Von Peter Haury am 05. Februar 2012 um 13:14

Liebe Betacity, lieber Verteiler

wir laden zum Wochenende gleich zu zwei Veranstaltungen herzlich ein:

Am Freitag, 10. Februar, 20.00 Uhr halten Antje Gera und Claus Baumann
den zweiten Teil ihres Vortrags zur Situationistischen Internationale im
Lichte aktueller Diskurse und Entwicklungen

Leben ohne tote Zeit und Genuss ohne Hemmungen

Oberwelt e.V., Reinsburgstr. 93 Stuttgart


Am Sonntag, den 12. Februar, 11 Uhr eröffnen 25 Oberwelt-Mitglieder und
Künstler/innen

im Kunstzentrum Karlskaserne in Ludwigsburg, Hindenburgstr. 29

die Ausstellung "Friendly fire"

http://www.oberwelt.de

Einladungstext für Freitag:

Angesichts der Wiederaufnahme offensiverer kritischer
Auseinandersetzungen mit den Bedingungen eines möglichen »richtigen
Lebens im Falschen« könnte man konstatieren, dass damit auch die Kämpfe
um die gesellschaftliche Raum-Zeit neu justiert und mit Vehemenz geführt
werden. Nun scheint es jedoch so, als sei angesichts sinnlich
wahrnehmbarer Phänomene wie Gentrifizierung, Kommerzialisierung,
Branding von (städtischen) Räumen die Problematik vornehmlich eine des
Raumes. Uns wird es in den Vorträgen darum gehen, darzustellen,
inwiefern gerade die Problematik der Zeit hierbei nicht vernachlässigt
werden darf, inwiefern die Problematik wahrhaft freier Zeit ein
grundlegendes Moment einer kritischen Gesellschaftstheorie bilden muss.
Der Kampf um die freie Zeit stellte gerade für die Situationisten den
entscheidenden strategischen Ansatzpunkt zur Veränderung der
Gesellschaft in Richtung einer emanzipativen Gesellschaft, da sie eine
der Grundbedingungen für Muße. Diese Überlegungen werden wir einbetten
und flankieren in kritisch-theoretische Entwürfe eines Begriffs von
wahrhaft freier Zeit, wie er sich bei Marx, Benjamin, Adorno reflektiert
findet.

Einladungstext für Sonntag:

Oberwelt-Mitglieder und Gäste zu Gast in der Karlskaserne Ludwigsburg

U!!i Berg, Marc-Steffen Bremer, ´eljko Bo¸icevic, Jörg Buchmann, Heike
Ehrath, Kurt Grunow, Peter Haury, Iris Hellriegel, Jens Hermann,
Hannelore Kober, Renate Liebel, Andreas Mayer-Brennenstuhl, Wolfgang
Neumann, Marc Olbrich, Joachim Peter, Peter Prothmann, Ellen Rein,
Stefanie Reling, Uli Schwinge, Michael Strähle, Thomas Ulm, Pia von
Aulock, Julia Wenz, Daniela Wolf, Ute Woracek

Lese-Performance von Armin Elhardt zur Eröffnung im Anschluss an die
Begrüßung

Oberwelt erlaubt sich um den zynischen Begriff des "friendly fire" herum
eine Interpretation und Modellierung, die den ursprünglichen Wortsinn
des Begriffs mit seiner ganzen Wurzel ausgräbt. Dabei nehmen wir an,
dass der Sarkasmus der salopp geborenen Wortschöpfung in Wirklichkeit
die Perspektive der Beschossenen einnimmt und auf deren Galgenhumor beruht.

Die versehentlich von Freunden angerichtete Katastrophe wird von den
tatsächlich oder potentiell Getroffenen zu einem Akt der Freundlichkeit
umgedeutet. "Friendly dogs in an unfriendly world" (Jim Avignon). Anders
als beim kalten Geschwist "Kollateralschaden", zeigt sich hier ein
radikaler und damit progressiver Humor *, der allerdings in der
nüchternen Verwendung der Medien verlorengeht. So erscheint uns selbst
der offene Kamin als ein legitimer Assoziationspol.

Ein Faden, der sich durch die Veranstaltungen von Oberwelt zieht und der
mit "friendly fire" weitergesponnen wird, ist die revitalisierende
Geste, vorgefundene, vorgeprägte und/oder belastete Topoi und Begriffe
unbefangen aufzugreifen. In der Ludwigsburger Ausstellung begegnen sich
aktive Mitglieder mit jeweils eigenen Initiativen und Arbeiten und
setzen sich so zugleich einander aus. Auch hierin hat der kollektiv und
ehrenamtlich geführte Stuttgarter Kunstraum Oberwelt e.V. Tradition. Im
Alltag mit der Organisation eines überregionalen Ausstellungs- und
Vermittlungsprogramms befasst, zeigt sich jetzt wieder ein Teil des
Aktivenkreises mit eigenen künstlerischen Positionen, die auch etwas
über die Interessens-Hintergründe der jeweiligen Impulse für die
Betreuung des Programms zeigen.

Im Pulverdampf richten wir die Geschütze in alle Richtungen - als
Teilhabende an einem für den Zeitgeist unwahrscheinlichen Prinzip
punktueller Vergemeinschaftlichung künstlerischer Biografien,
undogmatischer Gruppenbildung und solidarischen Austauschs.

* "/Humor ist progressiv, wenn er radikal ist/" Andrea Fraser







LF.net Netzwerksysteme GmbH :: Internet Service Provider in Stuttgart

Mailingliste/Blog / Archiv