Von Laurenz Theinert am 27. Juli 2009 um 09:31

Liebe betacitizens, liebe Freundinnen und Freunde des "TRESOR"

ganz herzlich möchten wir Sie und Ihre Freunde zur nächsten Ausstellung in
den "TRESOR - Raum für flüchtige Kunst" einladen:


Steffen Osvath: "Wohnhaus grimmer Schmertzen"
Rauminstallation

Vernissage:
Donnerstag, 30. Juli 2009, 20 Uhr

Öffnungszeiten:
Samstag, 1. August; Sonntag, 2. August; Samstag, 8. August; Sonntag 9.
August; Sonntag, 16. August; jeweils von 15 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung
unter Tel. 0711-89 22 806 (Tresor) oder 0170-68 36 283 (Künstler)


"Beklemmend" ist vielleicht die adäquateste Bezeichnung für die Wirkung, die
Steffen Osvaths Fotografien und Projektionen auf Erstbetrachter haben. Statt
Familienidyllen erblickt der Betrachter auf den Schwarz-Weiß-Fotos
weggekratzte Köpfe, fratzenhaft verzerrte Mienen, mit schwarzen Balken
anonymisierte Gesichter und sich auflösende Körper. Ein Großteil der als
Ausgangspunkt dienenden Fotos hat Steffen Osvath auf dem Recyclinghof vor
dem Flammentod gerettet. Es sind anonyme Aufnahmen, inszenierte
Gruppenportraits von Unbekannten, deren Lebensgeschichte anhand der
Fotofragmente nicht mehr rekonstruiert werden kann. Durch seine analogen und
vor allem digitalen Bearbeitungen der Fotos führt Osvath die Entfremdung
zwischen Fotografiertem und Betrachter fort, sorgt andererseits aber für
eine emotionale und symbolhafte Aufladung der Motive. Osvath legt in der
Fotografie unterschwellig schlummernde Energien frei, mischt sich ein,
hinterlässt buchstäblich Spuren und konstatiert demzufolge zurecht: "Ich
sehe mich nicht als Fotograf, eher als Fotoarchäologe oder Fotogeologe."

Speziell für den "Tresor - Raum für flüchtige Kunst" kreiert Steffen Osvath
zwei raumfüllende Environments, die zwischen Horror-Kabinett,
Foto-Ausstellung und Licht-Installation changieren und so eine mögliche Aura
der fensterlosen, mit Betonwänden ausstaffierten Tresor-Räume aufnehmen. Die
Fotos und Dias leuchten wie flüchtige Gedankenblitze kurzfristig aus dem
Dunkel des Vergessens auf, um kurz darauf wieder darin zu versinken. Durch
die chronologische Anordnung erzählen die Bilder eine Geschichte, allerdings
konstruiert jeder Ausstellungsbesucher diese Geschichte individuell in
seinem Kopf. Eine Wandergruppe verwandelt sich neben dem Soldaten zur
Flüchtlingstruppe, neben der blinden Frau werden sie zu Lemmingen, die ins
Nirgendwo marschieren.

Der Ausstellungstitel "Wohnhaus grimmer Schmertzen" ist dem Gedicht
"Menschliches Elende" von Andreas Gryphius entnommen, in dem es heißt: "Was
sind wir Menschen doch! Ein Wohnhaus grimmer Schmertzen? Ein Baal des
falschen Glücks, ein Irrlicht dieser Zeit. Ein Schauplatz aller Angst und
Widerwertigkeit". Osvath entlarvt mit seinen Fotobearbeitungen dieses
"falsche Glück", dieses "Irrlicht" der Dauerhaftigkeit. Das Gedicht endet
mit der Zeile "So werden wir verjagt gleich wie ein Rauch von Winden". Diese
Flüchtigkeit der menschlichen Existenz ist im "Tresor" sicht- und spürbar.
Die Installation gemahnt an die Vergänglichkeit und die Unwichtigkeit des
Einzelnen. Sie macht einem Angst, härtet aber auch ab und verströmt trotz
allem eine fast romantische Poesie, der sich niemand erwehren kann.

Weitere Informationen zum Künstler unter: http://www.ossidee.de


TRESOR - Raum für flüchtige Kunst
Kulturdirektion H7, Raum 0.22d
Heilbronner Straße 7
D-70174 Stuttgart

nach dem Eingang rechts durch die Türe
dann den ersten Gang links
ungefähr in der Mitte auf der rechten Seite

Zug, S-Bahn, U-Bahn, Bus:
Haltestelle Hauptbahnhof / Arnulf-Klett-Platz

Zum Hintergrund des Ausstellungsraums:
http://www.kunsttresor.net








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