Von Camillo Torrone am 05. Februar 2001 um 00:00


"Können Sie ausschliessen, dass ein von Ihnen geworfener Stein einen Menschen verletzt hat?" "Können Sie hier und heute ausschliessen, dass Sie vor 25 Jahren bei terroristischen Morden keine klammheimliche Freude empfunden haben?" "Können Sie beweisen, dass Ihre Mitbewohner in der Zeit zwischen 1970 und 1977 keinen Kontakt zur Kinderschänderszene hatten?" "Könne Sie eine eidesstattliche Versicherung darüber abgeben, dass Sie nicht an Angela Merkel dachten, als Sie das letzte Mal onanierten?"

Von diesem und ähnlichem Kaliber sind die Forderungen, die in der Aussenfischer-Debatte (jetzt Fischer-Trittin-Debatte) erhoben werden. Da ist wieder Schwung im politischen Alltagsgeschäft. Hat mal jemand gesagt, Links und Rechts seien überholte Begriffe? Sie sind aktueller denn je. Doch wie ist es um die Strategie der Linken und Ex-Linken bestellt?

Die Kunst weiss, wie so oft, einen Ausweg. Erinnern ist schliesslich eines ihrer beliebesten Metiers. Der Niederländer Cees Krijnen macht das Scheidungsdrama seiner Eltern zur Preformance. Die "Financing My Parents´ Divorce" - Show tourt! Mama ist schön wie ein Model und inszeniert ihr Scheidungsdrama, vom Sohn als Kunst-Performance choreografiert, inzwischen worldwide als "Women in Divorce Battel on Tour", wie ELLE 12/2000 zu entnehmen war. Einen Preis haben sie auch schon gewonnen, den "Prix de Pomme" - oder war es der "Prix de Rome"? Leider findet das Ganze nur mit Mama statt, denn Cees hat Partei ergriffen: Papa "ist völlig draussen aus der Sache". Selektives Erinnern ist immer noch das schönste Erinnern. Es ist so leicht und erfrischend wie Aspirin-Aerosol.

Der performative Akt der kollektiven 68er-Erinnerungsarbeit könnte unter Leitung von Cees-Productions wie folgt inszeniert werden: Joschka Fischer fährt in der "Kick a Policeman, Run, Remember and Forgive" - Tour am Originalschauplatz in Frankfurt in seiner Limousine vor. 300 Fernsehsender aus 200 Ländern haben sich auf der links der Strasse errichteten, 500 Meter langen Pressetribünen versammelt. Zahlreiche Gäste aus 500 Ländern wohnen der Performance auf der rechts der Strasse errichteten Ehrentribüne bei. Joschka steigt aus dem Wagen, gekleidet in einen Brioni-Kampfanzug. Seine Bodyguards treten zurück. Der von ihm damals verprügelte Polizist steht in Originalmontur bereit. 2000 Polizei- und 200 Sponti-Statisten runden die Szenerie ab. Joschka geht auf den Polizisten zu, haut ihm eins in die Fresse. Ein Raunen geht durch die Menge. Der Polizist wankt, stürzt, liegt am Boden. Joschka geht auf ihn zu und es hat den Anschein, als wolle er ihm noch eins mit dem Fuss...doch Joschka zögert. Der Polizist hebt seinen Blick, fast flehend. Da reicht ihm Joschka die Hand, hilft ihm vom Boden auf, sie umarmen sich, SIE UMARMEN SICH!

Bundespräsident Johannes Rau überreicht Cees-Productions den LOTTA CONTINUA - Preis der Stiftung der Freunde der Nationalgalerie. "Kick a Policeman, Run, Remember and Forgive" startet seine Welttour im April im Ludwig Forum, Aachen.
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