Von WKV Wuertt. Kunstverein Stuttgart am 04. Mrz 2016 um 13:02


----------------------------------------------------------------------------
WKV STUTTGART: PETITIONSAUFRUF
----------------------------------------------------------------------------

SOLIDARITÃT MIT DEM MUSEUM MORSBROICH
Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG rät der Stadt Leverkusen, das
Museum Morsbroich zu schlieÃen, um die jährlichen Kosten von rund
800.000 Euro einzusparen und überdies Gewinne aus dem Verkauf der
Sammlung zu erzielen: Ein Szenario, das die Stadt Leverkusen (sie hat die
KPMG eigens beauftragt) ernsthaft in Erwägung zieht. Es ist nach
Mülheim, Marl und Bochum die dritte Kommune in NRW, die den Versuch
unternimmt, ihre Haushaltsdefizite durch das SchlieÃen von
Kunstinstitutionen zu stopfen. Das hat bislang nicht funktioniert - und
darf es auch nicht im Falle des Museums Morsbroich. Denn es wäre ein
Supergau für ganz Deutschland, wenn Städte damit beginnen, Museen mit
der Begründung zu schlieÃen, sie würden Geld kosten. Wir alle, die wir
Kunst schätzen, weil sie nicht nur schön, sondern auch unbequem ist, und
die möchten, dass Kunst auch in Zukunft auf breiter Ebene zugänglich
bleibt, sollten uns für den Erhalt der künstlerischen Vielfalt
einsetzen.

PETITION
https://http://www.openpetition.de/petition/online/offene-petition-fuer-den-erhalt-des-museum-morsbroich

KOMMENTAR

Ein öffentliches Museum ist kein wirtschaftlich gewinnorientiertes
Unternehmen, sondern ein öffentlich zugänglicher Ort der Erfahrung,
Bewahrung, Sammlung, Erforschung und Vermittlung von Kunst, der sich frei
von kommerziellem und politischem Druck artikulieren und profilieren
können muss.

Anstatt Museen nach unternehmerischen Aspekten zu evaluieren, müssen
Kommunen â und müssen wir alle â andere, das heiÃt der Kunst (ihrer
Sammlung, Erforschung, Präsentation, Vermittlung â¦) entsprechende
Kriterien entwickeln, auf deren Basis der Sinn, Zweck, die Bedeutung und
der Erfolg einer öffentlichen Kunstinstitution erst ernsthaft beurteilt
werden kann.

Ziel einer solchen qualitativen Analyse â bei der das Museum Morsbroich
zweifelsohne glänzend dastehen würde â kann auch im schlimmsten Fall
nicht die SchlieÃung, sondern sollte immer zu allererst die Formulierung
von Zukunftsperspektiven sein.

Den Erfolg einer Kunstinstitution vorrangig entlang von Besucherzahlen zu
messen ist bekanntermaÃen irreführend, denn die Quote allein sagt zum
Beispiel nichts über die vorhandene Qualität, Vielfalt und das Niveau
der Kunstpräsentation und -vermittlung aus.

Manche Leute glauben überdies, es gäbe zu viele Kunstmuseen in
Deutschland, man müsse zwangsläufig einige Häuser schlieÃen, um andere
(wichtigere) zu stärken. Hier ein paar Zahlen:

In Deutschland gibt es laut Berechnungen des Instituts für
Museumsforschung (Stand 2011, siehe unten) insgesamt 4.835 öffentliche
(57,6 %) und private (39,1 %) Museen â davon sind ganze 537 dieser
Museen der Kunst gewidmet. Von einer Ãberfrachtung kann also wohl kaum
die Rede sein, wenn auf rund 158.000 EinwohnerInnen ein Kunstmuseum kommt.

Dass nicht alle Kunstinstitutionen effizient â was immer das heiÃen mag
â arbeiten können, liegt oftmals an der notorischen Unterfinanzierung
(was ganz offenkundig auch für das Museum Morsbroich gilt). Diese
Unterfinanzierung hat wiederum nichts damit zu tun, dass kein Geld da ist,
sondern dass für alle Museen, Sammlungen und Ausstellungen zusammen â
inklusive der Ausstellungen von Kunstvereinen und Kunsthallen â nur sehr
geringe öffentliche Mittel zur Verfügung gestellt werden: Nämlich ganze
0,33 % des öffentlichen Gesamthaushaltes von Bund, Ländern und Kommunen
â und 0,07 % des BIPs (2011).

Wir müssen uns also vielmehr fragen, was uns die Kunst â ihre
öffentliche Sammlung, Bewahrung, Vermittlung, Erforschung und Erfahrung
wert ist.

Statt einem neoliberalen Kulturdarwinismus das Wort zu reden, sollten wir
uns politisch für die ideelle wie finanzielle Stärkung einer über
Jahrzehnte und Jahrhunderte geschaffenen dezentralen Struktur von
Kunstinstitutionen einsetzen. Dabei muss es auch um die Stärkung und den
Erhalt einer anspruchsvollen theoretischen Auseinandersetzung mit der
Kunst gehen, die nicht nur als Gegengewicht zu einem steigenden Populismus
notwendig ist, sondern auch eine Ãffentlichkeit hat.

Und wer glaubt, dass die öffentlichen Gelder, die durch die SchlieÃung
des einen Kunstmuseums eingespart werden, einem anderen zugute kommen,
sollte spätestens mit dem Fall Morsbroich eines Besseren belehrt sein.

https://http://www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/BildungForschungKultur/Kultur/Kulturfinanzbericht1023002149004.pdf?__blob=publicationFile




--

Württembergischer Kunstverein Stuttgart
Schlossplatz 2
D - 70173 Stuttgart
T: +49 (0)711 - 22 33 70
F: +49 (0)711 - 29 36 17

http://www.wkv-stuttgart.de

Wenn Sie diesen Newsletter nicht mehr erhalten oder eine
andere Emailadresse angeben möchten, klicken Sie bitte hier:
http://www.wkv-stuttgart.de/newsletter/








LF.net Netzwerksysteme GmbH :: Internet Service Provider in Stuttgart

Mailingliste/Blog / Archiv