Re: Der Leiter des W ürttemberigschen Kunstvereins, Andreas Jürgensen tritt zurück
Von Benjamin Fischer am 26. Juni 2003 um 16:02
> Artikel aus der heutigen Ausgabe der Stuttgarter Zeitung
>
> http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/page/detail.php/449768/
Das ist der richtige Link:
http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/page/detail.php/447940
Und das der Text:
Artikel aus der
Stuttgarter Zeitung
vom 26.06.2003
Unüberbrückbare Meinungsverschiedenheiten
Der Leiter des Württembergischen Kunstvereins, Andreas Jürgensen, tritt
zurück und verlässt im August sein Amt
Von Petra Mostbacher-Dix
Manche Dinge finden schneller ein Ende, als man sich das hat träumen lassen.
So geschehen etwa im Falle Andreas Jürgensen. Im Januar 2001 war der Mann
aus Odense angetreten, um bis zum 31. Dezember 2005 die Geschäfte des
Württembergischen Kunstvereins Stuttgart (WKV) zu leiten. Doch nun hat er
schon aufgegeben. Wie es dazu gekommen ist, ist nicht so ganz klar. Klar ist
nur, dass der 42-Jährige den Kunstverein bereits zum 1. August verlassen
wird. Man habe sich in gegenseitigem Einvernehmen getrennt, so die gestrige
Verlautbarung des Kunstvereins, weil die Meinungsverschiedenheiten über die
künftige Rolle des Geschäftsführers sich nicht überbrücken ließen.
Probleme, die eigentlich vorauszusehen waren. So überlegt der WKV schon
geraume Zeit, wie die Neunutzung des Gebäudes am Schlossplatz nach dem
Auszug der Galerie der Stadt in einen Neubau aussehen könnte. Jürgensens
Vorgänger Martin Hentschel hatte bereits zu seiner Amtszeit ein Konzept
dafür erarbeitet, demzufolge das Haus auch anderen Institutionen geöffnet
werden könnte, etwa dem Institut für Auslandsbeziehungen, der Akademie
Schloss Solitude, dem Bund der Architekten und auch der Kunststiftung
Baden-Württemberg. Auch das Land signalisierte bereits, dass eine derartige
Bespielung der Räume denkbar wäre.
"Die Frage der zukünftigen Nutzung des Kunstgebäudes ist die Schicksalsfrage
des Kunstvereins seit den frühen achtziger Jahren", so Hans J. Baumgart,
Erster Vorsitzender des WKV. "Wir haben bereits 1998 in Richtung Kunsthalle
argumentiert. Es geht darum, die Darstellungsmöglichkeiten dieses
herausragenden Kunstgebäudes der Stadt und des Landes besser und möglichst
optimal zu nutzen und die Verantwortung für das Geschehen im Kunstgebäude in
die Hand eines Verantwortlichen zu legen." Eine Sache, die bis dato zwischen
Land, Stadt und Kunstverein noch nicht geklärt wurde.
Sicher ist allerdings, dass, wenn eine wie auch immer geartete
Kunsthallenlösung kommen sollte, diese eine Neuordnung der Aufgaben des
Geschäftsführers mit sich bringt. Und das war zumindest nach Andreas
Jürgensen der Knackpunkt zwischen den Beteiligten. "Ich war überrascht, dass
wir uns gerade da entzweien würden, aber es ist letztendlich eine politische
Frage", so der Noch-WKV-Leiter. "Es ging eher um die Position der
zukünftigen Institution, die dann wohl eine Doppelfunktion sein soll, und um
deren Kompetenzen, weniger um das Konzept."
Denn ein solches hat der gebürtige Däne durchaus vorgelegt, schließlich war
die Frage der künftigen Nutzung Gegenstand der Ausschreibung für die
Hentschel-Nachfolge und brachte Jürgensen vor zweieinhalb Jahren seinen
Posten im WKV ein. Aber offensichtlich befuhr man, je konkreter der Auszug
der Galerie der Stadt (2004) heranrückte, verschiedene konzeptionelle
Fahrwasser. Zumindest sieht das Hans J. Baumgart so. "Verkürzt gesagt,
liefen Dr. Jürgensens überlegungen auf eine vielfältig nutzbare
Ausstellungsbühne mit ausgeprägtem Labor- und Experimentiercharakter
hinaus", sagt er. "Damit hat er sich von dem Kunsthallencharakter wegbewegt,
der bis dahin neben der Alleinintendanz das andere dominierende Element
aller überlegungen seitens des Kunstvereins war und unverändert ist. Wir
wollen aber keine Unterbespielung des Hauses, sondern eine öffnung für
vielfältige Kunstdisziplinen."
Die sieht Jürgensen, dem die unelitäre Kunstvermittlung am Herzen liegt, in
seinem Konzept durchaus gegeben. "Ich wollte in den großen Räumen große,
lang laufende Ausstellungen, in den kleinen verschiedene kurze
Präsentationen und unterschiedlichste Räume wie Medienräume zum Arbeiten
einrichten", erklärt er. "Der Besucher sollte ohne Schwellenangst kommen und
beim Entstehen von Kunst zuschauen können." Schöne Worte von beiden Seiten,
die weniger die Trennungsgründe denn vor allem die Diskrepanzen der Parteien
aufzeigen.
Dass es in der Führung des WKV seit längerem nicht zum Besten stand, ist
bekannt. Wurde doch dem Leiter ohne dessen Wissen eine Stellvertreterin zur
Seite gesetzt, von Seiten des Verwaltungsrats war gar von einem
"Troianischen Pferd" die Rede. Fazit von Jürgensen? "Ich habe in Stuttgart
viel gelernt. Es ist ein tolles Haus." Und von Hans J. Baumgart? "Wir sind
mit der stellvertretenden Direktorin Dr. Andrea Jahn, unserem Verwaltungsrat
und unserem Mitarbeiter Dr. Jens Kräubig bestens für die Zukunft gestellt.
Ich würde mir nun eine schnelle Entscheidung von politischer Seite
wünschen."
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