Von Thomas Geyer am 02. Januar 2010 um 13:38

Hallo zusammen!

Auch im neuen Jahr wird (zumindest vorläufig, siehe unten) wieder
jeden ersten Sonntag im Monat - und somit auch am morgigen 03.01.10 -
in der Stuttgarter Rosenau geslammt!

Erneut strömen Wort-Toreros aus der ganzen Republik und dem Ausland in
die Rosenau, um in einer spannenden Dichterschlacht den besten unter
Ihnen zu bestimmen. Diesmal sind u. a. mit dabei: der zweitplatzierte
der deutschsprachigen Slam-Meisterschaften Christian Ritter
(Würzburg), der Münchner Nachwuchs-Star Moritz Kienemann, Stefan
Dörsing aus Gießen, der Innsbrucker Stefan Abermann, Michael Jakob aus
Nürnberg sowie Lucass Fassnacht aus Erlangen.

Als Special Guest ist diesmal die Münchner Kabarettistin, Autorin und
Slampoetin Sarah Hakenberg - unlängst mit ihrem Soloprogramm in der
Rosenau zu sehen - am Start!

Der Poetry Slam am Sonntag, den 03.01.10 beginnt um 20 Uhr, Einlass
ist ab 18 Uhr. Der Eintritt beträgt 6 Euro.

Leider gibt es zur Zukunft der Rosenau sehr schlechte Nachrichten. Wir
dokumentieren hierzu den Rundbrief der Rosenau (siehe unten) und sind
ob der Entscheidung des Stuttgarter Gemeinderats schockiert.

Bis morgen, wir freuen uns auf Euch!

die Sprechstation
http://www.stuttgart.sprechstation.de


---------------------------

Liebe Freunde, Gäste und Kollegen, werte Förderer und Unterstützer der
Rosenau,

kurz vor Weihnachten, am 18. Dezember hat der Stuttgarter Gemeinderat
in der 3. Lesung den Doppelhaushalt 2010/2011 beschlossen und dabei
u.a. über den Förderantrag des Rosenau Kultur e.V. entschieden. Daher
möchte ich Sie/Dich/Euch – kurz bevor das Jahr zu Ende geht - über den
aktuellen Stand und die Zukunft der Rosenau informieren. (Bitte auch
an Menschen weiter leiten, die diese Mail interessieren könnte.)

Zunächst möchte ich in ein paar Sätzen rückblickend zusammen fassen:
Seit 2002 betreibt die Neue Arbeit Dienstleistungsagentur GmbH die
Rosenau und hat den Kulturbetrieb in den letzten sieben Jahren mit
jährlich ca. 140 000 Euro gesponsert. Bereits Ende 2008 war absehbar,
daß die GmbH (unter deren Dach insgesamt drei Projekte zusammen gefaßt
sind) dies finanziell nicht länger leisten kann, worauf erste
Gespräche mit der Kulturverwaltung und den kulturpolitischen Sprechern
geführt wurden, die in einem Antrag auf Förderung durch die Stadt
Stuttgart mündeten. Die Rosenau hatte bis dahin nie eine Förderung
durch die Stadt erhalten, so daß es für die Öffentlichkeit, Presse und
Politik zunächst nicht nachvollziehbar und überraschend war, warum die
Rosenau so plötzlich um ihre Existenz bangen mußte: „Warum kann das
nicht so weiter gehen? ... ging doch die letzten Jahre auch?“ Daher
war es zunächst notwendig, offen und differenziert die bisherige
Struktur und Finanzierung darzulegen und gemeinsam mit der
Kulturverwaltung und den kulturpolitischen Sprechern für die Zeit nach
dem Ausstieg der Neue Arbeit DLA GmbH eine Zukunftsperspektive für die
Rosenau als Kulturbühne zu entwickeln. So wurde im April 2009 der
Rosenau Kultur e.V. als Träger des Kulturbetriebs gegründet und mit
dem Aufruf „Rettet-die-Rosenau“ eine breite Öffentlichkeit für unser
Anliegen geschaffen.

