Von Karin Hinterleitner am 12. Juli 2001 um 00:00

GPL-Gesellschaft im Fokus der Aufmerksamkeitsökonmie

Stefan Merten hielt beim LinuxTag 2001 in Stuttgart den Vortrag: "Freie Software für eine Freie Gesellschaft -- Bringen GNU/Linux und Co uns einer neuen Gesellschaft näher?" Viele Ideen dazu entstanden auf der Mailingliste http://www.oekonux.de" target="_blank">Oekonux (ökonomie und Linux), die er im Sommer 1999 eröffnete und seither betreut. Dieses im Open Source (OS) Umfeld neuartige Diskussionsforum, konnte sich als Schnittstelle zwischen Open Theory, Open Source Bewegung und Kapitalismuskritik im deutschsprachigen Raum etablieren - spätestens seit der Oekonux-Konferenz im April 2001.

In der Oekonux-Mailingliste werden ausgehend von der GPL (General Public Licence) neue Gesellschaftsmodelle und Projekterfahrungen im Umfeld der OS-Kultur diskutiert. Es geht um nichts weniger als die utopisch scheinende überwindung des kapitalistischen Verwertungssystems: durch das Prinzip der Selbstentfaltung. Dort, wo bisher Selbstentfaltung mit Selbstausbeutung gleichzusetzen ist, wird die "frohe Botschaft" von glücklicheren ökonomien hellhörig aufgenommen: im Kulturbetrieb. Reality Check, Utopie und Theorie - Stefan Merten kennt als Informatiker und Mann mit politischer Vergangenheit das polymorphe Umfeld rund um freie Software. Das Gespräch führte Karin Hinterleitner .



Stefan Merten, LinuxTag Stuttgart 7.07.2001


?Seit wann beschäftigst du dich mit Freier Software? Hast du selbst an Projekten mitprogrammiert?

Klar, als Informatiker beschäftige ich mich seit meinem Studium mit Freier Software. Ich hatte zum Beispiel den BiSon, einen http://www.gnu.org/software/bison/bison.html" target="_blank">Parser Generator, an den Atari ST angepasst. Schlicht und ergreifend aus der Notwendigkeit heraus, dass ich diese Software brauchte. Leider bin ich noch nicht dazu gekommen, anderen Software frei zur Verfügung zu stellen - Tutorials schreiben, Websites einrichten, Anfragen bearbeiten - der Aufwand ist nicht zu unterschätzen. Inzwischen gibt es öffentliche Repositories wie sourceforge.net, die einem das Veröffentlichen erleichtern.

Später im Beruf sollte ich mit bestimmten Programmen arbeiten. Irgendwann wollte ich nicht mehr, weil ich freie Alternativen getestet hatte. Der freie GNU-Compiler z.B. hat einfach einen zuverlässigeren Code produziert als der Compiler von SCO. Für mich war klar, ich will mit der besseren Software arbeiten und überzeugte davon auch andere in der Firma.

Das derzeitige Projekt, mit dem ich beruflich beschäftigt bin, setzt größtenteils auf Linux auf, neben Windows NT. Das mussten wir so machen, da die Industrie es so wollte. Da ich immer auch beruflich massiv mit freier Software konfrontiert bin, kann ich auf dem harten technischen Niveau argumentieren und sagen: Freie Software ist einfach besser, macht weniger ärger und bietet mehr Möglichkeiten.

Wie sieht deine Freizeit aus, seit du dein privates Projekt Oekonux gestartet hast? Weg vom Firmenrechner und zuhause gleich wieder an den PC?

Naja, momentan läuft es tatsächlich darauf hinaus. Wenn ich mich jedoch mit Oekonux befasse, ist der Rechner nur noch ein Medium. Die Kommunikation über die Mailingliste ist das Entscheidende.



?Was bewegte dich dazu, die Oekonux-Mailingliste zu eröffnen?

Es ergab sich am Rande der ersten http://www.mikro.org/Events/OS" target="_blank">Wizard-of-OS-Konferenz (W-OS). Ein Track zum Thema "Neue ökonomie?" hat mich besonders interessiert, da ich bereits im Hinterkopf das Thema "Freie Software und ökonomie" hatte. Die Vorträge waren für mich unbefriedigend. In den Diskussionen zeigte sich allerdings, dass Leute dabei waren, die sich für meinen Themenkomplex interessierten. Ich regte eine BoF-Session an, sammelte anschließend die Mailadressen und die WOS-Veranstalter (mikro.org) richtete uns eine Mailingliste ein.

