Von Anna Thomas am 06. September 2004 um 00:00

If u were in my heart I`ll truly not break, I will hide u somewhere between the Luther Vandross-theme and the feeling that I`ve got, since the day I met u... während Stunde um Stunde schlägt.

Die Hand gleitet entgleist sofort in die richtige Richtung. Gitarrensolo, ertränkt in einem Glas Wasser. Bevor es schmer-zerfüllt monatelang an einem klebt, das Gehirn zu Brei um-gestaltet, Wasser aufgefüllte Haferflocken. Gewagte Zungen-spiele aus der einseitigen Intention die der andere nach rechts blickend in die Bar erforscht. Zur frühen Stunde gesendete elektronische Kurzmitteilungen - in Harmonie-wunsch ersticktes Geschrei. Bemalte Rahmen in grünblau, vergessene Schals auf dem Sofa der Erkenntnisse weit entfernt, voneinander sich in Diskussionen verstrickend, die keinen Sinn haben und doch so vieles wortlos definieren. Entscheidungen die nur eine Seite trifft und die andere duldet, weil Zuhören eine Tugend ist - es wird erwartet... obwohl kaum was gedeihen kann; Trockenzeit. Reklameungebrochene leuchtende Sprüche überall. Barbie und Ken Gesichter, katjesfressende Konsumdrohnen anno heute, sprinten um die Wette. Der Kater schläft tief und fest, genießt die Wärme, gähnt, während Depeche Mode nebenher trällert von Erkenntnis-sen und wollen oder sein - manche Dinge ändern sich nie. Unsoziales, kontaktunfreudiges, averbales Verhalten, führt zum gegenseitigen Hass. Der viel zu alte Engel mit russisch blondem Haar singt vom Frieden. Nelson Mandela auf einem Sessel schaut Beyoncé auf die Titten. Angst überflutet den Raum, schweißnasse Hände reiben aneinander, suchen nach der nächsten sinnlosen Zigarette des Tages, welchen eigentlich? Panikattacken unter der laufenden Heißwasserdusche wollen beherrscht werden. Bestimme über mich, sag dass du ohne nicht kannst - scheiß aus Pappe gefaltete Wunschträume. Origami-Schmet-terlinge flattern halbtot über meinem Kopf und suchen ein Plätzchen auf dem sie sich niederlassen können - zum Brüten. Dein Gesicht ist wie ein warmer Sommerregen an einem heißen Tag. Es ist kalt draußen und drinnen, und überall scheint es, als ob die Kälte das neue Zauberwort des Tages wäre. Smalltalk am Küchentisch über pubertierende Töchter.

Merkst du nicht, love is in the air ? - irgendwie plagen mich Sehnsüchte; Ungewöhnliches des alten Socken Zusammen-faltens. Die Stimme abgenabelt wie eine ausgesteckte Te-lefonleitung. Kopfschmerzen die ein Ergebnis sein wollen. Tippend krachende Minuten. Zimtgeruch im Flur frisst sich durch die Türritze in meine Nasenschleimhäute. Stumme Versprechen schreien mit lilliputanen Stimmen. Tote wachen wieder auf, und geistern durch meine Wohnung, die mit Brettern zugenagelt, nach Luft hechelt. Es ist offensichtlich nicht erklärungswürdig, was nicht ge-schah - wann genau? Ich, das Orakel der Neuzeit mit einem dritten Sinn für gewisse Fakten, die bislang kommen wollten, spürte es vor Wochen, dass es so sein würde, werden möchte, kam nichts dazwischen, Schicksal beeinflusst später, wie verwandelt alles - alles verwandelt sich.

Leave u then I wonder why, but it`s possible - is it really? Liebe dich selbst, however. Heilige Schriften in fremden Sprachen und Worten, versuchen zu vermitteln. Alle singen, alle feiern, nichts ist unmöglich - Unerreichbares bleibt im Kleinhirn als Illusion gefangen. Vergitterte Fenster; Wolken ziehen hinweg. Lügen auf zu kurzen Beinen, schlendern sich durch die Tapetenritzen. Spoken Words hämmern gegen die Scheibe, verklumpen auf dem Bürgersteig zu nichts. Geschichtenerzähler gefangen zwischen dem Gestern und dem Morgen. Aus grünem Staub aufgewühlte Wolke legt sich auf die TV Box, redet von längst vergangenen Tagen. Im Liebestrank versenkte Finger gleiten darüber im Licht der Raketen. Es ist Neujahr, Silvester, Stuttgart, 2004. Gute Vorsätze verstecken sich im Wandschrank. Schlechtes Gewissen legt wieder auf. Echoartige Déjà-Vus bilden Brü-cken zu ausgetrockneten Flussufern an denen keiner wartet. Niemand kritzelt auf einem frischgrünem Blatt des Jasmin-baumes - es war doch Herbst. Girl, I love u, darling, Seite 456 eingeklemmt wie ein Briefbeschwerer, zwischen 1999 und dem Vorsichhindriften ins Bodenlose, Unerregte. Ge-raubte Träume. Neue greifen in die Leere zwischen deinem und meinem Arm. Die Enge von Mona aus der Unter-grunddruckerei eingeschweißt. Frigide Prinzessinnen auf einer vergilbten Kinderzeichnung warten auf Kronenwach-sen. Zu viele Stunden verweint, ganze Badewannen voll, flos-sen in die schimmelfreien Ritzen des 200.000 Euro Bads. Mit Blut beschmierter Pavillon spricht nächsten Sommer Bände. Zeilen die sich in ihren Haarsträhnen verfangen wie kleine Spinnweben. Austauschbares trägt meinen Namen. Damn legt sich melodisch wie eine Wolldecke auf längst verstopften Ohren.

“Zeig mir tapfer wo der Hammer hängt. Große Männer über 1,65 weinen selten. Lutsch an meinem Zeh und massiere die in Formaldehyd eingelegte Zungenspitze, bitte. Blas mir den Schuh auf und sei mein Held, mein Ritter, mein Haupt-hochtragender. Gewitterwolken hängen darüber, es schneit.”

Darwins missachtete Theorie der Devolution, bastelte sich ein Märchenschloss aus vergessenen Fotos, schloss sich darin ein, und wartete auf das Ende des atomaren Krieges.

 

Erschienen in der Preview-Reihe von:
Der Lautsprecher Band 6 – STUTTGART SUCHT,
Herausgegeben von Svenja Eckert und Markus Ebinger.
ISBN 3.932902.41.6, 9.90 €

ERSCHEINT AM 01.10.2004. mit Lesung im Ex-Tearoom 23.10.04 //
Vorsprechanlage http://www.vorsprechanlage.de im Rahmen der Stuttgarter Kulturnacht

Alle Infos unter der relaunchten Website von: http://www.lautsprecherverlag.de


LF.net Netzwerksysteme GmbH :: Internet Service Provider in Stuttgart

Mailingliste/Blog / Archiv