Von Till Nikolaus von Heiseler am 10. August 2008 um 10:24

Diesen Montag den 11.08.2008 findet bei uns im Blauen Apfel
kurzfristig ein zweiter Spezial-Abend der bengalischen Film- und
Kochkunst statt. Zu Gast sein wird die Regisseurin Shabnam Ferdousi
mit zwei Kurzfilm-Dokumentationen und traditioneller bengalischer
Küche. Essen gibt es ab 20:00 Uhr, der erste Film beginnt gegen 21:00
Uhr.



Über die Regisseurin:



Shabnam Ferdousi, die 34jährige Regisseurin wuchs in der Kleinstadt
Tangail in Bangladesh auf. Gegen den Widerstand ihrer Familie wagte
sie den Weg in die Hauptstadt Dhaka im Alter von 17 Jahren. Dort ging
sie weiter zur Schule und absolvierte an der Universität ein
Soziologiestudium. Zunächst war Theater ihre Leidenschaft. Parallel
zum Studium arbeitete sie aber auch als freie Journalistin und bekam
später Kontakt zu den jungen Filmemachern der Hauptstadt. Nach dem
Abschluß der Uni besuchte sie einen Kurs für Dokumentarfilm und
debütierte bereits 2001 mit "Spring of Desire" (Frühling der Begierde)
über die Eunuchen in der Hauptstadt Dhaka. Mit extrem kleinen Budgets,
fünf Tage Dreh, drei Tage Schnitt und ein Tag für Online-Schnitt und
Mischung war alles was man sich zur Dok-Film-Produktion leisten
konnte, wurden dieser und vier weitere kurze Dokumentarfilme
realisiert, welche uns einen intimen Einbllick in die Gesellschaft
dieses weit entfernten Lands verschaffen.



Ihr letzter Film "... and we cross the same road" wurde aktuell vom
Globians Film Festival 2008 in Potsdam eingeladen und über den
perönlichen Kontakt mit dem ebenfalls bengalischen Regisseur Shaheen
Dill-Riaz haben wir die einmalige Chance sie hier in Berlin im Blauen
Apfel persönlich kennenzulernen.



Sie zeigt uns zwei von ihren Filmen die bei dem Festival nicht zu
sehen sind, und ihre Kochkunst wird uns mit bengalischen
Spezialitäten bekannt machen.



Was wir zu sehen bekommen werden:



Spring of Desire

20 minutes / Bangla with English subtitles / 2003 / Bangladesh



"Spring of Desire" ist ein Film über die Hijras in der Hauptstadt von
Bangladesh. Hijra werden in Kulturen des indischen Subkontinents
üblicherweise als Mitglieder "des dritten Geschlechts" erachtet, und
nicht als Mann oder Frau mit eindeutiger Geschlechtsidentität. Hijra
sind genetisch meistens männlich, dann eventuell kastriert, seltener
intersexuell oder weiblich. Sprachlich bezeichnen sich Hijra selbst
meist als weiblich (oder auch als transgender) und kleiden sich
dementsprechend, werden dennoch häufig auch als Eunuchen bezeichnet
bzw. wahrgenommen.

Die "Eunuchen" in Dhaka sind fast unsichtbar. Nicht etwa weil sie zu
wenige sind, sondern weil die meisten ihrer Mitburger sie nicht gerne
sehen wollen. Die Regisseurin nähert sich diesen Menschen an, die in
ihrer Gesellschaft dämonisiert und isoliert werden. Die kurzen
Begegnungen mit den Protagonisten zeigen uns ihre innere seelische
Zerrissenheit aber auch ihre menschliche Stärken. Wir erfahren etwas
über die Menschlichkeit ihrer Sehensüchte und Träume, von denen wir
wissen dass sie wahrscheinlich nie eine Erfüllung finden. Es ist ein
intimer Film über "eine Frau sein" und "keine Frau sein" in
Bangladesh.



In Quest of Life

34 minutes / Bangla with English subtitles / 2005 / Bangladesh



Masuma Pia, 32, ist Fotografin. Sie fühlt sich allein, zu Hause und in
der Gesellschaft. Fotografie ist ihre Leidenschaft. Die Natur ist ihr
Schutz- und Fluchtraum.

Das Leben als Künstlerin in einem Land wie Bangladesh ist hart, noch
härter allerdings ist es als Frau alleine zu leben. Masuma Pia ist ein
außergewöhnlicher Fall. Seit ihrer Pubertät kämpft sie für ein
selbständiges Leben. Es ist ein Kampf mit der Familie, der von Männern
dominierten Berufswelt, der Gesselschaft und nicht zu letzt mit sich
selbst. Sie hat nicht geheiratet, nicht weil sie nicht wollte sondern
weil es einfach noch nicht geschehen ist. Aber das ist eine Belastung
für eine Frau in so einem Land. Sie versucht ihrem Dasein eine
Bedeutung zu verleihen welches mit der üblichen Frauenrolle in dieser
Gesellschaft nichts zu tun hat. All ihre Hingabe widmet sie einzig und
allein der Natur, sowohl beruflich als auch privat. Dieser Film
versucht einem Menschen zu begegnen, der seine Kraft aus der der Natur
bezieht um seine Seele zu schützen.


Essen (auch vegetarisch) und Getränke gibt es wie immer zum
Selbstkostenpreis, der Filmabend-Beitrag beträgt 1,- Euro!

Anmeldung wäre nett.


E-Mail an:

Kontakt:


http://www.blauerapfel.de

Chodowieckistr. 5 II

10405 Berlin / Prenzlauer Berg

Tram M4/M10 Haltestelle Greifswalder Str./Danziger Str.

S-Bahn S8/S85/Ring S-Bahnhof Greifswalder Str.



Glück zu allen !

Kisch & Co.






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