Inzwischen hat die Liste 180 Mitglieder und hat sich wunderbar entwickelt - eine Mailingliste "allererster Sahne". Es wird wirklich diskutiert und keine "Flame Wars" finden statt. Ich kenn das gut, da ich auf einigen Listen war. Bei uns ist wirklich ein offenes erkenntnisorientiertes Klima. Ein wichtiges Signal finde ich, dass die Mitglieder mit ihren richtigen Namen subskribieren und keine Pseudonyme verwenden.

Mittlerweile beteiligen sich einige Listenmitglieder an der Organisation. Alle bringen spezifische Fähigkeiten ein, von der Pressearbeit bis zur Website-Erstellung. Das war wichtig, als wir unseren erste Oekonux-Konferenz veranstaltet haben. So ist das auch bei der Entwicklung von Freier Software - nicht alle programmieren. Das "maintainen" hat primär auch nichts mit programmieren zu tun, sondern ist die Fähigkeit einen sozialen Zusammenhang zu gestalten. So gesehen ist die Entwicklung von Freier Software vor allem ein soziales Projekt und die Oekonux-Mailingliste ein sozialer Raum.


?Seit wann interessierst du dich für theoretische und politische Aspekte Freier Software? Gab es da Alltagserfahrungen mit Haftungs- und Lizenzfragen, oder bist du schön länger politisiert?

Ja ich bin schon in verschiedenen Zusammenhängen aktiv gewesen. Mailinglisten wie die http://www.krisis.org" target="_blank">Krisis haben mein Denken beeinflusst. Im anarchistischen Newsprojekt http://www.ainfos.ca" target="_blank">a-infos war ich länger aktiv habe aber damit seit einiger Zeit nichts mehr zu tun. Bei diesen Projekten flossen schon meine Computer- und Politik-Interessen zusammen. Bei Oekonux ist das selbstverständlich viel stärker, das ist für mich persönlich das schöne daran - auch wenn es mich, wie gesagt, ziemlich auslastet.



?Es gibt auch innerhalb der profit-orientierten Wirtschaft ethisch argumentierende Reformbewegungen, wie die Gruppe um das Cluetrain-Mainfest. Siehst du da Berührungspunkte und Möglichkeiten der Kooperation?

Nein, ich habe da so meine Bedenken, dass man den Kapitalismus reformieren kann, weil das Profitinteresse dominiert. Ich will das jetzt nicht ausbreiten - nur ein Beispiel: Wenn man überlegt wie die ökologische Frage Mitte der Achtzigerjahre in Deutschland diskutiert wurde, und heute feststellen muss, dass andere Themen wie Arbeitslosigkeit diese Thema verdrängt haben, wird vielleicht nachvollziehbar, warum ich die Reformmöglichkeiten des Kapitalismus für erschöpft halte.

Auch Manager sehen heute, dass neuen Arbeitsformen, die die Produktivität vorgibt, neue Modelle erfordern. Sie können zwar niemand befehlen kreativ zu sein - das funktioniert einfach nicht und so langsam verstehen sie das auch - das Problem ist, sie müssen es letztlich, da sie in einem Zwangszusammenhang eingebunden sind und verwerten müssen. Auch als Unternehmer lässt sich dieser Widerspruch nicht überwinden. Der Illusion darf man sich nicht hingeben. Zwar fallen für Selbstständige die Zwänge weg, die einem ein Chef vorgibt, aber der Markt diktiert mindestens so hart. Das bekommen inzwischen auch die Firmen in der New Economy zu spüren.

Im Software-Bereich wird mit neuen Managementmethoden versucht, das Selbstentfaltungs-Potential, das sich im Bereich der Freien Software gebildet hat - irgendwie in die Firmen reinzubringen. Das kann nur begrenzt funktionieren, da der äußere Zweck siegt: Am Ende geht es immer darum, Geld zu verdienen. Bedenken und Kritik sind dabei weniger gefragt. Auch die Gruppenarbeitsmodelle, die inzwischen bereits wieder rückläufig sind, waren schon Versuche in diese Richtung: Beschäftigte sollten nicht mehr wie in der fordistischen Epoche als verlängerter Teil der Maschine gesehen werden, sondern es wurde versucht, den Mensch als Ganzes zu sehen. Es ging darum relevanten Ressourcen in den MitarbeiterInnen neu zu entdecken und in die Verwertung wieder mit einzubeziehen. In der Praxis schlagen aber die Konkurrenzbeziehungen zwischen den Gruppen voll zu und schon auf dieser Ebene ist es Essig mit der Selbstentfaltung. Deshalb gebe ich nicht viel auf Reformversuche. Der Kapitalismus stößt an seine Grenzen: Die Spirale zeigt heute nicht mehr nach oben sondern nach unten.



