Von Zero Arts am 23. Januar 2012 um 20:34

...der Ausstellung

"Sinnlose Tätigkeiten mit groÃer Sorgfalt ausgeführt"
Videoarbeiten von Gabrielle Zimmermann
laden wir herzlich ein am Freitag, 03. 02. 2012 ab 20 h.

2009 beginnt die Videokünstlerin Gabrielle Zimmermann (gz) ihre
âVersuchsreiheâ mit dem scheinbar widersprüchlichen Titel âSinnlose
Tätigkeiten mit groÃer Sorgfalt ausgeführtâ. In laborartigen Situationen
werden akribisch eigenwillige Versuchsreihen durchgeführt.
Verpackungsmaterialien, wie Luftpolster und Luftpolsterfolien werden
aufgeschnitten, perforiert, penetriert, zerstört und manipuliert - auf sehr
unterschiedliche Art und Weise (mit Skalpell, Zange, Nadel,...) wird Luft
entzogen oder werden Flüssigkeiten injiziert â¦

Den dadurch entstehenden Bildkompositionen wohnt durchaus eine formale
Ãsthetik inne. So steht die transparente Oberflächenbeschaffenheit des
Plastiks und dessen âätherischeâ Verletzlichkeit im Kontrast zu dem
metallenen klinischen Besteck. So werden in Szene Nr. 6b der âVersuchsreiheâ
geduldig die endlos scheinenden Luftpolsterreihen einer Folienbahn mit dem
Finger zerdrückt (dieser Vorgang existiert auch in Echtzeit, ca. 1Std.,
wurde aber mit Zeitraffungen durch Ãberblendungen gekürzt). Die durch das
Zerplatzen der Luftpolster und dem Rascheln der Folie entstehende âMusikâ
begleitet das âBallettâ aus Fingern und Folienbewegung.

So âsinnlosâ und unbeschwert, wie der Titel den Betrachter zunächst glauben
macht, ist das ganze Unterfangen nicht; es beinhaltet vielmehr ein
Vielfaches an Denkansätzen, welche völlig unterschiedliche Diskurse anregen
können: Sei es zum Einen auf konsumkritischer, umweltpolitischer Ebene, die
Frage nach all dem âWohlstandsmüllâ, der allein durch Verpackungsmaterial
entsteht oder nach dem Anachronismus diverser Datenträger, welche
gewissermaÃen auch das Ende einer âanalogen Datenepocheâ markieren (1); zum
Anderen Assoziationen an meditative Ansätze und Tätigkeiten, z.B. im
Buddhismus, insbesondere Zen, aber auch an Camusâ âMythos von Sisyphosâ (2)
und der damit einhergehenden Frage nach Absurdität und Existenz.

Diese Arbeitsreihe, welche auch immer als solche betrachtet und gezeigt
werden soll, setzt sich auf minimalistische und zugleich humorvolle Weise
mit den groÃen âSinnfragenâ auseinander. Was ist also sinnvoll?... was ist
sinnlos? Diese Frage wird ironisch in den Raum gestellt und lässt Platz für
die individuellen Gedankengänge des Betrachters. Wenn dadurch Menschen zum
Schmunzeln oder Kopfschütteln gebracht werden oder gar das Verfolgen eines
Gedankenganges bewirkt wird, ist es per se schon nicht mehr sinnlos. Auch
das Verpackungsmaterial, "sinnloser Müll", erhält so noch eine Verwendung,
einen neuen Sinn.

Wenn der Betrachter zum Nachdenken über Sinn und Unsinn angeregt wird ...
ist der âSinnâ der âsinnlosen Tätigkeitenâ für gz schon erfüllt.
(1) Werkprozesse mit den Bändern alter Musik- und Videokassetten und alten
Schallplatten sind in Arbeit
(2) «Der Mythos von Sisyphos» kreist um die zentrale Frage, die Grundfrage
auch aller Philosophie, «ob das Leben die Mühe, gelebt zu werden, lohnt oder
nicht». Sisyphos steht für den Menschen, der sich seiner wahren Stellung in
der Welt und das heiÃt: seiner absurden Situation bewusst ist. Das «Absurde»
bezeichnet die Diskrepanz zwischen dem Menschen und seiner Sehnsucht nach
Sinn und Verstehen und dem Schweigen der Welt, ihrer Undurchdringlichkeit
und Gleichgültigkeit. Mit dieser Erfahrung stellt Camus die Forderung an den
Menschen, dieses Leben und diese Situation ohne Illusionen auszuhalten,
aller Transzendenz und allen Trostes zu entraten und eine sich ganz im
Diesseits ihren «Sinn» gebende Existenz auf sich zu nehmen, deren «Reich
ganz von dieser Welt ist». Allein diese geistige Haltung, so Camus, verleiht
dem Menschen in seiner absurden Situation Würde und Wert: «Wir müssen uns
Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen.»


Gabrielle Zimmermann (gz) hat Literaturwissenschaften und Kunstgeschichte
studiert (M.A. bei Tilman Osterwold und Beat Wyss), Bereits gegen Ende des
Studiums und direkt danach hat gz im Frankfurter Kunstverein (unter der
Leitung von Nicolaus Schafhausen) gearbeitet, bis sie sich 2001 gegen eine
Karriere im Ausstellungsvermittlungsbereich und doch für die freie Kunst
entschied. Seitdem ist die Autodidaktin als freie Künstlerin in Frankfurt,
Stuttgart und anderswo tätig.

Mehr Informationen unter: http://www.hirnzucken.de

Eröffnung am Freitag, 03. 02. 2012 ab 20 h
Showdown am Freitag, 02. 03. 2012 ab 20 h

PS: In unseren Räumen wird ab sofort im Interesse unserer nichtrauchenden
Besucher/innen erst ab 22 Uhr geraucht.



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Web: http://www.zeroarts.de
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