Von Zeljko Bozicevic am 25. Januar 2009 um 19:48

Hallo Betas,
nach der Ausstellung "Sites of Modernity" in der Oberwelt e.V. vor
einem Jahr startet in der Halle für Kunst Lueneberg e.V. en neues,
spannendes Projekt der MoAA Berlin:

>> Die Ausstellung Kabinett der Abstrakten – Original and Facsimile <<

24. Januar bis 8. Maerz 2009
Ort: Halle fuer Kunst Lueneburg eV, Reichenbachstr. 2, D-21335 Lueneburg

Podium, Sonntag, 1. Februar 2009, 16 h
Abstract Cabinet & the Modern Art Narrative mit Alfred Barr
(Verbuendeter des MoAA, New York), Ines Katenhusen (Historikerin,
Leibniz Universitaet Hannover) und Doreen Mende (Freie Kuratorin
Berlin / Redakteurin von Displayer).

Die Veranstaltungen finden in englischer Sprache statt, Eintritt frei.
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Halle fuer Kunst Lueneburg und das Museum of American Art Berlin
freuen sich, die Ausstellung Kabinett der Abstrakten – Original and
Facsimile zu praesentieren. Mit dem Nachbau des Kabinetts von El
Lissitzky, das in den spaeten 1920er Jahren als Ausstellungsraum fuer
abstrakte Kunst errichtet wurde, zeigt die Ausstellung „den ersten
Versuch, die Bestaendigkeit des Ausstellungsdisplays und die Stasis
epochaler Raeume zu ueberwinden“ in seinem rekonstruierten
historischen und politischen Kontext.
Das Kabinett der Abstrakten entstand in enger Zusammenarbeit zwischen
Alexander Dorner, dem Direktor des Provinzialmuseums in Hannover der
Jahre 1925-1937, und El Lissitzky, einem der wichtigsten sowjetischen
Avantgardekuenstler. Bereits kurz nach seiner Eroeffnung 1928 wurde
das Kabinett zu einem der bedeutendsten Exponate des
Provinzialmuseums. Alfred Barr, Gruendungsdirektor des New Yorker
Museum of Modern Art, merkte an, das Abstrakte Kabinett sei
„vermutlich der weltweit bedeutendste Einzelraum der Kunst des 20.
Jahrhunderts“ gewesen. Dies wurde vielfach aehnlich eingeschaetzt und
setzte weltweit Impulse fuer die Revision musealer Ausstellungspraxen.

Mit dem Aufstieg der Nationalsozialisten in Deutschland wurde es fuer
Alexander Dorner zunehmend schwieriger, das Kabinett der Abstrakten
einer Oeffentlichkeit zu praesentieren. 1936 wurde es schließlich
durch einen Regierungsbeschluss endgueltig demontiert. Zuletzt waren
einige der einst im Kabinett gezeigten Arbeiten in der Ausstellung
Entartete Kunst (1937) zu sehen, bevor sie konfisziert und zum großen
Teil von den Nationalsozialisten zerstoert wurden. Zu dieser Zeit
floh Alexander Dorner nach Amerika und der sich in Europa zunehmend
ausbreitende Faschismus fuehrte das vorlaeufige Ende der Modernen
Kunst in Europa herbei.

Nach Kriegsende musste ein Jahrzehnt vergehen, bevor die Aufarbeitung
und Erinnerung an moderne Kunst und deren Narrative von europaeischer
Seite erfolgte. In den USA, in die viele Protagonisten der
Vorkriegsavantgarde immigrierten, erhielt sich das Bewusstsein fuer
die Bedeutung von Arbeiten wie Lissitzkys Kabinett der Abstrakten.
Mit Alfred Barr hatte sich der Kanon des MoMA etabliert, der auf dem
Glauben an eine politische und kuenstlerische Ueberlegenheit von
abstrakter Kunst gruendete. In Europa wurde das Kabinett erst im
Jahre 1962 in der Ausstellung Die Zwanziger Jahre in Hannover im
Kunstverein Hannover durch zwei große Fotografien prominent
praesentiert. 1968 erfolgte die Rekonstruktion in dem Raum des
Landesmuseums Hannover, in dem es 1928 entstanden war. Unterdessen
wurde die Installation ins Sprengel Museum in Hannover ueberfuehrt,
wo es noch heute besichtigt werden kann.

Die Ausstellung Kabinett der Abstrakten – Original and Facsimile ist
als Versuch zu betrachten, das Kabinett der Abstrakten als eine der
bedeutendsten Leistungen der Kunst des 20. Jahrhunderts innerhalb
eines rekonstruierten Kontextes zu zeigen. Sie erinnert an den Raum
und die historischen Rahmenbedingungen, unter denen es entstand und
schließlich verschwand. Ueber die Verwendung von Kopien einst
zerstoerter Bilder folgen wir sowohl den Ideen Dorners zu Originalen
und deren Faksimiles, als auch Walter Benjamins Gedanken zu „Kopien
als Erinnerungen“. Um einen komplexen Ort der Erinnerung zu
erschaffen, werden in der Ausstellung verschiedene Arten von
Referenzmaterial und Displaytechniken, darunter Malerei, Buecher,
Kataloge, Filmmaterial und Sound, herangezogen. Um nochmals Walter
Benjamin zu zitieren: „Die in dieser Ausstellung gezeigten Werke sind
keine Kunstwerke. Vielmehr sind es Souvenirs, ausgewaehlte Exemplare
unseres kollektiven Gedaechtnisses.“

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Das Museum of American Art ist eine Bildungseinrichtung, die sich dem
Sammeln, Erhalten und Zeigen von hauptsaechlich moderner
amerikanischer und zu Zeiten des kalten Krieges in Europa
ausgestellter Kunst verschrieben hat. Der Fokus liegt im speziellen
auf solchen Ausstellungen, die zur Fundierung einer
Nachkriegsidentitaet in Europa beigetragen haben, die auf
Individualismus, Internationalismus und Modernismus gruendet.

Die Dauerausstellung des Museums in Berlin (Stalinallee 91)
beinhaltet auch eine verkleinerte Version des Museum of Modern Art.
Diese nimmt Bezug auf die legendaere Ausstellung „Cubism and Abstract
Art“ von Alfred Barr in 1936, eine Ausstellung, die moderne Kunst
erstmalig nicht nach nationalen Schulen, sondern internationalen
Stroemungen historisierte. Das Kabinett der Abstrakten ist ein
Neuzugang im Museum of American Art, der diese Sammlung von Werken
der fruehen Moderne um eine der großen Errungenschaften der modernen
Kunst erweitert.
Das Museum of American Art ist Mitglied der AMI.
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