?In deinem http://www.oekonux.de/texte/neuegesellschaft/index.html" target="_blank">Vortrag hast du ein neues ökonomiemodell, die GPL-Gesellschaft vorgestellt. In der anschließenden Diskussion, wurde an der Machbarkeit deiner Utopie gezweifelt. Besonders der übergang von der kapitalistischen in die GPL-Gesellschaft, erschien als unüberwindbare Hürde. Dabei wurde im Sinne der Marktlogik argumentiert. Wie überwindest du diese immanente Argumentation? Wie soll mit den sogenannten Sachzwängen umgegangen werden? Werden auf der Oekonux-Mailingliste auch Umsetzungsfragen diskutiert?

Ja. Wir schauen genau hin und reflektieren die aktuellen Entwicklungen in den Sektoren, die uns interessieren. Wir beobachten die Freien Soft- und Hardware-Bewegung und überlegen, welches Potential in den einzelnen Projekten liegt. Das Spannende ist, dass unsere Prognosen eintreffen. So geschah das auch beim http://www.theoscarproject.org" target="_blank">OSCar-Projekt, das zum Ziel hat, ein neues nutzerfreundliches Auto zu entwickeln. In der Oekonux-Konferenz stellte der OSCar-Initiator Markus Merz das Projekt vor und erzählte, wie beispielsweise ökologische Fragen bei der Materialauswahl eine unerwartet große Rolle spielten. Zentralen Sach- aber auch Menschheitsfragen werden in der profit-orientierten Entwicklung gerne einfach weggedrückt.



?Freie Software hat sich etabliert - nicht zuletzt wegen der GPL von Richard M. Stallman. Damit gelang ihm eine mindestens so virulente Erfindung, wie mit seiner Software. Die Klausel: Jede neue Software, die einen Passus aus einer GPL-lizenzierten freien Software verwendet, unterliegt zwinglich wiederum der GPL. Diese Klausel verhindert, dass Freie Software patentrechtlich geschützt oder in proprietäre Software umgewandelt werden kann. Welche Instanz kontrolliert die Privatwirtschaft und fordert die Interessen der Freie-Software-Bewegung ein? Wie konnte die FS-Bewegung ihre Interessen inmitten des aggressiven Softwaremarkts durchsetzten?

Nach einigen ausgetragenen Konflikten scheint die FS eine gewisse Machtbasis zu haben. Sie stellt inzwischen eine gesellschaftliche Gruppe dar, gegen deren Interessen, man nicht mehr gerne verstößt, weil sie Rückhalt hat: Einige der besten und engagiertesten JuristInnen in den USA unterstützen die FS-Bewegung. Es gab in Berkley, Kalifornien, nicht nur brillante Programmierer, sondern eben auch Juristen. Zudem organisierte sich die FS-Bewegung in Organisationen wie der http://www.fsf.org" target="_blank">Free Software Foundation.

Nun war die GPL die eine geniale Sache in der FS-Bewegung. Die andere wichtige Innovation, war das Entwicklungsmodell, mit dem Linus Torwalds Linux in die Welt gesetzt hat: "release often, release early". Das heisst, ständig verbesserte Versionen übers Internet zur Verfügung zu stellen. Damit verkürzten sich die Entwicklungsphasen auf bis dahin nie für möglich gehaltene Zeitspannen. Zuvor gab es relativ abgeschlossene Entwicklergruppen, die ab und zu etwas neues veröffentlicht haben. Die Arbeitsorganisation bei FS-Software-Projekten wurde durch die Linux-Entwicklung praktisch revolutioniert. Es gab in der Umbruchszeit auch Konflikte zwischen der alten und der neuen Herangehensweise. Der manifestierte sich während der C-Compiler Entwicklung: Den Linux-Leuten ging die Entwicklung zu langsam. Sie forderten z.B. eine schnellere Unterstützung neuer Prozessoren. Sie haben sich sogar abgespalten und etwas neues gemacht - vorbei an den Projekt-Maintainern. Inzwischen haben sich diese Gruppen wieder zusammengefunden, aber dieser Konflikt zeigt auf, wie der alte Entwicklungsweg sich von dem neuen unterscheidet.

Zu den FS-Lizenzen gehört auch die BSD-Lizenz. Sie ist kostenfrei, jedoch müssen die neuen Erweiterungen im Quelltext nicht veröffentlicht werden und werden zu proprietärer Software. Prominentes Beispiel ist momentan das neue Betriebssystem von Apple: auf der Basis von BSD-Unix wurde eine eigene nicht veröffentlichte Software aufgesetzt. Diese Reprivatisierung wäre mit GPL-Software nicht möglich gewesen.