Was als Echo und Antwort auf unseren „Notruf“ zurück kam, war
überwältigend und hat mich persönlich nicht nur gefreut, sondern z.T.
geradezu berührt und allemal darin bestärkt weiter zu machen und
darauf zu vertrauen, daß die Rosenau als Kultureinrichtung eine
Zukunft hat.

Angesichts der Finanzkrise und der damit einhergehenden finanziellen
Situation der Stadt Stuttgart, war uns sehr schnell klar, dass mit den
ursprünglich beantragten Mitteln in Höhe von 145 000 Euro, um den
Spielbetrieb wie in den letzten Jahren aufrechtzuerhalten, nicht zu
rechnen ist. Schon allein gegenüber den anderen Kultureinrichtungen
der Stadt, die z.T. drastisch gekürzt werden sollten, waren 145 000
Euro nicht haltbar.

Anfang Oktober 2009 dann wurde mir in Gesprächen mit den
kulturpolitischen Sprechern in Aussicht gestellt, dass der Rosenau
Kultur e.V. für 2010 und 2011 eine Förderung durch die Stadt Stuttgart
in Höhe von Euro 70 000 p.a. erhalten würde. Über die Parteigrenzen
hinweg hatten sich die Fraktionen der GRÜNEN, CDU, SPD, SÖS/DIE LINKE,
sowie einzelne Gemeinderatsmitglieder der FDP für den Erhalt der
Rosenau als Kulturbühne ausgesprochen – ein deutliche Mehrheit und ein
klares Votum für die Sache: Den Erhalt der Rosenau als Kulturbühne.
Trotz der finanziell äußerst schwierigen Situation der Stadt hatte man
sich überparteilich dazu entschlossen, die Rosenau neu in die
Förderung durch die Stadt aufzunehmen und mit einem Betrag
auszustatten, mit dem die Rosenau ihr Konzept und ihre Programmatik
erfolgreich weiterführen, ihre Arbeit fortsetzen könnte: Als junge
Kabarett- und Comedybühne für ein schwerpunktmäßig junges Publikum,
als Nachwuchs- und „Entdecker“-Bühne neuer, aktueller Programme ...
als „jüngste Bühne“ der Stadt!

Der Betrag von 70 000 Euro wurde mir über die kulturpolitischen
Sprechern nicht nur mitgeteilt, sondern in der Weise Rücksprache
gehalten, wie weit und inwiefern uns der Betrag auch wirklich hilft,
das Programm der Rosenau aufrechtzuerhalten.

Auf dieser Grundlage von 70 000 Euro habe ich für den Rosenau Kultur
e.V. einen Haushalt für das Jahr 2010 aufgestellt: Weiterhin positiv
entwickelnde Eintrittseinnahmen vorausgesetzt und davon ausgehend,
dass wir für den Verein noch weitere Fördermitglieder und Sponsoren
gewinnen können, sowie eine leichte Reduzierung bei der Anzahl der
Veranstaltungen in Kauf nehmend, hätten wir mit diesem Zuschussvolumen
den Spielbetrieb ganzjährig aufrecht erhalten können.

Von den Fraktionen der Die GRÜNE, SPD und CDU wurden demnach in der 1.
und 2. Lesung des Haushalts ein Antrag über 70 000 Euro gestellt,
womit wir dankbar und hoffnungsfroh in die Zukunft blicken konnten.

