Von Laurenz Theinert am 24. März 2009 um 21:32

Liebe betacitizens
ganz herzlich möchten wir alle zur Eröffnung der nächsten Ausstellung
in den "TRESOR - Raum für flüchtige Kunst" einladen:

Barbara Karsch-Chaïeb: "geb. am"
Michael Gompf: "Bahnprojekt gesichert"
Raum- und Videoinstallationen

Vernissage:
Donnerstag, 26. März 2009, 20 Uhr

Öffnungszeiten:
Samstag, 28. März 2009, 14-18 Uhr
Sonntag, 29. März 2009, 12-16 Uhr
und bis 12. April 2009 nach Vereinbarung (unter Tel. 0711-8922806)



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Gibt es etwas Flüchtigeres als Erinnerungen? Nachdem im "Tresor - Raum für flüchtige Kunst" mit raumbezogenen Licht-, Video-, Audio- und Wind-Installationen und interaktiven Theater-, Poesie-, Musik- und Geschmacks-Performances die Grenzen der ephemeren, zeitbasierten, nicht konkret fassbaren Künste ausgiebig erforscht wurden, dehnen nun die beiden Künstler Barbara Karsch-Chaïeb und Michael Gompf den Aktionsradius auf das gesamte Gebäude der ehemaligen Bahndirektion in der Heilbronner Straße 7 aus. Beide Künstler arbeiten mit Aspekten der Zeit, der Erinnerung und deren visuellen Aufbereitung, Dokumentation und Präsentation.

Auf der Spur der Menschen, die jahrelang im Tresor- und Kassenraum aus und ein gingen, um ihre Lohntüte abzuholen, hat Barbara Karsch-Chaïeb Tausende von Personalakten der Stuttgarter Generaldirektion der Staatseisenbahnen, Reichsbahn-, Eisenbahn- und Bundesbahndirektion im Staatsarchiv in Ludwigsburg durchgesehen. Genau genommen waren es 33.387 Personalakten des Bestands "K 410 I". Aus jedem Buchstabenverzeichnis der 25 Karteikästen hat Karsch-Chaïeb zwei bis vier Karten ausgewählt, so dass sie am Ende 75 Karten in den Händen hielt. Ausgesucht wurden Namen und Daten von Personen, die vor 1898 geboren sind, da die danach Geborenen dem Datenschutz unterliegen. Gleichermaßen im Blick hatte die Künstlerin die Vielfalt der ausgeübten Berufe. Doch nicht nur diese Fakten waren von Bedeutung, sondern auch die unterschiedlichen Kartonarten und die verwendeten Schriftstile. Teilweise erinnern diese an Zeichnungen. Die alten Schriften "Kurrent" oder "Sütterlin" sind kaum noch zu entziffern. Diese Schriftstücke werden mittels Beamer an die Wandfläche im Tresorraum projiziert und treten so in Verbindung mit den alten Mauern, die starke Gebrauchsspuren der vergangenen Zeiten aufweisen. Ergänzt wird die Installation durch einen Original-Karteikasten aus dem Archiv und die von Barbara Karsch-Chaïeb aus den Unterlagen selbst angefertigte, stahlstichgeprägte Akte "geb. am", welche die neu archivierten Daten auf CD sowie allerlei weitere Recherche-Informationen enthält - und so in das eigene Archiv der Künstlerin eingehen wird.

Am Ende der Arbeit von Michael Gompf stehen zumeist Videostills, die der Künstler dem bei seinen Kunstaktionen entstandenem Videomaterial entnimmt. Die performativen Aktionen führt er bewusst ohne Publikum durch. Seine Videos und Fotoarbeiten zeigen für gewöhnlich Menschen an einem ungewöhnlichen Ort, bei ungewöhnlichen Handlungen. Im Tresorschrank des "Tresors - Raum für flüchtige Kunst" wird Michael Gompf einen Filmausschnitt aus einer dieser Aktionen zeigen, der unterschiedliche Aspekte des Ortes unter dem Titel "Bahnprojekt gesichert" thematisiert. Ein schöner, ironisch-gewitzter Seitenhieb auf das sich im Wanken befindliche Großprojekt "Stuttgart 21" direkt vor der Tür des "Tresors".



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TRESOR – Raum für flüchtige Kunst
Kulturdirektion H7, Raum 0.22d
Heilbronner Straße 7
D–70174 Stuttgart

nach dem Eingang rechts durch die Türe
dann den ersten Gang links
ungefähr in der Mitte auf der rechten Seite

Zug, S-Bahn, U-Bahn, Bus:
Haltestelle Hauptbahnhof / Arnulf-Klett-Platz






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