?Welche Rolle spielt freie Software jenseits von Betriebssystemen und Anwendungen bei der Kompatibilität zwischen Hardwarekomponenten und der Steuerung elektronischer Geräte?

Durch die starke Vernetzung und den Wunsch nach Interoperabilität zwischen verschiedenen Geräten werden Standards außerordentlich wichtig. Das ist ein Bereich, wo heute freie Entwicklungen bereits eine große Rolle spielen und auch in Zukunft bedeutsam sein werden. Das ganze Internet beruht praktisch auf freien Standards, die http://www.rfc-editor.org/" target="_blank">RFCs, request for comments. Die wurden damals nicht von Firmen entwickelt, sondern beruhen auf Vorschlägen aus der Forschung, also von Leuten, die an technisch guten Lösungen interessiert waren.

Die ganze Infrastruktur des Internets ist heute durch diese Standards abgesichert. Auch für den Bereich Web, HTML, existiert ein Standardisierungs-Gremium: das W3C. Dieses Komitee organisiert sich im übrigen ähnlich, wie das innerhalb der freien Software üblich ist. Unter http://www.w3.org" target="_blank">http://www.w3.org kann man die Grundlagen der Organisationsstruktur nachlesen - das ist wirklich spannend. Das W3 ist für Firmen wichtig, da es als neutrales Gremium die Standards festlegt, die für die firmeninternen Entwicklungen richtungsweisend sind. Konkurrierende Standards werden oft parallel entwickelt. Daraus ergeben sich handfeste Interessenkonflikte, die vom W3 als übergeordnete Autorität entschieden werden. Zum Beispiel werden längst nicht alle Vorschläge von Microsoft angenommen.

Im Multimediabereich versucht das Projekt http://www.vorbis.com" target="_blank">oggVorbis neue Standarts zu kreieren, da es mit der Fraunhofer Gesellschaft einige lizenzrechtliche Probleme gibt wegen mp3. Sobald das oggVorbis Formate richtig funktioniert, kann ich mir vorstellen, dass es eine wichtige Rolle spielen wird.




?Die FS-Bewegung und die damit verbundenen neuen Arbeitsformen werden im künstlerischen Bereich diskutiert. Häufig wird darin ein adaptierbares Modell gesehen, von dem ein neuer Werkbegriff und ein überindividuelles Autorenverständnis abgeleitet wird. Auch in der Diskussion um Urheber- und Patentrecht gibt es einige überschneidungen. Was unterscheidet deiner Meinung nach die Arbeitsformen von SoftwareentwicklerInnen und KünstlerInnen?

Ich muss vorausschicken, dass ich auf dem Gebiet der Kunst ein Laie bin. Ich habe in verschiedenen Diskussionen das rege Interesse aus dieser Richtung festgestellt. Zunächst fällt mir auf, dass dort viele Begriffe schwammig verwendet werden. Das ist bei solchen Fragen häufig so; deshalb pflegen wir zum Beispiel auf der Oekonux-Mailingliste ausführlich Begriffe vorab zu klären, bevor wir in der Sache weiterdiskutieren.

Software entsteht in der Praxis evolutionär. Ein fertiges Produkt als solches gibt es gar nicht. In der freien Software wird das sehr deutlich sichtbar: Ständig gibt es neue Versionen und permanent wird daran weiterentwickelt. In der Kunst stellt sich mir das so dar: es gibt ein Werk, das fertig dasteht und an dem auch nichts mehr weiterentwickelt werden kann. So etwas, wie eine kollektive Weiterentwicklung von Projekten ist mir in der Kunst nicht bekannt. Mir kam der Gedanke, dass Kunst eben in einem übergeordneten Sinne evolutionär ist. Auch in der Kunst beziehen sich die Leute ja auf bereits vorhandenes. Ausgehend von dieser überlegung, macht es sicher Sinn, Prinzipien, die in der freien Software entstanden sind, auf die Kunst zu übertragen.

