Von Manfred Unterweger am 25. Juli 2010 um 14:29



In seinem neuen Werkzyklus mit dem Titel ‚Lärmsauger oder O Herr, gib
mir Ohrenlider’, der ab 6.8.2010 erstmalig bei Zero Arts zu sehen ist,
setzt sich der Stuttgarter Künstler Marquardtharald auf sehr
eindrucksvolle und ästhetische Art und Weise mit dem Thema Lärm
auseinander.

Wir alle sind täglich von Geräuschen umgeben, die wir als Lärm
wahrnehmen. Lärm von Baustellen. Lärm in der Stadt, auf den Straßen.
Lärm von den Nachbarn. Lärm im eigenen Haus. Lärm ist selbst gemacht,
von uns Menschen. Vor dem Lärm suchen wir Zuflucht. In der Stille, die
uns ein beruhigender Pol im lärmenden, oft hektischen Alltag ist. Lärm
unterbricht unsere gedankliche Ruhe. Lärm ist ein Zivilisationsproblem
geworden.

In seinem Werkzyklus ‚Lärmsauger oder O Herr, gib mir Ohrenlider’
versucht Marquardtharald mit seinen Objekten, Fotomontagen,
Zeichnungen und Multiplen darauf aufmerksam zu machen, zu
sensibilisieren. Die Grundidee, sozusagen die Initialzündung zu diesem
Werkzyklus verdanken wir seinem Nachbarn. Es war im letzten Herbst.
Die Blätter fielen lautlos von den Bäumen. Und was macht sein Nachbar?
Er benützt ein technisches, motorbetriebenes Gerät, um dem Laub auf
seinem Grundstück Herr zu werden. Er nimmt also seinen knatternden
Laubbläser zur Hand und verursacht damit eine typische und
gleichzeitig unnötige Lärmbelästigung. Daraufhin entstand
Marquardtharalds Vision des Lärmsaugers als Gegenmittel: Diese
Lärmsauger fliegen lautlos über der Stadt, saugen den entstehenden
Lärm zeitgleich ab und verwandeln ihn in Stille.

Falls wir es in Zukunft nicht schaffen den Lärm einzudämmen, könnte
uns vielleicht irgendwann einmal die Evolution zu Hilfe kommen. Dem
Menschen werden Ohrenlider wachsen. Kleine Ansätze sind ja bereits zu
sehen. Dann können wir unsere Ohren einfach schließen, wenn wir nichts
mehr hören wollen. So, wie wir es jetzt mit unseren Augen machen, wenn
wir nichts mehr sehen wollen.

Marquardtharalds Arbeiten zu diesem Thema strahlen Ruhe aus, sie sind
leise, trotz der verschiedenartigen Materialzusammenstellung. In der
ersten Werkphase entstanden meist seine Zeichnungen, danach fertigte
er – zur Verdeutlichung oder auch zur Überprüfung – die dazugehörigen
Objekte an. Um die Aussage und Eindringlichkeit zu unterstreichen
finden dabei stets sinnfällige Materialien Verwendung, wie zum
Beispiel bei den Lärmsaugern ein saugfähiges Schwammgummi aus dem
Baumarkt. Leichte transparente Behälter verdeutlichen die Stille, die
Ruhe.

Als Rückzugsmöglichkeit hat Marquardtharald die Vision eines
‚Kopfhauses’ geschaffen, abgeschirmt von jeglichem Lärm der Umgebung.
Denn ‚in sich gehen’ und Ruhe finden beginnt im Kopf...



O Herr, gib mir Ohrenlider / Marquardtharald

Zero Arts e.V.
Ostendstrasse 16
70190 Stuttgart-Ost

Ausstellungseröffnung: Freitag, den 6. August 2010 ab 20.00 Uhr
Showdown: Freitag, den 3. September 2010 ab 20 Uhr

Die Ausstellung kann bis 3. September 2010 besichtigt werden.
Öffnungszeiten: Donnerstags und Freitags jeweils von 17 - 20 Uhr


Infos unter: http://www.zeroarts.de







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