Das war der Stand nach der 2. Lesung bis zwei Tage vor dem 18.
Dezember, dem „Tag der Entscheidung“: dem Tag der 3. Lesung und
Verabschiedung des Doppelhaushalt 2010/2011 der Stadt Stuttgart. Nach
der 2. Lesung wurde jedoch deutlich, daß der bis dahin von den
Fraktionen aufgestellte Doppelhaushalt 2010/2011 wegen einer zu hohen
Neuverschuldung der Stadt so vom Regierungspräsidium nicht genehmigt
werden würde. Um in der 3. Lesung am 18. Dezember einen
genehmigungsfähigen Doppelhausverhalt verabschieden zu können, haben
DIE GRÜNE und die SPD im Alleingang zusätzliche Kürzungsanträge
eingebracht, von denen auch der Rosenau Kultur e.V. betroffen ist.

Laut Gemeinderatsbeschluss vom 18. Dezember 2009 soll der Rosenau
Kultur e.V. ab dem 01.01.2010 p.a. nun 35 000 Euro bekommen, was nicht
einmal einem Viertel der ursprünglich beantragten und für einen
Vollbetrieb benötigten Summe entspricht. Das ist zum Sterben (ein
bisschen) zu viel, zum Leben (viel) zu wenig!

Wie der Betrag von 35 000 Euro, also die Hälfte der in Aussicht
gestellten Mittel, zustande kam, ist für mich nicht nachvollziehbar,
zumal im Vorfeld die Fraktionen der SPD und DIE GRÜNEN über die
finanzielle Situation und Finanzierungsmöglichkeiten der Rosenau
hinlänglich informiert waren.

Natürlich bin ich froh und erleichtert, und weiß es sehr wohl zu
schätzen, dass der Rosenau Kultur e.V. überhaupt in die Förderung
durch die Stadt aufgenommen wurde. Dennoch hätte ich mir eine
Vorgehensweise gewünscht, die sich „auch auf den letzten Metern“
stärker an Kommunikation, Information, finanzieller Realität und
Planbarkeit orientiert.

Unterm Strich und als Ergebnis bleibt festzustellen, dass die
„Mehrheit für die Sache“ – der Erhalt einer funktionierenden,
erfolgreichen und im Stuttgarter Kulturleben etablierten Bühne - quasi
„über Nacht“ verloren ging. Die Chance, für die Rosenau als
Kulturbühne endlich eine vernünftige und nachhaltige Lösung zu finden,
wurde vergeben. Also gerettet? Nicht wirklich.

Was bleibt? Wie geht es weiter? Die bereits geplanten
Kulturveranstaltungen werden wir wie angekündigt bis (mindestens) März
2010 durchführen – mit einem Viertel des Betrags können wir ein
Viertel der Spielzeit finanzieren. Und wie geplant, werden wir um
Fördermitglieder für den Kulturverein werben und versuchen Sponsoren
und Spenden für den Rosenau Kultur e.V. zu gewinnen. Jeder Euro, der
in die Vereinskasse fließt, ermöglicht es uns weitere Kulturprogramme
zu veranstalten. Aber irgendwann, spätestens im späten Frühjahr, wird
die Vereinskasse leer sein und wir werden mit dem Kulturprogramm – bis
auf wenige Ausnahmen - für den Rest des Jahres aussetzen müssen. Dann
ist erst mal „Schluß mit lustig!“

Dennoch und nicht zuletzt ist es mir ein Anliegen die Gelegenheit zu
nutzen, um mich bei all denjenigen zu bedanken, die in den letzten
eineinhalb Jahren unseren „Rettungsversuch“, eine kommunale Förderung
durch die Stadt Stuttgart zu erhalten, befürwortet und unterstützt
haben! Unzählige Mails und Briefe, Solidaritätsbekundungen und
Unterstützungsangebote haben uns erreicht ... dafür meinen herzlichen
Dank!

Wer sich alles in den letzten Monaten „öffentlich“ für den Erhalt der
Rosenau als Kulturbühne engagiert hat, ist im einzelnen auf unserer
Homepage http://www.rosenau-stuttgart.de/“Rettet- <http://www.rosenau-stuttgart.de/
>die-Rosenau“ dokumentiert und nachzulesen. Dennoch möchte ich – so
viel Zeit muss sein – einige Menschen besonders und namentlich erwähnen.