Die Anerkennungsökonomie wurde ebenso heiss als Alternative zur Geldwirtschaft diskutiert, funktioniert jedoch allein aus folgendem Grund nicht: Anerkennung ist nicht transitiv: Zehn Mark kannst du zum Beispiel jederzeit als neutralen Tauschwert weitergeben, hingegen nützt dein Bekanntheitsgrad einem dritten nur in bestimmten Zusammenhängen als Referenz. Aufmerksamkeit bzw. Anerkennung kann nicht der Antrieb für freie Software sein, weil es insbesondere in der Anfangszeit diesen Effekt nicht gab. Als Linus Torwalds mit Linux anfing, hat ihn niemand gekannt und es war überhaupt nicht vorhersehbar, dass er zehn Jahren später einer, der gefragtesten Personen in der Szene sein würde. Und das gilt heute immer noch. Ich meine, wie viele FS-Entwickler werden denn wirklich bekannt - höchstens mal zehn Leute. Irgendjemand, der irgendwo auf unserem Planeten freie Software schreibt, der kann sich, wenn er nur minimal realistisch ist, ausrechnen, dass es mit der großen Anerkennung nicht weit her sein wird. Gut, er kann vielleicht seinen Marktwert damit steigern, aber er kann auch kommerzielle Projekte als Referenz nehmen. Es ist auch so, dass gar nicht immer alle Entwickler im Source Code genannt werden. Die Autorenschaft muss nicht durch Abgrenzung geklärt werden, weil es sowieso eine kollektive Leistung ist.

Ausgrenzungen gibt es aber auf der technischen Ebene. Zum Beispiel wird Perl maßgeblich von Larry Wall gemacht, der sehr klare Vorstellungen hat, wie diese Sprache weiterentwickelt werden soll. Schon mehrmals blockierte er mit einem kategorischen "No" Vorschläge. Dabei hat er sich zwar als Persönlichkeit durchgesetzt, aber nicht in dem Sinne: "Das ist mein Werk!" Zumindest kenne ich diese Haltung nicht in der FS-Bewegung.




?In der Kunst sind digitale Formate selbstverständlich geworden. Bei der Nutzung digitaler Formate wird die neue Erfahrung gemacht, dass nicht nur im übertragenen Sinn ein Werk fortgeschrieben werden kann, sondern dass, falls die kopierte "Origianal"-Arbeitsdatei verfügbar ist, direkt daran "weitergemacht" werden kann.

Ja, jedes "Werk", das in digitaler Form vorliegt, kann ganz analog zu Freier Software entwickelt werden. Die digitale Kopie ist universell - gegenüber Programmen genauso wie gegenüber Kunstwerken.



Vieles, was in der Gegenwartskunst stattfindet, hat mit dem klassischen Werkbegriff nichts mehr zu tun. Bei dem Wort "Kunst" hingegen, assoziieren die meisten immer noch ein klassisches Kunstwerk. http://www.betacity.de/interviews/manetas.htm" target="_blank">Miltos Manetas reagierte auf diesen terminologischen Notstand und hat die Konferenz name4art letztes Jahr einberufen. Ein neueshttp://www.neen.org" target="_blank"> Wort sollte aus der Zwickmühle helfen.

Neue Namen beschreiben neue Dinge und können unter Umständen sinnvoll sein. Auch ich verwende deshalb den Begriff GPL-Gesellschaft, weil er nicht an etwas altes gebunden ist. Es handelt sich dabei eben nicht um Sozialismus und nicht um Kommunismus. Mag sein, dass davon vieles wiederzufinden ist, aber das Modell der GPL-Gesellschaft ist qualitativ etwas neues, das so vorher noch nicht gedacht worden ist. Mir ist davon jedenfalls nichts bekannt. Ein neues Wort, bei dem die Leute erst mal komisch gucken, finde ich in unserem Falle sehr angebracht: "Moment, das ist etwas anderes!".


Stuttgart, 7.07.2001


Glossar:
Linux = Linus+Unix
Oekonux = ökonomie+Linux
FS = Free Software
GNU = GNU is Not Unix
GPL = General Public License
BoF = Birds of a Feather
OS = Open Source

E-Mail:

Oekonux:
http://www.oekonux.de">http://www.oekonux.de
http://www.oekonux-konferenz.org">http://www.oekonux-konferenz.org

Vortrag:
Freie Software für eine Freie Gesellschaft -- Bringen GNU/Linux und Co uns einer neuen Gesellschaft näher?
http://www.oekonux.de/texte/neuegesellschaft/index.html">http://www.oekonux.de/texte/neuegesellschaft/index.html

Stefan Mertens Linktips:
http://www.oekonux.de/projekt/links.html">http://www.oekonux.de/projekt/links.html

http://www.linuxtag.org">http://www.linuxtag.org
http://www.linux.org">http://www.linux.org
http://www.fsf.org">http://www.fsf.org


LF.net Netzwerksysteme GmbH :: Internet Service Provider in Stuttgart

Mailingliste/Blog / Archiv