Von WKV Wuertt. Kunstverein Stuttgart am 26. März 2010 um 11:00



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WKV STUTTGART: VORTRAG
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MICHAEL ZINGANEL (Graz/Wien)
CRIME PAYS!
Die Funktionalisierung der Angst in Kulturindustrie und Stadtplanung

Montag, 29. März 2010, 19 Uhr

Im Rahmen der Ausstellung „Bettina Lockemann. Kontaktzonen“ hält der
Kulturwissenschaftler und Architekturtheoretiker Michael Zinganel
(Graz/Wien) am Montag, den 29. März 2010 um 19 Uhr einen Vortrag im
Württembergischen Kunstverein. Dabei beleuchtet er Aspekte von Verbrechen
und Angst im Sinne wirtschaftlicher Faktoren der Stadtplanung und
Kulturindustrie. „Kriminalität lohnt sich“, so seine provokante These, und
bezieht sich dabei auf Karl Marx Ausführungen, dass der ‚Verbrecher’ nicht
nur das ‚Verbrechen’ selbst, sondern auch alle gegen das Verbrechen
gerichteten Maßnahmen produziert.

INHALT
Die Angst vor ‚dem Verbrechen’, bildet sich sowohl in ästhetischen
Produktionen ab, in einer ‚cultural industry of fear’ als auch in
präventiven bautechnischen, architektonischen und städtebaulichen
Innovationen: Seit den ersten eingefriedeten Stadtgründungen als Zentren
des Handels hat sich das Spektrum an Bedrohungsszenarien aber nicht – wie
zu erwarten wäre – reduziert, sondern im Gegenteil radikal
ausdifferenziert: produktiv im Marx’schen Sinne sind heute nicht nur
feindliche Armeen, Einbrecher oder Terroristen, sondern mitunter auch die
bloße Präsenz von Armut, wenn sie den Wert der eigenen Immobilie in Frage
stellen oder die Konsumlaune in Shoppingmalls mindern könnten.
Die Stadt droht in ‚communities of intererst’ zu zerfallen, die sich je
nach finanzieller Kaufkraft voreinander abzuschließen imstande sind: Diese
sozialräumlichen Verinselungen sind aber keineswegs so hermetisch, wie sie
auf den ersten Blick erscheinen. Denn nur durch die Überschreitung ihrer
Grenzen lassen sich Arbeitsort, Schule oder Konsum- und
Freizeiteinrichtungen erreichen. Und umgekehrt müssen die
DienstleisterInnen eingelassen werden, die den dem angestrebten Milieu und
Status angepassten Lebensstil erst ermöglichen.
Zum anderen kann das Leben in den geschützten Zonen auch als zu langweilig
empfunden werden: Es zeigt sich sogar, dass Städte im regionalen und
internationalen Wettbewerb Zonen authentischer urbaner Kultur aufweisen
müssen, an denen sie ihre ‚Toleranz’ gegenüber sozialen Randgruppen
offensiv zur Schau stellen. Aber auch selbst Tatorte realer Verbrechen,
Orte politischer Konflikte, vormals oder aktuell gefährliche Zonen der
Stadt lassen sich zu touristischen Attraktionen für ‚Authentizität’
suchende Stadttouristen umwerten.

KURZBIOGRAFIE
Michael Zinganel arbeitet als Kulturwissenschafter, Architekturtheoretiker,
bildender Künstler und Kurator in Graz und Wien, u. a. für das Forum
Stadtpark Graz von 1996 bis zum Kulturhauptstadtjahr 2003. Ausstellungen,
Projekte und Publikationen über „Die Produktivkraft des Verbrechens für
die Entwicklung von Sicherheitstechnik, Architektur und Stadtplanung“ und
„Tourismus als Motors des transnationalen Kulturtransfers“.



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