Von Annette Eckerle am 08. Dezember 2017 um 17:01

Die Welt, die hält dich nicht!

Das letzte Konzert der Reihe „Südseite nachts“ in diesem Jahr bestreiten die Neuen Vocalsolisten zusammen mit dem jungen und für seine zeitgenössischen Interpretationen gefeierten Quatuor Tana. (Di. 12. Dezember, 20 Uhr, Theaterhaus Stuttgart, P1).

Als die Neuen Vocalsolisten Stefano Gervasoni um ein a-cappella-Werk baten, ging für ihn ein lang gehegter Traum in Erfüllung: ein Werk zu den tiefgründigen, oft mehrdeutigen Distichen des Mystikers, Dichters und Denkers Angelus Silesius zu schaffen, gesammelt in den sechs Büchern des „Cherubinischen Wandersmanns“.

Was Gervasoni an diesen Texten am meisten interessierte und faszinierte, war die „charakteristische Vereinigung von Schlichtheit und Doppeldeutigkeit“. Also legte er für In Dir eine Zwölftonreihe an, die „in ihrer Symmetrie exakt dem von Silesius angewandten Versschema entspricht“. Denn am Ende - so die Utopie des Komponisten - soll sich der theologisch-poetische Kern der Silesius-Distichen musikalisch neu auskristallisieren. Die Neuen Vocalsolisten freuen sich auf die Wiederbegegnung mit diesem geheimnisvoll-existentialistischen Werk, das sie 2003 uraufgeführt haben.

Den zweiten und größten Teil dieses Konzerts nimmt mit rund 70 Minuten das Werk Delocazione* für Vokal- und Streichquartett von Raphaël Cendo ein. Auch Cendo hat seine musikalische Energie mit Hilfe von ausgesuchten Texten frei gesetzt, die sich mit den Schönheiten und Abgründen menschlicher Existenz intensiv beschäftigen. Programmatisch für seine Komposition ist ein Zitat aus der kunstwissenschaftlichen Abhandlung „Génie du non-lieu“ von Georges Didi-Huberman: „Das Leben beginnt mit einer Geburt. Ein Kunstwerk kann unter der Herrschaft der Zerstörung beginnen. Es ist die Herrschaft der Asche, der Rückgriff auf die Trauer, die Rückkehr des Trugbilds."
So reiht Cendo in diesem Werk nicht einfach nur Fragmente aus Texten von Claude Royet-Journoud, Georges Didi-Huberman, Rainer Maria Rilke und Georges Bataille aneinander. Cendos Ziel: „eine Choreographie der Gesten und Bewegungen, die die Geheimnisse der Poesie dieser Autoren vermischt“. Die Uraufführung am 7. Oktober bei Musica in Straßburg jedenfalls und die erste Folgeaufführung in Berlin vor wenigen Wochen lösten beim Publikum Begeisterung aus.


Di, 12. Dezember, 20 Uhr, Theaterhaus Stuttgart, Südseite/P1
Karten nur an der Abendkasse vor P1
12.- Euro / 8.- Euro erm.

>>> *Kompositionsauftrag von Festival Musica, Collectif Tana,
Françoise und Jean-Philippe Billarant sowie Impuls-Festival für Neue Musik
Mit Unterstützung von
Impuls. Deutsch-französischer Fonds für zeitgenössische Musik


"Südseite nachts" ist eine Reihe von Musik der Jahrhunderte
8 x im Jahr auf der Südseite des Theaterhauses
immer am zweiten Dienstag im Monat

Südseite nachts 2018
18. März / 10. April / 8. Mai / 12. Juni










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Annette Eckerle
Musik der Jahrhunderte
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