Von Till Nikolaus von Heiseler am 21. August 2008 um 22:48

In nächster Zukunft starten wir ein offenes Mitschreibprojekt.
Wer mitarbeiten möchte, kann sich in folgende mail list eintragen:

http://mail.kein.org/mailman/listinfo/vim-colloquium
:::Theory as an Interactive Artform - Für eine Ästhetik des Wissens


Worum geht es?

Es geht um unsere Zukunft, um die Entwicklung unserer Gesellschaft. Es
geht um die soziale Evolution und ihre kulturtechnischen,
epistemologischen, konventionellen und medialen Rahmen. Werden wir in
einer Gesellschaft leben, in der die soziale Evolution einer
Eigendynamik unterworfen ist, die blind ist für menschliche
Bedürfnisse, oder wird es den Teilnehmern an sozialen und medialen
Formaten möglich sein, diese zu reflektieren und aktiv mitzugestalten?

Unser Vorschlag besteht darin, Gesellschaft als Prozess zu begreifen,
als ein soziales System, das sich mit Hilfe unmittelbar-sozialer und
medialer Formate reproduziert. Folgt man dieser Betrachtungsweise,
bestünde die soziale Evolution im Auftauchen und dem Sich-Durchsetzen
neuer Formate, gefolgt von einem Prozess der Umstrukurieung
(Restabilisierung), der einsetzt, wenn eine neue Formatvariation sich
durchsetzt und etabliert.

Damit verschieben sich dann auch die Variationsmöglichkeiten (die
Produktionsmöglichkeiten der Variationen) sowie die soziale Selektion
der Formate, die Logiken der Anschlusses.

Kann man experimentell für bestimmte Zwecke und Bedürfnisse Formate
entwickeln? Wäre es möglich, die Entwicklung von experimentellen
Formaten auszurichten an der Antizipation der Restabilisierung, also
jenes Zustandes, den die Gesellschaft annehmen würde, wenn das
experimentelle Format sich durchsetzen würde? Oder geht es zunächst
darum, darüber nachzudenken, wie die Reflexion über Formate in
entsprechende Formate eingebaut werden kann? Diese Fragen sind
Ausgangspunkt einer Forschungsbemühung, die sich wiederum selbst als
soziales System versteht, als einen kommunikativen Zusammenhang.

Dieser kommunikative Zusammenhang besteht aus zwei eng miteinander
verflochtenen Bereichen: einem praktischen, experimentellen Bereich -
hier geht es um das konkrete Entwerfen von unmittelbar-sozialen und
medialen Formaten für eine anders mögliche Gesellschaft - und einem
theoretischen Bereich - in ihm geht es darum, Perspektiven zu
entwickeln, die für diese Experimente hilfreich sein könnten und die
einen entsprechenden Reflexionsraum öffnen, in dem die durchgeführten
Experimente entworfen und reflektiert werden. Da wir den Bereich der
Theorie als soziales System begreifen, können wir auch ihn
experimentell bearbeiten.

Es kommt zu einer wissenstheatralischen Selbstanwendung: der
kommunikative Zusammenhang, in dem das Wissen über Formate entsteht,
wird mit Hilfe des Wissens bearbeitet, das in ihm selbst generiert
wird. Ausgerichtet wird diese Wissensinszenierung an der möglichen
Wirkung, also an der vermuteten Fruchtbarkeit, "eher bessere" Formate
zu entwickeln. "Eher bessere" Formate sind Formate, in denen die
Teilnehmer an den Formaten Mitgestalter der Formate sind oder in denen
die Logiken des Bedarfs von den Logiken der Bedürfnisse abgelöst
werden.


--
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