Von Wand 5 am 20. Mai 2010 um 17:46

Wand 5 lädt herzlich ein zum MEDIA-SPACE Teil 2 im Filmhaus,
Mittwoch 26.05.2010 um 19 Uhr

Vortrag von Hans D. Christ
Direktor des Württembergischen Kunstvereins

SEOUL: SOFT CITY – HARD CITY

Zurzeit gibt es diverse staatliche Programme zur Etablierung der so
genannten Kreativindustrie in Südkorea, die durch erhebliche urbane
Umstrukturierungen und Investitionsprogramme in den großen Städten der
Halbinsel realisiert werden sollen. In Seoul sind dies insbesondere der
Hangang Renaissance Master Plan,“ zu dem auch Großinvestitionen wie der
„Dream Hub“ in Yongsan gehören. Andere Projekte wie der „Design Plaza &
Park“ in Dongaeum verweisen auf das Vorhaben Seoul als Standort der
Kreativindustrie zu etablieren.

Die Schlagworte sind „Digital Media City Seoul, Design City Seoul, Eco City
Seoul“. Diese dem Stadtmarketing entlehnten Begriff stehen unter dem
zusammenfassenden Oberbegriff „Seoul: Soft City“. Das Versprechen, dass hier
intendiert ist, ist die Entwicklung einer ökologischen, an Hochtechnologie
orientierten Metropole. Diese Marketingansätze werden heutzutage von fast
allen Bürgermeistern in Metropolen von Sao Paulo, Peking, Dubai, Barcelona,
London, Luanda über Bangkok bis Mumbai vorgetragen. Hier zeichnet sich eine
weltweite Korporatisierung von Städten ab, deren Zukunft im Kern auf
großmaßstäblichen Projekten der Immobilienwirtschaft und deren symbolischer
Verwertung für progressive Entwicklungen beruht. Die symbolische Funktion
ist zudem wesentlich mit einer kleinen Gruppe international operierender
Investoren (z.B.: Samsung, „Burj Tower,“ Dubai, „Dream Hub,“ Seoul) und
einer ebenso exklusiven Gruppe von Architekten („Dream Hub,“ Daniel
Libeskind, Dongaeum „Design Plaza & Park,“ Zaha Hadid) verbunden. Der Effekt
ist die benannte Korporatisierung, die eine effektive Betrachtung der
jeweils spezifischen Kontexte zugunsten scheinbar verbürgter Standards
aufgibt. Die „Soft City“ wird zwar virtuell entworfen, letzten Endes aber in
Glas und Beton realisiert. Die Zukunft verweist zurück auf klassische
Investitionsmuster, wie sie der alten Idee der „Hard City“, dem Fakten
Setzen durch überdimensionale Bauvorhaben entspricht. Aufgeladen wird diese
konservative Idee von Stadt durch aufwendige Architekturanimationen, die das
fiktionale Narrativ über Stadt für eine komplexe Betrachtung der
spezifischen Gegebenheiten versiegeln.
Der Vortrag wird im Schwerpunkt den Kontext Seoul entlang der digital
hergestellten Versprechungen und deren Verleugnung der realen Gegebenheiten
betrachten. Am Rande werden zudem digitale Methoden zur Herstellung von
Wirklichkeit überprüft, die scheinbar Komplexität abbilden können.

Nach dem Vortrag können sich die Besucher das Material auf mitgebrachten
USB-Sticks abspeichern.



MEDIA-SPACE 2010

DIGITALE SIMULATIONEN, ARCHITEKTURUTOPIEN UND STUTTGARTER BAUSTELLEN
Vorträge – Diskussionen – Filmscreenings – öffentlicher Raum – Ausstellung

Programm und Infos unter http://www.media-space.org

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