Von Thealit am 02. April 2014 um 14:28


(Scroll down for english)

AUSSCHREIBUNG 2014: ORDNUNG // STRUKTUR

Einsendeschluss 10.April

(Das Projekt wird voraussichtlich Ende August/ Anfang September 2014
stattfinden)
 

  
Ordnung // Struktur
 

ââDie meisten Menschen [â¦] sehen alles voll von Ordnung.ââ 1

"...eine Analyse [...] ist struktural (und ist nur dann struktural), wenn
sie den Inhalt als Modell erscheinen läÃt." 2

Gesellschaftsordnungen, diese einzuhalten und zu schützen sind Ordnungshüter
beauftragt.
So ist es in schriftlicher Form festgehalten. Sollte gegen sie verstoÃen
werden, so gibt es (zumeist) in den entsprechenden Passagen dieser Ordnung
gesetzte Sanktionen, welche auf die begangene Ordnungswidrigkeit folgen.
Ordnungen sind und werden festgeschrieben, stehen folgend quasi
allgemeingültig als GröÃe zum Weltverständnis anerkannt. Sie strukturieren
Gesellschaften. Wohingegen Strukturen scheinbar weniger exakte Bedingungen
verdeutlichen. Sie bilden wohl ebenso Abläufe, Gepflogenheiten,
Verantwortlichkeiten sowie Begünstigungen und Benachteiligungen innerhalb
von Gesellschaften ab. Jedoch sind sie zumeist nicht qua Gesetzgebung
festgeschrieben und werden nicht offen mittels eines Staats- oder
Organisationsapparats reguliert.
Während es im Wesen einer Ordnung zu liegen scheint,  festgelegt und
offenkundig zu sein, lassen Strukturen sich vielmehr erahnen und bergen wohl
zumeist individuellen Spielraum und Ausformulierungen. Einige meinen
allerdings, es sei ein wenig anders: Ordnungen lieÃen Spielraum und
Verhandlungen zu, Strukturen seien unbewusst und unzerstörbar.

Wer weià schon etwas über die Ordnung â oder die Struktur â von denen die
eigenen Handlungen möglicherweise ein Bestandteil sind? Gewissheit,
bekannten und unbekannten Bestimmungen wohl zugehörig gewesen zu sein,
entsteht spürbar erst im Bruch oder der Zuspitzung des Gewohnten â wie dies
auch immer entstanden sein mag.

Das thealit-Labor Ordnung // Struktur setzt auf bewussten Bruch  und
Zuspitzung der  gängigen Bedingungen künstlerischer und wissenschaftlicher
Produktion und Präsentation. Wo diese Bedingungen unablässig auf die Inhalte
formierend einwirken, soll mit einer klaren Umordnung // Umstrukturierung 
Unterbrechung-Befragung passieren. Rahmenbedingungen und Handlungsräume
werden Thema und dabei in einem künstlerischen Forschungsfeld âverkehrtâ.

Dies betrifft die langjährigen Strukturen des Frauen.Kultur.Labors thealit
selbst.  Insofern schlieÃt das Laboratorium direkt an die Programmatik von
thealit an, die besagt: "thealit schafft für Interaktionen zwischen
künstlerischer und theoretischer Reflexion geeignete Bedingungen. Es wird
eine kritische Erforschung und experimentelle Veränderung der jeweiligen
Praxen ermöglicht." Zugleich lädt das Laboratorium zu einem kritischen Blick
auch auf diese ein.

Immerhin  zeigt sich rückblickend, dass innerhalb der über 20-jährigen
Geschichte zumeist die Ordnung von Ausstellung und Symposium aufgerufen
wurde und die künstlerische Reflexion mehr dem Ersten und die theoretische
mehr dem Zweiten vorbehalten blieb.

Jede künstlerische oder wissenschaftliche Arbeit ordnet sich in die
vorangegangenen Arbeiten ein. Die Kunstgeschichte und die
Wissenschaftsgeschichte geben eine Ordnung vor oder bieten sie eine
Struktur? Vielleicht strebt jede künstlerische oder wissenschaftliche Arbeit
an, die bisher erforschte oder entwickelte Struktur um eine Einheit zu
erweitern?

âDie Vielheit der Einheiten kann 'sich' also 'entsprechend einer solchen
Ordnung arrangieren, dass die Schwierigkeit, die mit der Kenntnis des
Messens selbst verbunden war, schlieÃlich  dahingehend aufgelöst wäre,
allein von der einzigen Rücksicht auf ordnende Reihung bestimmt zu sein.â3

Um die Ordnung zu erforschen, werden auch diesmal die zwei unterschiedliche
Präsentationsmöglichkeiten aufgerufen und den Beitragenden jeweils zur Wahl
gegeben.                                             

Statt einer Konferenzsituation mit einer festen linearen Abfolge, zeitlich
kurz getakteter Beiträge an einem Konferenz-Ort mit physischem
Versammlungsort werden die Beiträge jeweils innerhalb vergebener
Sendezeiten, von einem Sendeplatz aus, ohne gegenwärtiges Publikum, über
UKW/ Radio öffentlich ausgestrahlt und dann an verabredeten
Versammlungsorten im öffentlichen Raum gemeinsam über bereitstehende und
mitgebrachte Radiogeräte angehört.                       
                                       

Statt eine Ausstellung, in der sich zeitgleich eine Ansammlung von Arbeiten
über einen längeren Zeitraum hinweg (Ausstellungsdauer) gegenüber steht,
werden in kleinen Räumen innerhalb eines Gebäudes,  künstlerische Positionen
nacheinander in einem festgelegten Zeitrahmen (45 min.) präsentiert.  Diese
Räume werden somit nacheinander geöffnet, so dass stets nur ein Raum
zugänglich ist.

