Von Laurenz Theinert am 26. November 2008 um 10:35

Liebe Freundinnen und Freunde des "TRESOR",
liebe Kunstinteressierte,

ganz herzlich möchten wir Sie und Ihre Freunde zur nächsten Performance in
den "TRESOR - Raum für flüchtige Kunst" einladen:

Mario Ohno: "Auweiaculari"
(Geschmacksperformance)

Donnerstag, 27. November 2008, 19 Uhr
http://www.kunsttresor.net



Das Thema Kochen ist in aller Munde! Popstars der Szene wie Jamie Oliver
bestimmen den kulinarischen Lifestyle einer ganzen Generation, Showköche
bringen in einem bis dato ungekannten Ausmaß Mund- und Magensäfte der
abendlichen Fernsehzuschauer zum Brodeln, und auch im Kunstbetrieb ist -
spätestens seit der letzten documenta - die Kochkunst wieder Gegenstand
hitziger Diskussionen.

Mit seiner speziell für den "Tresor" konzipierten Geschmacksperformance
"Auweiaculari" knüpft der Interventionskünstler Mario Ohno an diesen Trend
an, gibt ihm aber eine ebenso überraschende wie schlüssige Wendung: Anstatt
raffiniert arrangierte Kreationen zu servieren, die auf ein möglichst
effekt- und genussvolles Sattwerden abzielen, reduziert er die
künstlerischen Mittel auf das Wesentliche und eröffnet in seiner Performance
einen "Parallelraum des guten Geschmacks": Fertigprodukte wie Gnocchi aus
der Tüte, die normalerweise dazu dienen, sich bequem und schnell - dafür
aber recht geschmacksneutral - den Bauch vollzuschlagen, werden bei Ohno zu
"Readymades", denen er mit Hilfe von zuvor zubereiteten puren Essenzen (etwa
Chili-Öl oder Petersilien-Emulsion) ein intensives Geschmackspotenzial
injiziert. Der Besucher bekommt das unbehandelte Fertigprodukt ebenso
gereicht wie das modifizierte und weiß nie, auf welche Empfindung er sich
beim jeweils nächsten Geschmacksabenteuer einlässt.

Ohnos Ansatz steht damit in geradezu diametralem Gegensatz zur momentan so
kontrovers diskutierten Molekularküche des katalanischen Starkochs Ferran
Adrià, der eine haptisch-visuelle Metamorphose seiner Lebensmittel anstrebt,
um ein noch nie Gesehenes zu produzieren. Der Stuttgarter Künstler dagegen
"stopft dem Auge das Maul" (Zitat Ohno). Denn indem er dem Besucher gerade
nicht zeigt, was er als nächstes zu schmecken bekommt, wird der Reiz an
Zunge und Gaumen gesteigert und die Unterscheidungsfähigkeit des
Geschmackssinns noch stärker herausgefordert.

Visuell wirkt in der Performance Ohnos allerdings das Ambiente des fenster-
und schmucklosen Tresorraums und die Tatsache, dass der Künstler die
Testhäppchen auf Scherben reicht, die vor Ort durch das Zerstören von
Tellern erzeugt werden. Mit einem Arbeitshandschuh nimmt sie der Besucher
entgegen und wird - wie der Künstler selbst - zum Arbeiter auf der
Geschmacksbaustelle, die hier die elitäre Welt der Sterneküche ersetzt.



Weitere Informationen zum Künstler und zum Ausstellungsraum unter:
http://www.kunsttresor.net








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