Zunächst geht mein Dank an die KünstlerInnen und Künstler (und deren
Agenturen), die in ihren Beiträgen beschreiben, wie wichtig die
Rosenau als Bühne für ihren beruflichen und künstlerischen Werdegang
war bzw. aktuell immer noch ist. Die Verbundenheit und Treue dieser
Künstler wiederum hat maßgeblich dazu beigetragen, daß die Rosenau
inzwischen bundesweit einen beachtlichen Bekanntheitsgrad und einen
„guten Ruf“ in der Kabarettszene genießt. Dafür für vielen Dank!

Gleichermaßen gilt mein Dank den über 30 Kultureinrichtungen und
–institutionen, die eine „Gemeinsame Erklärung“ zum Erhalt der Rosenau
als Kulturbühne unterzeichnet haben. Besonders seien erwähnt die
KollegInnen der Stuttgarter Bühnen, Wolfgang Marmulla (Theaterhaus),
Holger Eichhorn (Merlin Kultur), Anette Battenberg (Laboratorium),
Sebastian Weingarten und Roland Mahr (Renitenztheater), die von
Anbeginn an die Rosenau als programmatisch gleichwertige Bühne
anerkannt und – trotz „kulturpolitischem Gegenwind“ – sich für eine
Unterstützung der Bühne eingesetzt haben.

Ein ganz „handfester“ Dank geht an die BW Bank, IMAK
Vertriebsgesellschaft, Eric Gauthier und Konrad Zepter, ohne deren
Spenden wir das Jahr 2009 finanziell gar nicht „überlebt“ hätten.

Dankend erwähnen möchte ich an dieser Stelle auch die Damen und Herren
der schreibenden Zunft der Stuttgarter Zeitung, Stuttgarter
Nachrichten, dem Stuttgarter Wochenblatt, von City Extra, dem
Stadtmagazin LIFT und dem SWR 4 für die differenzierte, sachliche und
engagierte Berichterstattung in den letzten Monaten.

Und nicht zuletzt bedanke ich mich bei den Personen, die sich für das
Anliegen und die „Rettung“ der Rosenau auf der kulturpolitischen Ebene
eingesetzt haben, ihre Zeit dafür investiert haben, mir Hilfestellung
bei der Antragstellung und manch guten Rat mit auf den Weg gegeben
haben. Mein Dank geht ganz besonders an Petra von Olschowski
(Sprecherin der sachkundigen Bürger im Kulturausschuss der LHS
Stuttgart) und den kulturpolitischen SprecherInnen der Fraktionen
Monika Wüst (SPD), Rose von Stein (FDP), Jürgen Sauer (CDU), Michael
Kienzle (DIE GRÜNEN) und Hannes Rockenbauch (SÖS/DIE LINKE).

Für das Jahr 2011 stehen uns dann wieder 35 000 Euro zur Verfügung, so
daß das Kulturprogramm – wenn wir bis dahin nicht deutlich höhere
Einnahmen und Zuwendungen realisieren können - ähnlich reduziert
stattfinden muss. Aber bis dahin ist es ja noch eine ganze Weile hin
und ... die Hoffnung stirbt zuletzt!

Daher mein vordringlichster Wunsch für die Rosenau und für das neue
Jahr: Bleiben Sie uns gut! Und Ihnen wünsche ich einen „guten
Rutsch“ ... mögen Sie im neuen Jahr 2010 besser ankommen als die
Rosenau!

Mit freundlichen Grüßen aus dem Stuttgarter Westen
Ihr Michael Drauz

Rosenau - Lokalität & Bühne
Rotebühlstraße 109 b
70178 Stuttgart

Telefon: 0711 661 90 40
Telefax: 0711 661 90 30

mailto:
Homepage: http://www.rosenau-stuttgart.de








LF.net Netzwerksysteme GmbH :: Internet Service Provider in Stuttgart

Mailingliste/Blog / Archiv