Von WKV Wuertt. Kunstverein Stuttgart am 08. November 2009 um 22:00



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WKV STUTTGART: VORTRAGSREIHE
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im Rahmen der Ausstellung "Peggy Buth. Desire in Representation" (bis 3.
Januar 2010)

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DIENSTAG, 10. NOVEMBER 2009, 19 UHR
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TILL GATHMANN (Leipzig), Vortrag:
BUCH, GESCHICHTE, REFERENZ

Das Buch als „Feststellungs“medium konstituiert nicht nur Geschichte, indem
es sie aufbewahrt, es speichert dabei auch die historischen Formen der
Ordnung von Wissen und Gedanken, konstituiert visuelle Kultur. Die
Gestaltung eines Buches kann heute ein Formfindungsprozess auch in
archäologischem Sinne sein. Die „Ausgrabung“ vorangegangener
Ausdrucksformen, die Recherche, die Reflexion auf visuelle Kultur, sind
die Grundlage für die Kontextualisierung eines bestimmten Inhalts durch
die Strukturierung und Gestaltung des Buches. Ausgehend von der Gestaltung
der Künstlerbuches Desire in Representation, welches Ausgangspunkt für die
Ausstellung war, wird der Vortrag einige dieser Momente freilegen.
Mit solcherart Formfindung aber nähert sich reflexive Buchgestaltung einer
zentralen Kategorie der zeitgenössischen Kunst an: der Referenzialität.
Bemerkbar macht sich diese in den Metaphern der Sprache, die die
Beschreibung von Kunst heute bestimmen. Die Herkunft des Begriffs der
Referenz aus der Zeichentheorie aber weist auf ein Problem: Kann man
Referenzen in der Kunst einfach lesen, in Text bzw. Sprache verwandeln?
Was genau meint die Kategorie der Referenz dann in der zeitgenössischen
Kunst?
Diese Fragen zielen auf den Erkenntnischarakter ästhetischer Erfahrung.
Denn nicht geht es hier um die Überführung von Erkenntnis in Kunst,
sondern um Bestimmung der Kunst als Form der Erkenntnis.

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MITTWOCH, 11. NOVEMBER 2009, 19 UHR
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LISELOTTE HERMES DA FONSECA (Hamburg), Vortrag:
"EINEN MENSCHEN AUSSTELLEN"

Kolonien dienten Europa im 19. Jahrhundert nicht nur als Quelle von
Rohstoffen für eine wachsende Industrie. Die vielen neu entstehenden
wissenschaftlichen Museen füllten ihre Räume mit „Material“ aus der Fremde
– als Grundlage und als sichtbarer Beweis einer Forschung über „den
Menschen“. In die Kolonien schickte man – geradezu im Gegenzug –
diejenigen, die in der eigenen Gesellschaft keinen Platz haben sollten: in
die Strafkolonien.
Beanspruchten die wissenschaftlichen Museen dabei nicht nur zu bewahren,
sondern zu retten, was vom Tode bedroht war, sollten die Strafkolonien die
Lebensformen aufnehmen, die man „auszurotten“ trachtete. Ein im Kampf
errungener Kopf im Einmachglas wurde so nicht nur zum Objekt eines
positivistischen Wissens vom Menschen, sondern zugleich zum Beweis einer
Erhaltung des vom Aussterben bedrohten Menschen. Die Strafkolonisten,
deren Leben hingegen als lebensunwert galt, wurden lebendig ausgestellt,
um zu verschwinden.
Diese Kreuzung von Ein- und Ausschluss der Menschen – die Leben und Tod im
Namen des Lebens verwechselt – ist „In der Strafkolonie“ von Franz Kafka
nicht nur kritisch beschrieben, sondern auf so eigentümliche Weise
aufgenommen, dass sie eine Problematik der Kritik selbst zu lesen gibt:
Eine Grenze der Repräsentation zeigt sich, die Leben ein- oder
auszustellen vermag. Alternativen zum aufgenommenen Wissen tun sich auf,
ohne dieses zu verwerfen und als ganz anderes auszuschließen. Die
Erzählung gibt entsprechend nicht nur Wissen des 19. Jahrhundert wieder,
wie es z.B. in den populären Reiseberichten von H. M. Stanley zu lesen
ist, sondern auch wie es in vielen zeitgenössischen Ausstellungen – wie
z.B. von Peggy Buth – zu sehen ist.

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WEITERE TERMINE IM RAHMEN DER AUSSTELLUNG
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Sonntag, 15. November 2009, 16:30 Uhr
KURATORENFÜHRUNG

Montag, 23. November 2009, 19 Uhr
YVONNE P. DODERER
MÄNNLICH, HEROISCH, KRIEGERISCH. HOMO/SEXUELLES BEGEHERN UND KOLONIALISMUS
Siehe:
http://www.wkv-stuttgart.de/programm/2009/ausstellungen/peggy-buth/vortragsreihe/yvonne-p-doderer


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