen. Vom 14. bis 24. Oktober werden immer abends alle Portraits auf die Fassade des Kinocenters projiziert; darf ich sie bitten, dabeizusein?" Interessanterweise rannte man offene Türen ein, ein sehr hoher Prozentsatz der so Angesprochenen hatte Lust darauf, viele freuten sich echt darüber, auch dabei sein zu können. Und so sind es 367 exemplarische Portraits geworden, von Menschen, die das heutige Bosch-Areal beleben und ausmachen.

Die Idee zum 10jährigen Jubiläum
Das ist auch gleichzeitig die künstlerische Grundidee, welche die Macher des Bosch-Areals überzeugte: Auf die Architektur des Gebäudeesembles die Portraits der Menschen zu projizieren, für die ebendieses eine bestimmte - sicher je andere - Rolle spielt, weswegen sie hier ein- und ausgehen, einen kleinen oder größeren Teil ihres Lebens verbringen. Hineinzuschauen in die Gesichter derer, für die es sich - wenn überhaupt - lohnt, entsprechende Architektur herzustellen und zu pflegen.
Das Medien Kunst Stück

Die Kunsthistorikerin Dr. Rita E. Täuber wirft ihren Blick auf das Gesamtkunstwerk, welches nun auch ein Teil des Bosch-Areals wurde: "Bereits seit Mitte der Neunziger Jahre arbeitet der Medienkünstler Wolf Nkole Helzle unentwegt an der Erweiterung eines besonderen Archivs. Ob in Europa, Afrika oder Asien - ob in einer Kunstausstellung, in einer Kirche oder auf der Straße - an all diesen Orten luden ein Stuhl, eine Lampe, ein schwarzer Hintergrund und eine Kamera Gäste, Besucher und Passanten zu einem kurzen Fototermin. Auf diese Weise entstehen aber weder "Kniestücke", Hüft- oder Brustbilder, sondern nahsichtige Kopfbilder mit aller Konzentration auf die Physiognomie. Wesentlich ist allein das Gesicht.
Zunächst an einen Rechner weitergegeben, dessen besondere Software das Verhältnis von Augen, Nase und Mund bestimmt, gelangt schließlich Portrait für Portrait auf eine großformatige Leinwand. Der bannenden Frontalität dieser Gesichter gesellen sich die fließenden Bilder des Übergangs, bemerkenswerte Zwischenstadien, die sich durch das Verfahren des "Morphens" ergeben. Denn so wie das Gesicht des Einzelnen durch den Akt des Fotografierens aus der Menge hervortrat, so kehrt es auch wieder in diese zurück und durchläuft dabei momenthafte nicht selten bizarre Verwandlungen, in denen das Gemeinsame und das Trennende eigentümlich nah beieinander liegen: dem lachenden Kind entsteigt ein ernsthafter Herr, aus dem blassen Nordeuropäer entpuppt sich die dunkelhäutige Schönheit.
Im Spannungsfeld von Individuum und Kollektiv ist es die besondere Vielfalt und Unverwechselbarkeit der individuellen Physiognomie, die immer wieder von Neuem fasziniert. Über 25.000 Portraits sind es, die sich bislang in Wolf Nkole Helzles weltweit angelegtem kommunikativen MedienKunstStück gleichberechtigt begegnen - eine gigantische Zahl und dennoch nur ein winziger Bruchteil des großen unüberschaubaren Ganzen."

Wolf Nkole Helzle Medienkunst
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