Die Vorgaben räumlicher und zeitlicher Setzung und Taktung sind ein
Experiment, das zur Erforschung von und zum Ausbruch aus Ordnung // Struktur
einlädt.

Wir freuen uns über vielfältige Einreichungen.

Z. Schmidt und thealit

 

Schicken Sie uns bitte Ihr Konzept + kurzes CV bis zum 10.04.2014
(Sie können Text, Bild und/oder Filmmaterial schicken) an:


oder an:
thealit. Frauen.Kultur.Labor
Im Krummen Arm 1
28203 Bremen

http://www.thealit.de
 

------------------------------

English Version:

 

CALL FOR PROPOSALS THEALIT 2014 : ORDER // STRUCTURE


Deadline April 10, 2014

(The project is foreseen to take place at the end of august/beginning of
september 2014)



Order // Structure

 
ââMost people [â¦] see order in everythingââ 1

â... an analysis [â¦] is structural if (and only if) it can present content
as a model.â 2

Social order is kept under control and protected by keepers of order. Order
is proclaimed in written form. In the case of violation, the script
(usually) contains a list of sanctions that can be enforced in the occasion
of violation. Orders are written down, and in consequence are generally seen
as a way of understanding the world. Order structures societies. On the
other hand, structures clarify conditions that are less precise. They, as
well, mirror processes and habits, responsibilities and advantages as well
as disadvantages within societies. However, they are not codified within the
law and are not openly regulated by an apparatus pertaining to the state or
other entities. The essence of order can be seen in its being fixed, its
obviousness. Structures, on the other hand, may be assumed, they seem to
contain a leeway for understanding and enforcement. There are those who
would see this the other way around: orders allow for a leeway of
understanding and debate, while structures are unconscious and
indestructible.

Who has insight into the order â or structure â that governs oneâs own
actions? The assuredness of having been a part of a known or unknown
destination arises only when that which we are accustomed to peaks or breaks
â for whatever reasons this may happen.

The thealit-laboratory Order // Structure searches for a conscious break or
peaking in the familiar conditions of artistic or scientific production and
presentation. These conditions never cease to inform content. With a clear
restructuring/reordering as an interruption, the possibility of posing
questions opens up. Frameworks and spaces of action are placed in the center
of observation and thus turned into an investigative field of art.

This also concerns the longstanding structures of the Frauen.Kultur.Labor
thealit itself. In this sense, this laboratory stands in a direct relation
to a program that calls for thealit to âmake room for the interaction
between artistic and theoretical reflections of working conditions. In this
way, a critical investigation and experimental variation of practice becomes
possible.â The laboratory invites this critical view towards itself as well.

Looking back, we can at least see that our history of 20 years has called
for the order of exhibitions and symposiums, and that an artistic reflection
remained mainly the object of the first, while theory dominated the second.

Every artistic, every scientific work evolves from that which has gone
before. Does art history, does the history of science prescribe an order, or
do they offer a structure? Is it possible that each artistic or scientific
work aims at the enhancement of structures that have been investigated or
developed so far?

âThe multitude of entities can in this way arrange itself in such an order
that the difficulties pertaining to the knowledge of measurement itself may
dissolve with respect to the orderly row that hitherto was its only
priority.â3

In order to study order, we offer two different modes of presentation,
leaving the choice among them to
contributors.                                             

Instead of a conference situation with a fixed, linear schedule and short
presentations following each other at a conference center with physical
gathering spaces, we plan to broadcast the presentations via USW/Radio
within fixed times and from one broadcasting studio, without an audience.
The presentations can then be heard together in an open space through radio
sets that have been brought along or made
available.                                                             

Instead of an exhibition showing a variety of works together within one
space during a certain amount of time (time of exhibition), artistic
positions will be presented in small rooms within a building, and only for a
short space of time (45 min). These rooms are opened one after the other.
Only one room can be viewed at a time.

These guidelines with respect to spatial and temporal placement and pulsing
are an experiment that invites queries into and a break-outs out of order //
structure.

We are looking forward to your many contributions.

Z. Schmidt and thealit

Please send us your concept + short CV until April 10, 2014
(Texts, Images or Films) to:



or to:
thealit. Frauen.Kultur.Labor.
Im Krummen Arm 1
28203 Bremen

http://www.thealit.de

------------------------------------------

1 Robert Musil: Der Mann ohne Eigenschaften

2 Michel Serres in: Hermes 1. La communication, p. 33

3 Michel Foucault, Les mots et les choses, Paris 1966, p. 67-68. Foucault
cited from: René Descartes, Regulae ad directionem ingenii [1637], XIV.)












LF.net Netzwerksysteme GmbH :: Internet Service Provider in Stuttgart

Mailingliste/Blog / Archiv