Von Vanvan am 26. Juni 2008 um 14:35

Neben der Ausstellung “Tafelbild” werden Arbeiten von Hervé Humbert und
Vanessa Henn auch in den “Uferhallen” der bvg, Uferstr. 8-11 (also ganz in
der Nähe) zu sehen sein.

Wir freuen uns auf Euch,
herzlich
Vanessa Henn



Galerie Visite ma tente
Schwedenstaße 18b
13357 Berlin Wedding
http://www.visitematente.com <http://www.visitematente.com>;

0178 70 60 247


Finissage am Freitag, den 27. Juni 2008, um 18 Uhr

Tafelbild

Carlos de Abreu
Marcus Benser
Kane Do
Vanessa Henn
Jörg Hundertpfund
Hervé Humbert
Marie-josé Ourtilane
Lorenz Wiegand


Ausstellung vom 19. 06. bis 28. 06. 2008
Do, Fr, Sa 16 bis 20 Uhr


Visite ma tente zeigt "Tafelbild", eine Präsentation, die unterschiedliche
Positionen von Designer/innen und Künstler/innen als Gruppenausstellung
vereint. Die einzelnen Arbeiten, ob vorgefunden oder produziert,
artikulieren sich als komponiertes Ensemble. Der Ort dieser Komposition ist
die Galerie selbst.

Während der Ausarbeitung des Projekts, das sich in der gemeinsamen
Auseinandersetzung aller Beteiligten entwickelt hat, gab es weniger den
Wunsch nach Konfrontation als vielmehr nach einem Gegenüber, wodurch
Zusammenhänge des Gebrauchs sich in Richtung eines Symbolgehalts verschoben
haben, und die Funktion eines Objekts nurmehr ein Vorwand ist. Diese Absicht
formuliert sich als Aufweichung von Grenzen und Definitionen.

Der Vorschlag von Lorenz Wiegand, den Europameister der Blutwurstherstellung
Marcus Benser zur Vernissage einzuladen, fügt dem Dialog von Kunst und
Design ein neues Element hinzu; indem der Handwerker mit einbezogen wird,
werden die Kategorien an sich hinterfragt.

Wie auch immer die frische Blutwurst inmitten der Galerie auf die Tafel
kommt, laden wir Sie herzlich ein, vorbehaltlos dem Meister zu huldigen und
sein Werk zu genießen.
(Marie jose Ourtilane; übersetzung Barbara Wille)

Handläufe sind banale räumliche Objekte, die im Dienst von Architektur und
Körper stehen. Sie sind ein direkter Kontaktpunkt zwischen Mensch und
Architektur. Sie werden benutzt, losgelassen, sofort wieder vergessen oder
von vornherein übersehen. Vanessa Henn beraubt sie ihrer Funktionalität. Als
Skulptur eigenständig geworden, fassen und bewegen ihre Handläufe den Raum.
In ihrer Arbeit „Haltestelle“ wird das Geländer erneut umgedeutet; diesmal
mit einer neuen Funktion: der waagrecht installierte Handlauf ist nach vorn
gekippt und in verschieden farbige Abschnitte untergliedert. Jeder breit
genug einer Person Platz zu bieten, um sich anzulehnen um zu betrachten,
oder nur um zu verweilen.

Lorenz Wiegand fertigt für den "Chevalier du Goûte Boudin" eine Tafel zur
Herstellung und Verköstigung von Blutwurst vor Ort. Die einzelnen Elemente
der Tafel dienen der Blutwurstfabrikation. Form und Farbe dieses Objekts
stehen in direktem Bezug zu der Aktion und dem Raum. Die Tafel ist Teil des
Gesamtbildes und wird komplettiert durch gestapelte Stühle, die von
den Gästen und Besuchern beliebig genutzt werden können. Ein Stuhl hebt sich
von den anderen ab und sticht hervor.

Den dekorativen, funktionellen Bedürfnissen von Gegenständen begegnet
Carlos de Abreu mit einem Gasbehälter, der nicht mehr brennt und einem
Wasserbehälter, der nicht mehr hält.

Das Objekt „Madame” von Hervé Humbert funktioniert als zweites Tafelbild,
das den ganzen Raum und die gesamte Ausstellung reflektiert und verdoppelt.
Es handelt sich jedoch um keine „neutralen“ Spiegel; vielmehr waren sie Teil
der Einrichtung des mittlerweile geschlossenen Bordells „Madame“ in der
Metzer Straße - Projektionen von Objekt und Betrachter kreuzen sich.

Der Gestaltungsansatz von Jörg Hundertpfund liegt in der Auseinandersetzung
mit der Frage des Verhältnisses von Gebrauch, Form und Aussage. Es geht ihm
u. a. darum, das Verhältnis von Gebrauchswert und formaler Entsprechung, der
Konventionen der Form, auf die Probe zu stellen. Durch das Festalten an
einer banalen Funktion, an der Alltagstauglichkeit und dem zum Teil
radikalen Bruch mit der »Verbindlichkeit« formaler Konventionen, die in der
Regel den Bezug in Form der ähnlichkeit mit einem Vor-Bild (Archetyp)
suchen, entsteht eine besondere Art der Verunsicherung, Irritation die eine
andere, neue Sicht der Dinge ermöglicht.
Die im Rahmen der Ausstellung gezeigte „Chaiselounge“ ist als Ruhe- und
Liegemöbel nicht erkennbar, es gibt in semantischer Hinsicht keinen Verweis
auf eine Grundfigur, die die nötige Verbindlichkeit herstellt. Auch wenn ein
völlig anderes assoziatives Feld beschrieben wird, das keinen Rückschluss
auf ein Möbel zulässt, sind in das Objekt die klassischen Parameter einer
Liegenabwicklung dabei ganz offensichtlich eingeschrieben und in diesem
Sinne auch zu gebrauchen.

Die „Antenne“ von Kane Do simuliert einen alltäglichen Gegenstand und stellt
ihn auf den Kopf. Ein Objekt, das entwickelt wurde, Strahlung zu empfangen,
wird hier zu einer Quelle von Strahlung. Im Kontext der Ausstellung jedoch,
zieht sie die Blicke auf sich und erhält dadurch paradoxerweise ihre
ursprüngliche Funktion als Empfänger.

Marie jose Ourtilane zeigt einen Film, der ohne ein Dokumentarfilm zu sein,
einer sein könnte.


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